Oxfam-Studie

Acht Milliardäre angeblich so reich wie die halbe Menschheit

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Die Daten zeigen, dass die Ungleichheit über die Zeit zugenommen hat. Foto: Andres Benedicto/Archiv

Reichlich Diskussionsstoff für das 47. Weltwirtschaftsforum: Acht Männer besitzen so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit, sagt Oxfam. Die wachsende soziale Ungleichheit ist eines der Themen in Davos.

Davos (dpa) - Noch nie in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte war der Wohlstand weltweit so ungleich verteilt wie heute. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Entwicklungsorganisation Oxfam vor dem Start des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt hat.

Laut von Oxfam zusammengestellten Daten besitzen die acht reichsten Menschen der Welt - allesamt Männer - gemeinsam ein ähnlich großes Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit. Das reichste Prozent der Menschheit besitzt demnach seit 2015 mehr als der gesamte Rest.

Zugrunde liegen der Studie Daten aus verschiedenen Quellen. So führte Oxfam etwa Forbes-Schätzungen zum Vermögen der acht reichsten Männer mit Schätzungen der Bank Credit Suisse zum weltweiten Vermögen zusammen.

Demnach kommen die acht reichsten Multimilliardäre zusammen auf ein Vermögen von 426 Milliarden Dollar. Auf der anderen Seite besitzt die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, und damit 3,6 Milliarden Menschen, lediglich 409 Milliarden Dollar. Auch wenn die Daten Ungenauigkeiten aufweisen und nicht immer 1:1 vergleichbar sind: Sie zeigen, dass die Ungleichheit über die Zeit weiter zugenommen hat.

Demnach wuchs das Einkommen weltweit von 1988 bis 2011 um rund 11,9 Billionen Euro. Die reichsten zehn Prozent profitierten davon am meisten. Auf sie entfiel laut der Daten mehr als 45 Prozent der Steigerung. In Deutschland lag der Zuwachs des reichsten Zehntels demnach bei 34 Prozent.

Die Organisation macht für die Ungleichheit politische und unternehmerische Fehlentwicklungen verantwortlich. Sie fordert, dass Staaten stärker kooperieren anstatt gegeneinander in einen Wettbewerb um die niedrigsten Unternehmenssteuern zu treten. Gleichzeitig sollen sie unternehmerisches Handeln fördern, das sich weniger auf Kapitalgeber und stärker auf Arbeiter und Umweltkosten konzentriert.

Angesichts wachsender sozialer Spannungen und Erfolgen von Populisten sucht das Weltwirtschaftsforum auf seiner 47. Jahrestagung nach "anpassungsfähiger und verantwortungsbewusster" Führung. Im Schweizer Wintersportort Davos diskutieren von diesem Dienstag an etwa 3000 Spitzenpolitiker, Top-Manager, Wissenschaftler und Chefs von Nichtregierungsorganisationen. Die Veranstaltung unter dem Motto "Responsive and Responsible Leadership" steht im Schatten der Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten Donald Trump am 20. Januar, dem letzten Tag des Treffens.

So drehen sich zahlreiche Veranstaltungen um Trump und seinen Wirtschaftskurs. Aber auch die Zukunft der Europäischen Union nach dem Brexit-Votum der Briten nimmt großen Raum ein - geplant ist auch eine Rede der britischen Premierministerin Theresa May.

Die Eröffnungsrede hält am Dienstag der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping. Er hatte sich im Vorfeld internationalen Freihandel stark gemacht und populistische Tendenzen kritisiert. Erwartet werden auch UN-Generalsekretär António Guterres sowie Dutzende Staats- und Regierungschefs. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird wie im Vorjahr fernbleiben. Aus der Bundesregierung reisen Finanzminister Wolfgang Schäuble, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Gesundheitsminister Hermann Gröhe (alle CDU) an.

Beitrag von Xi Jinping in der "NZZ" (Englisch)

Die acht reichsten Männer der Welt

Acht Milliardäre, 3,6 Milliarden Arme

Der Lebensstandard ist vielerorts gesunken:

- Die letzte Finanzkrise und die Globalisierung haben den Lebensstandard vieler Menschen in den Industrienationen laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums sinken lassen. Deutschland indes gehört laut dem "Inclusive Growth and Development Report" zu denjenigen Nationen, in denen sich die Lebenssituation insgesamt verbessert hat.

- Zwischen 2008 und 2013 ist das Pro-Kopf-Einkommen in 26 entwickelten Ländern im Mittel jährlich um 2,4 Prozent oder 284 US-Dollar zurückgegangen. Das entsprechende Einkommen in Schwellenländern hat im gleichen Zeitraum zugenommen und zwar um 10,7 Prozent oder 165 Dollar.

- Für die Studie wurden neben dem Einkommen und dem Wirtschaftswachstum weitere Faktoren herangezogen wie soziale Sicherheit, Infrastruktur oder Gesundheitsversorgung. Daraus wird ein Lebensstandard-Index gebildet. Unter den Industrienationen schneiden Norwegen, Luxemburg und die Schweiz besonders gut ab. Deutschland hat sich um mehrere Plätze auf Rang 13 vorgeschoben. Die USA liegen an 23. Stelle.

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