Blockaden und Kontrollen

Wie deutsche Städte auf den Terror reagieren

+
München hat die Sicherheitsvorkehrungen für das Oktoberfest erneut angepasst und verschärft - allerdings bereits vor Barcelona. Foto: Sven Hoppe

Kann man Innenstädte vor Terrorattacken schützen? Die einen setzen auf bauliche Maßnahmen wie Poller. Andere sprechen von Aktionismus. Auch Politiker sagen: Absolute Sicherheit kann es nicht geben.

Berlin (dpa) - Der Terroranschlag von Barcelona hat die Debatte um die Sicherung deutscher Großstädte neu entfacht. Der Deutsche Städtetag unterstützte die Forderung von Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU), Innenstädte durch bauliche Maßnahmen wie Poller besser zu schützen.

Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy, warnte jedoch davor, sich bei der Stadtgestaltung von der Gefahr bestimmen zu lassen. "Unsere Städte müssen Orte des Zusammenlebens bleiben, in denen man sich nicht ständig mit Misstrauen begegnet", sagte Dedy den "Stuttgarter Nachrichten" und "Stuttgarter Zeitung".

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte in der "Heilbronner Stimme" davor, Städte zu "Festungen" auszubauen. Deutsche Großstädte reagieren auf unterschiedliche Weise auf den Terror.

HAMBURG hat keine konkreten Pläne, zusätzliche Poller oder Blockaden in Fußgängerbereichen oder Einkaufszonen zu installieren. Es mache wenig Sinn, nach den Vorfällen in Aktionismus zu verfallen, sagte eine Sprecherin der Innenbehörde. "Sicherheit wird in Hamburg generell groß geschrieben."

In BREMEN sagte eine Sprecherin des Innensenators, feste Poller etwa am Eingang von Fußgängerzonen seien bisher nicht geplant. Dafür gebe es zu viele Möglichkeiten für einen potenziellen Anschlag.

Die Stadt KIEL steht Caffiers Vorschlag dagegen positiv gegenüber. Aber nur "sehr starke und große Poller" könnten auch Lastwagen aufhalten, sagte Stadtsprecher Arne Gloy. Das Sicherheitskonzept zur Segelregatta Kieler Woche im vergangenen Juni sollte vor allem die Innenstadt vor Angriffen schützen. "Poller allein hätten dafür nicht ausgereicht. Es waren deutlich größere und schwerere Sperren erforderlich."

MÜNCHEN hat die Sicherheitsvorkehrungen für das Oktoberfest erneut angepasst und verschärft - allerdings schon vor Barcelona. Als Konsequenz aus früheren Anschlägen mit Lastwagen in Nizza, Berlin und London wird der Lieferverkehr dieses Jahr noch strenger kontrolliert.

In NÜRNBERG gibt es derzeit keine Planungen, Veranstaltungsorte durch Poller abzuriegeln. "Natürlich diskutieren wir verwaltungsintern, welche Maßnahmen zum Schutz sinnvoll sein könnten - und das nicht erst seit Barcelona", sagte Stadtsprecher Siegfried Zelnhefer. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

In STUTTGART und anderen Städten Baden-Württembergs seien bei Veranstaltungen bereits tonnenschwere Fahrzeuge im Einsatz gewesen, um als Hindernisse Attentate mit Fahrzeugen zu verhindern, sagte Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU). Die Sicherheitsmaßnahmen bei Wahlkampfauftritten oder Festen würden nun noch weiter intensiviert.

In FRANKFURT werden bei großen Festen bereits seit längerem Betonpoller an den Zufahrten aufgestellt, um Anschläge zu verhindern. Auf Caffiers Forderung reagierte das hessische Innenministerium zurückhaltend. Beim Schutz der Bevölkerung sei Hessen bereits auf einem hohen Niveau.

DRESDEN sichert ein Stadtfest an diesem Wochenende mit Anti-Terror-Sperren, die Anschläge wie in Barcelona verhindern sollen. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) hält auch dauerhafte Sperren oder Poller an stark frequentierten Plätzen für denkbar.

In BERLIN denken die Geschäftsleute am Kudamm über mehr Sicherheit nach. Vorstellbar sei etwa, die teils breiten Bürgersteige mit Pollern oder Pfählen abzusichern, teilte die Interessengemeinschaft Kurfürstendamm mit. Der Verein wolle auf Politik und Behörden zugehen.

Der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) hält die Hauptstadt derweil für ausreichend gerüstet. Sie bleibe aber verwundbar, sagte Geisel dem Inforadio des "rbb" am Samstag. "Bei aller Verstärkung der Polizei und bei aller Verbesserung der Ausrüstung der Polizei und der Anschaffung von Rettungswagen und bei aller Wachsamkeit: Glauben Sie nicht den Menschen, die Ihnen hundertprozentige Sicherheit versprechen. Die gibt es nicht". Das Sicherheitskonzept der Stadt werde aber laufend überprüft. Nach dem Anschlag am Breitscheidplatz im vergangenen Dezember sei etwa beschlossen worden, mehr Stellen zur Terrorbekämpfung zu schaffen, sagte Geisel der "Berliner Zeitung".

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach zweifelt ebenfalls an der Möglichkeit einer absoluten Absicherung. "Selbst wenn wir jetzt mit Hochdruck daran arbeiten würden, belebte Straßen und Plätze oder Volksfeste durch Poller und andere bauliche Maßnahmen vor Angriffen mit Kraftfahrzeugen besser zu schützen, würden wir rasch feststellen, dass es vor Anschlägen dieser Art keinen hundertprozentigen Schutz geben kann", sagte Bosbach der "Bild".

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare