169,2 Billionen Euro brutto

Wer hat, der hat: Globale Geldvermögen auf Rekordhoch

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Nach DZ-Bank-Berechnungen kostete die Nullzinspolitik der EZB die Sparer in Deutschland zwischen 2010 und 2016 Zinseinnahmen von 344 Milliarden Euro. Foto: Bundesbank

Die Börsenkurse klettern, und die Immobilienpreise steigen - der normale Sparer in Deutschland hat davon allerdings nur wenig.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Welt ist reich - und sie wird immer reicher. 169,2 Billionen Euro brutto nennen private Haushalte nach Berechnungen des Versicherers Allianz rund um den Globus ihr Eigen.

Berücksichtigt werden dabei Bankeinlagen, Wertpapiere sowie Versicherungen und Pensionsfonds, nicht jedoch Immobilien. Fast die Hälfte der gewaltigen Summe (45 Prozent) konzentrierte sich Ende 2016 in Nordamerika.

Und dank des Börsenbooms werden viele Menschen in der reichsten Region der Erde ganz ohne eigenes Zutun immer wohlhabender. "In anderen Ländern lassen die Leute das Geld für sich arbeiten, in Deutschland müssen wir für das Geld arbeiten", bilanzierte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise bei der Vorstellung des "Global Wealth Reports 2017" am Mittwoch.

Die Deutschen gelten als Sparweltmeister. Seit 2012 haben die Menschen hierzulande der Allianz zufolge etwa 310 Milliarden Euro ihrer Arbeitseinkommen statt in Konsum in den Vermögensaufbau gesteckt. Doch weil sich viele Anleger trotz extrem niedriger Sparzinsen nicht an die Börse trauen, wachsen die Vermögen hierzulande nicht so kräftig wie etwa in den USA, wo der Staat die Altersvorsorge über Aktien und Fonds steuerlich fördert.

Obwohl die großen Zentralbanken der Welt mit ihrer expansiven Geldpolitik den Zins quasi abgeschafft haben und Sparbuch, Tagesgeld und Co. deshalb kaum noch Rendite abwerfen, landen dort im Schnitt zwei Drittel der Gelder, die neu angelegt werden - und das nicht nur bei den börsenscheuen Deutschen.

Nach DZ-Bank-Berechnungen kostete die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Sparer in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2016 Zinseinnahmen von 344 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr dürften weitere 92 Milliarden Euro hinzukommen. Selbst wenn man die Ersparnis abzieht, die sich durch günstigere Kredite ergibt, bleiben einschließlich des laufenden Jahres 248 Milliarden Euro Einbußen - macht 3024 Euro je Bundesbürger.

"Einen erheblichen Teil der Rechnung für die expansive Geldpolitik zahlen die deutschen Sparer", konstatiert DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier. "Es kommt de facto zu einer Umverteilung vom Sparer zum Staat. Was den Sparern an Zinszahlungen entgeht, sparen die Staaten bei der Refinanzierung ein."

Aktien sind für die Masse der Deutschen nach eigenem Bekunden keine Alternative. Nicht einmal jeder Zweite (42 Prozent) hält es einer aktuellen Forsa-Befragung zufolge für sinnvoll, wenigstens einen kleinen Teil des Ersparten an der Börse anzulegen. Steigende Aktienkurse locken demnach nur jeden Vierten (26 Prozent).

"Die Menschen wissen, wozu Aktienanlagen imstande sind. Aber das beziehen die meisten auf andere", kommentiert Giovanni Gay, Geschäftsführer bei der Fondsgesellschaft Union Investment, in deren Auftrag die Forsa-Umfrage gemacht wurde. "Für sich selbst kommen viele gar nicht auf die Idee, dass sie über entsprechende Geldanlagen am gesellschaftlichen Wohlstand besser partizipieren können."

Trotz allem: In der Summe sind die Deutschen so reich wie nie. Nach jüngsten Zahlen der Bundesbank stieg das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im ersten Quartal des laufenden Jahres auf den Rekordwert von rund 5676 Milliarden Euro. Die Notenbank berücksichtigt in ihrer Studie Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen - nicht jedoch Immobilien.

Im weltweiten Vergleich der Länder mit den reichsten Privathaushalten jedoch landet Deutschland nur im Mittelfeld: Beim Netto-Geldvermögen pro Kopf - also abzüglich von Schulden - belegt Europas größte Volkswirtschaft in der Allianz-Studie, die 53 Länder untersucht, den 18. Platz (49 760 Euro). Beim Brutto-Vermögen kommt Deutschland auf Platz 19 (70 350 Euro). Auf den beiden vorderen Plätzen landen jeweils mit großem Abstand die USA und die Schweiz.

Das verhältnismäßig schlechte Abschneiden Deutschlands erklären die Allianz-Experten vor allem mit zwei Faktoren: Wegen der Teilung des Landes sei "knapp ein Fünftel der Bevölkerung jahrzehntelang der Möglichkeit beraubt" worden, privates Vermögen aufzubauen. Gut 25 Jahre nach der Wiedervereinigung seien die Geldvermögen in Ostdeutschland im Schnitt immer noch nur halb so hoch wie im Westen der Bundesrepublik. Zudem galt die gesetzliche Rente in Deutschland lange als sicher - privat fürs Alter vorzusorgen, schien obsolet.

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