Unruhe im Konzern

Weil zuversichtlich für VW-Standort Osnabrück

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Ministerpräsident Weil sitzt in der Automobilsammlung von Volkswagen in Osnabrück. Foto: Friso Gentsch/Volkswagen

Was wird aus dem Volkswagen-Werk in Osnabrück? Die Produktion des Porsche Cayenne läuft dort demnächst aus, die Auftragslage gilt schon lange als schlecht. Niedersachsens Ministerpräsident - auch einflussreicher VW-Aufseher - macht den Beschäftigten Mut.

Hannover/Osnabrück (dpa) - Trotz anhaltender Sorgen wegen der Auftragslage im VW-Werk Osnabrück gibt sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil optimistisch für den Standort.

"Ich weiß, dass die Belegschaft in Osnabrück Planungssicherheit haben will. Die entscheidenden Personen in Wolfsburg sind sich dieser Verpflichtung bewusst", sagte der SPD-Politiker, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt. "Ich bin zuversichtlich, dass sich zügig ein Produkt finden wird, mit dem sich Osnabrück auf Dauer identifizieren kann."

Die IG Metall befürchtet, dass es im kommenden Jahr zu wenig Arbeit für die Stammbelegschaft geben könnte. Auch die "Neue Osnabrücker Zeitung" hatte über die Entwicklung am Standort berichtet.

Über 2300 Menschen arbeiten im Osnabrücker Werk. Volkswagen hatte es nach der Insolvenz des Cabrio-Spezialisten Karmann übernommen. Gefertigt werden dort die Porsche-Modelle Cayman und Cayenne sowie die erste Generation des VW Tiguan, außerdem wird der Skoda Fabia lackiert. Allerdings läuft die Cayenne-Produktion nach Angaben der IG Metall noch 2017 aus. Vorübergehend war auch der Autozulieferer und Auftragsfertiger Magna als Partner für das Osnabrücker Werk im Gespräch, ein Verkauf stand aber nicht zur Debatte.

Zugleich wechseln 300 VW-Leiharbeiter für zwei Jahre vom Emder Werk nach Osnabrück. Dafür sollen sie nach Angaben aus Konzernkreisen im Anschluss feste Verträge in Emden erhalten.

Stephan Soldanski, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Osnabrück, erklärte: "Wir machen uns Sorgen um die Auslastung und die Zukunft des Standorts." Die Stellen von knapp 270 Leiharbeitern der VW-Tochter Autovision würden abgebaut, auch bei der ausgegliederten Logistiksparte werde es Streichungen geben. Soldanski forderte ein "klares Bekenntnis zum Standort Osnabrück und den Beschäftigten". Außerdem sprach er sich dafür aus, dem Werk ein eigenes Modell zu geben - vergleichbar etwa mit der Passat-Fertigung in Emden.

Ein Sprecher des VW-Konzernbetriebsrats sagte: "Wir befinden uns mitten in den Gesprächen mit dem Vorstand zur Planungsrunde." Dabei gehe es vor allem den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat immer darum, die Produkte so auf die Standorte zu verteilen, dass die Beschäftigung gesichert werden könne - "und zwar in allen Marken und an allen weltweiten Standorten. Und damit auch in Osnabrück." Bis zur Aufsichtsratssitzung im November stehe eine Reihe von Gesprächen an.

Derzeit sei die Lage der Marke Volkswagen in Deutschland angespannt, erklärte der Sprecher. "So müssen beispielsweise auch Stammbeschäftigte aus unserem Braunschweiger Werk an andere Standorte wechseln. Auch die 300 Kollegen, die von Emden nach Osnabrück gewechselt sind, können sich auf eines verlassen: Sie werden, wie zugesagt, auch in Zukunft bei Volkswagen arbeiten."

Ministerpräsident Weil betonte: "Der Anspruch der Beschäftigten in Osnabrück ist ausgesprochen legitim." Osnabrück habe im Volkswagen-Konzern einen guten Namen, weil es ein Standort sei, der Autos von der ersten Studie bis zur Kleinserie entwickeln könne.

Gleichzeitig sorgen in Tschechien Medienberichte für Unruhe, wonach Volkswagen einen Teil der Skoda-Produktion in Fabriken außerhalb des Landes verlegen könnte. Im Gespräch sein soll demnach etwa eine Verschiebung des Skoda-Topmodells Superb ins VW-Werk Emden. Ein Volkswagen-Sprecher sagte auf Anfrage, das seien Spekulationen: "Diese Diskussion wird bei uns nicht geführt."

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