30 Prozent mehr Nettogewinn

Trotz "Dieselgate"-Milliardenkosten: VW verdient wieder mehr

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Über dem Verwaltungshochhaus auf dem Konzerngelände in Wolfsburg prangt das VW-Logo. Foto: Julian Stratenschulte

Abgasskandal, drohende Fahrverbote, Kartellverdacht - die Liste der Baustellen im VW-Konzern bleibt lang. Deutlich kürzer scheint das Gedächtnis der Kunden, die Geschäfte der Marken laufen glänzend. Ist "Dieselgate" damit überstanden?

Wolfsburg (dpa) - Unbeirrt vom Diesel-Skandal und Kartellverdacht behält Volkswagen wieder mehr Milliarden in der Kasse. Trotz zusätzlicher Kosten für Rückruf und Nachrüstung manipulierter Autos in den USA hat der Konzern in den ersten neun Monaten des Jahres einen deutlich höheren Gewinn verbucht.

Auch im Gesamtjahr sollen die Zahlen besser ausfallen als zuvor erwartet. Von Januar bis September steigerte VW den Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 30 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Freitag in Wolfsburg bekanntgab.

Im laufenden Geschäft kletterte das Ergebnis - vor Sondereinflüssen wegen jüngster Diesel-Milliardenlasten - von 11,3 auf 13,2 Milliarden Euro. Mit diesen Effekten zusammen gab es ein Plus von 8,6 auf 10,6 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 6,8 Prozent auf rund 170,9 Milliarden Euro.

Im dritten Quartal musste VW wegen der ausgeweiteten Rückstellungen zur Dieselaffäre allerdings einen Gewinneinbruch hinnehmen: Der in dieser Periode verbuchte Nettoertrag rutschte im Jahresvergleich um über die Hälfte auf 1,14 Milliarden Euro ab.

Ende September hatte der Konzern bekanntgegeben, dass Verzögerungen bei dem ohnehin schon kostspieligen Programm nochmals viel kosten - den Betrag bezifferte man nun auf 2,6 Milliarden Euro. Damit steigt die Rechnung zur Bewältigung der Abgaskrise auf über 25 Milliarden Euro. Gleichzeitig hat VW ein stattliches finanzielles Polster - die Nettoliquidität lag Ende September bei 25,4 Milliarden Euro.

"Eine Menge Zuversicht" zog Finanzvorstand Frank Witter aus den Neunmonatszahlen. "Das ist ein starkes Fundament, auf das wir aufbauen können." Konzernchef Matthias Müller nannte das Zwischenergebnis "beeindruckend", es untermauere das Vertrauen der Kunden. "Dafür sind wir dankbar."

Auch bei der Prognose äußerte sich VW nun optimistischer dank des guten Laufs bei den einzelnen Marken. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern solle nun im Gesamtjahr leicht über den bisher erwarteten 6 bis 7 Prozent operativer Umsatzrendite - also dem Anteil am Umsatz - liegen. Auch dabei werden allerdings Sondereinflüsse herausgerechnet. Von Juli bis September betrug das so berechnete operative Ergebnis 4,32 Milliarden Euro, 15 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Bei der wichtigen Kernmarke kommt der Konzern mit seinem Sparprogramm ebenfalls voran. VW Pkw - früher lange ein Sorgenkind - warf in den ersten neun Monaten im laufenden Geschäft mehr Gewinn ab: Das um Sonderkosten für die Dieselaffäre bereinigte operative Ergebnis der kletterte im Jahresvergleich auf rund 2,5 Milliarden Euro. Der Wert lag damit etwa doppelt so hoch wie Ende des dritten Quartals 2016.

Zwar sind die Zahlen nicht direkt mit dem Vorjahreswert vergleichbar, weil VW mehrere ausländische Importgesellschaften nicht mehr zur Marke zählt. Das schlägt sich aber vor allem im Umsatz nieder. Dieser sank von 77,7 Milliarden Euro auf zuletzt 58,8 Milliarden Euro.

Die Kernmarke profitierte unter anderem von guten Geschäften in China. Aber vor allem das Spar- und Umbauprogramm "Zukunftspakt" soll eine Rolle gespielt haben. VW setzte in den ersten neun Monaten 2,6 Millionen Fahrzeuge ab. Audi kam auf 1,1 Millionen Autos und lag damit leicht unter dem Vorjahreswert.

Trotz allem sei der Abgasskandal noch lange nicht abgearbeitet und werde weiter große Anstrengungen erfordern, betonte Witter: "Es gibt noch sehr viel zu tun, aber wir können mit dem bisher Erreichten durchaus zufrieden sein." Allein in diesem Jahr müsse VW wegen "Dieselgate" mit Abflüssen von 14,5 Millionen Euro rechnen. Zuvor hatte NordLB-Analyst Frank Schwope nach den neuen Rückstellungen vom "Wiederaufflammen des Dieselskandals" gesprochen. Er geht davon aus, dass die Gesamtkosten auf bis zu 35 Milliarden Euro steigen könnten.

Ansonsten lief es weitgehend rund bei VW. Die Wolfsburger machten von Juli bis September 55 Milliarden Euro Umsatz - 5,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Volkswagen lieferte in dem Zeitraum mit seinen Marken 2,65 Millionen Fahrzeuge aus, plus 6,3 Prozent. Anleger sahen denn auch mehr Licht als Schatten im Zahlenwerk und schickten die Vorzugsaktie bis Mittag um 1,65 Prozent hoch.

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