Geschmacklose Lotterie

Nach Massenmord in Vegas: Kirche empört mit Sturmgewehr-Gewinnspiel

Was wie ein geschmackloser Witz klingt, ist in Mississippi traurige Tatsache: Eine Kirche startet eine Lotterie und vergibt mit Rückblick auf den Massenmord in Las Vegas einen schrecklichen Preis.  

Mississipi - Meistens kann man bei Verlosungen tolle Preise gewinnen - teure Reisen, ausverkaufte Konzerttickets oder das neueste iPad. Doch eine Kirche im US-Bundesstaat Mississippi hat sich einen ganz anderen Gewinn überlegt. In der Kleinstadt Oxford kann man am vergangenen Sonntag, vor einem Supermarkt, ein Los für zehn Dollar kaufen. Wenn man zu einem der zwei Gewinner gehört, ist man im Besitz des bedenklichen Hauptpreises: Einem halbautomatischen AR-15-Sturmgewehr. 

Nicht nur der Gewinn und dass ausgerechnet eine Kirche die fragwürdige Aktion ausführt, auch der Ablauf der Verlosung sorgt für Sprachlosigkeit: Wie die Washington Post berichtet, waren am Verkaufsstand neben zwei Erwachsenen auch drei Kinder damit beschäftigt, die Sturmgewehre anzupreisen. Besucher sind schockiert, weil etwa Zehnjährige versuchen, sie zu einem Ticketkauf zu überreden. 

Todesschütze aus Las Vegas feuerte mit gleicher Waffe

Unglaublich: Mit einer solchen Waffe, wie sie hier feilgeboten wird als Gewinn, hat Stephen Paddock in Las Vegas 58 Menschen in den Tod gerissen. Viele US-Amerikaner sind dem Bericht zufolge empört von der Lotterie, beschweren sich bei der Kirche per Facebooknachricht und versuchen, damit auf das äußerst schlechte Timing aufmerksam zu machen. Auch wenn der Erlös des Gewinnspiels an ein Hilfsprogramm für Drogensüchtige gespendet werden soll, wird der Einsatz von Kindern bei dieser Kampagne sowie die Tatsache, welches Gewehr verlost wird, kritisiert. 

Das Statement des Pastors der Kirche (Oasis Chruch of All Nations), Danny Budd, wird in demPressebericht der Washington Post zitiert: "Wir verstehen diese Bedenken, aber die Resonanz auf die Verlosung war ausgesprochen positiv. Negative Reaktionen gab es nicht." 

nb

Rubriklistenbild: © picture alliance / Bernd Weissbr

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