Konflikt Ankara/Washington

Türkei fordert Ende der US-Unterstützung für Kurdenmiliz YPG

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US-Außenminister Rex Tillerson bei einem Treffen mit Präsident Erdogan in Ankara. Foto: Kayhan Ozer/Pool Priesidentials Press Office/AP

Die bedrohlichen Spannungen zwischen der Türkei und den USA nehmen nicht ab: Die türkische Regierung verlangt, dass Washington jede Zusammenarbeit mit der Kurdenmiliz YPG in Syrien beendet. US-Außenminister Tillerson ist zu schwierigen Gespräche in Ankara.

Istanbul/Brüssel (dpa) - In der Krise zwischen den Nato-Partnern Türkei und USA ist keine Entspannung in Sicht. Die Türkei forderte die USA erneut dazu auf, jede Unterstützung für die Kurdenpartei PYD und deren Miliz YPG in Syrien einzustellen.

Am Abend traf US-Außenminister Rex Tillerson in Ankara mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zusammen. Die türkische Regierung hatte die USA zuvor vor einem völligen Zusammenbruch der Beziehungen gewarnt.

Der türkische Verteidigungsminister Nurettin Canikli sagte am Donnerstag nach einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen James Mattis in Brüssel: "Die absolute und endgültige Lösung ist, dass die Vereinigten Staaten von Amerika, die unsere Alliierten in der Nato sind, ihre Beziehung zur YPG und PYD vollständig beenden."

Die USA arbeiten im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien mit den Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) zusammen. Das Bündnis wird von der YPG dominiert. Canikli forderte die USA auf, die YPG aus den SDF auszuschließen. Die Regierung in Ankara erwarte, dass die USA "sich zweifelsfrei an die Seite der Türkei stellen". Die Türkei geht seit dem 20. Januar mit einer Offensive gegen die YPG in der Region Afrin vor.

Die USA müssten die an die YPG gelieferten Waffen zurücknehmen, forderte Canikli. Das gelte besonders für schwere Waffen. Tillerson sagte kurz vor seiner Reise nach Ankara bei einem Besuch in Beirut: "Wir haben der YPG nie schwere Waffen gegeben." Daher könnten die USA solche Waffen auch nicht zurückholen. Tillerson wollte an diesem Freitag mit seinem Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu zusammenkommen. Anschließend wollten die beiden Minister vor die Presse treten.

Mattis forderte die Türkei auf, sich wieder auf den Kampf gegen den IS zu konzentrieren. Es müsse verhindert werden, dass sich der IS in Syrien neu aufstellen könne, teilte eine Pentagon-Sprecherin nach dem Treffen mit Canikli in Brüssel mit. Ein Wiedererstarken der Terrormiliz würde eine Gefahr für alle Nato-Partner darstellen. Mattis und Canikli waren am Mittwochabend am Rande des Nato-Verteidigungsministertreffens in Brüssel zusammengekommen.

Cavusoglu hatte am Montag gewarnt, die Beziehungen mit den USA könnten "vollständig zerstört" werden. Erdogan drohte den US-Soldaten in Syrien, die mit der YPG zusammenarbeiten, mit einer "osmanischen Ohrfeige". Die Türkei, aber auch das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht in der PYD den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die PKK steht nicht nur in der Türkei und der EU, sondern auch in den USA auf der Liste der Terrororganisationen. Für die YPG und die PYD gilt das nur in der Türkei.

Für Aufregung sorgte in der Türkei, dass auch der am Dienstag veröffentlichte Bericht der US-Geheimdienste zur "Weltweiten Bedrohungseinschätzung" die YPG als "syrische Miliz der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK)" einstuft. Mattis versicherte Canikli bei dem Treffen in Brüssel nach Angaben der Pentagon-Sprecherin, die USA stünden im Kampf gegen die PKK an der Seite der Türkei.

Wordlwide Threat Assessment (Englisch), dort Seite 21

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