Einschätzung des BKA

Tausende werden Jahr für Jahr für Geldwäsche missbraucht

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Eine Frau zählt 500-Euro-Geldscheine. Foto: Patrick Seeger/Illustration

Mit vielen Tricks versuchen Kriminelle, illegal erworbenes Geld in den normalen Wirtschaftskreislauf einzuschleusen - um es so reinzuwaschen. Anfällig für Geldwäsche sind laut BKA vor allem Bargeldgeschäfte - von denen es in Deutschland noch reichlich gibt.

Wiesbaden/Darmstadt (dpa) - Tausende Menschen in Deutschland werden nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes (BKA) jedes Jahr von Kriminellen für Geldwäsche missbraucht.

Das könne ernste Konsequenzen auch für nur ahnungslose und gutgläubige Menschen haben, sagte der Leiter der Zentralen Verdachtsmeldestelle des BKA in Wiesbaden, Michael Dewald. "Der Punkt ist: Das Geld, was transferiert wird, ist inkriminiert." Inkriminiert heißt, dass das Geld Gegenstand einer Anschuldigung oder Strafanzeige ist.

Wer sich darauf einlasse, könne dann auch wegen leichtfertiger Geldwäsche verurteilt werden. "Man muss das Geld zurückzahlen und kriegt noch eine saftige Geldstrafe oben drauf." Das Grundprinzip vieler Geldwäscher sei einfach, sagte Dewald. "Stelle uns dein Konto zur Verfügung, wir transferieren Geld darauf, hebe es ab, transferiere es weiter, und du kannst einen Teil der Summe behalten."

Schutz dagegen biete der gesunde Menschenverstand. "Es ist herzlich naiv, wenn man glaubt, dass man durch eine Tätigkeit, die nur wenige Minuten dauert, mehrere Hundert Euro bekommt." Dewald ist einer von rund 100 Fachleuten, die sich bis Freitag in Darmstadt zu einer zweitägigen Tagung des Arbeitskreises Geldwäscheprävention des dortigen Regierungspräsidiums treffen. Seiner Einschätzung nach wird illegales Geld heutzutage über zig Länder oder Gebietskörperschaften geleitet - in der Hoffnung, dass sich irgendwann die Spur verliert.

Das Vorgehen werde immer komplexer und internationaler, sagte Dewald. "Ich habe im Vergleich zu früheren Dekaden heute wesentlich mehr Möglichkeiten mit Online-Transaktionen. Daher würde ich sagen: Das Geldwäschevolumen ist gestiegen." Auch die europäische Polizeibehörde Europol hatte zuletzt vor einem Anstieg organisierter Kriminalität gewarnt und dabei unter anderem auf Geldwäsche verwiesen.

Dewald zufolge dürfte allein in Deutschland pro Jahr ein zweistelliger Milliardenbetrag an "inkriminierten Vermögenswerten" generiert werden. Hinzu komme Geld aus dem Ausland, das über Deutschland transferiert werde oder hier bleibe. "Wenn man das alles dazu nimmt, ist man definitiv im dreistelligen Milliardenbereich."

Anfällig für Geldwäsche sind nach Einschätzung Dewalds bargeldintensive Transaktionen, etwa im Kfz-Gebrauchthandel. Und Bargeldgeschäfte gebe es in Deutschland vergleichsweise viele. "Deutschland ist eine Gesellschaft, die sehr bargeldintensiv ist", sagte Dewald. "In anderen Ländern wie Frankreich oder Spanien gibt es Bargeldhöchstgrenzen, sie können hier nicht beliebig mit Bargeld zahlen." Das gebe es in Deutschland nicht, wäre aber wünschenswert.

Verbesserungsbedarf sieht Dewald bei der Verfolgung von Geldwäsche. "Die Geldwäschebekämpfung im Nicht-Finanzbereich könnte noch optimiert werden", sagte er. Im einst als am stärksten betroffen geltenden Finanzsektor habe sich in den vergangenen Jahren viel getan. Wichtig seien auch internationale Regelungen, sagte Dewald. Aber: "Das ist ein extrem mühsames Geschäft, weil die Interessen, aber auch die Möglichkeiten teilweise extrem weit auseinandergehen."

Die Arbeit der Polizei werde erleichtert durch Zentralregister, wie das Kontozentralregister in Deutschland. Sie ermöglichten schnelle Abfragen über Grenzen hinweg. Ein Immobilienzentralregister wie etwa in Spanien gebe es hierzulande indes nicht.

Financial Intelligence Unit Deutschland - Zentrale Verdachtsmeldestelle

Bundesfinanzministerium zum Thema Geldwäsche

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