"Steiniger Weg"

Mehr Frauen in den Topetagen deutscher Konzerne

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Die Mitglieder des Vorstands von Bertelsmann. Die Vorstände börsennotierter deutscher Unternehmen werden weiblicher. Foto: Jens Kalaene/Archiv

Die Vorstände börsennotierter deutscher Unternehmen werden weiblicher. Allerdings geht es nur langsam voran. Große Unterschiede gibt es zwischen den Dax-Konzernen sowie der zweiten und dritten Börsenliga.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Vorstände deutscher Unternehmen sind einer Studie zufolge weiterhin eine Männerdomäne, obwohl mehr Frauen der Aufstieg in die Topetage gelingt.

Der Anteil von Managerinnen in den Führungsgremien börsennotierten Unternehmen stieg zum Stichtag 1. Januar 2018 auf 7,3 Prozent (Vorjahr 6,5 Prozent), wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervorgeht. In den 160 Unternehmen der Börsenindizes Dax-, MDax-, SDax- und TecDax gab es erstmals insgesamt 50 Frauen im Vorstand. Das waren sieben mehr als vor einem Jahr. Ihnen saßen insgesamt 636 Männer gegenüber.

Nach wie vor sind 73 Prozent der Vorstandsgremien den Angaben zufolge ausschließlich mit Männern besetzt. Lediglich in 27 Prozent der Unternehmen sitzt mindestens eine Managerin in der Topetage. Zwei SDax-Unternehmen und zwei TecDax-Firmen werden aktuell von Vorstandschefinnen geführt. "Der Weg von Frauen in die Führungsspitzen der Unternehmen bleibt leider oft mühsam und steinig", kritisierte EY-Partnerin Ulrike Hasbargen. Daran habe sich trotz freiwilliger Quoten und öffentlicher Debatten wenig geändert.

Wenn es in dem Tempo wie im vergangenen Jahr weitergehe, werde es bis 2038 dauern, bis ein Drittel der Vorstandsposten mit Managerinnen besetzt sei. Hasbargen wies darauf hin, dass die verbindliche Quote für Neubesetzungen in den Aufsichtsräten seit dem Jahr 2015 zu mehr Frauen in den Kontrollgremien geführt habe. Unternehmen seien gut beraten, Managerinnen zu fördern und ihnen die Chance auf entsprechende Vorstandsposten zu geben. "Ansonsten dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis wir auch dafür eine gesetzliche Quote bekommen."

Seit Anfang 2016 sind 101 börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Firmen verpflichtet, bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Eine Quote für Vorstände gibt es nicht, von dem Gesetz sollte aber Signalwirkung ausgehen.

Am höchsten ist der Frauenanteil in den Topetagen der 30 Dax-Konzerne. Inzwischen haben 21 Unternehmen der höchsten deutschen Börsenliga den Angaben zufolge mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied, vor einem Jahr waren es noch 17 Firmen. In den Vorständen der 50 MDax-Konzerne herrsche dagegen Stillstand. Wie vor einem Jahr gehörten dort neun Frauen den Vorstände an. Bei den 50 SDax-Firmen bekleiden ebenfalls neun Frauen einen Topposten. Die 30 TecDax-Unternehmen beschäftigen zusammen derzeit sechs weibliche Vorstände - zwei mehr als noch vor einem Jahr.

Hasbargen empfahl Unternehmen, auch angesichts des Fachkräftemangels Frauen für Karrieren zu interessieren: "Gut ausgebildete Frauen werden heute dringender in den Konzernen benötigt denn je. Wer ihnen nicht entsprechende attraktive Angebote machen kann, wird im Wettbewerb um Fachkräfte das Nachsehen haben."

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