Nach Jamaika-Aus

Wer muss um seine politische Zukunft bangen?

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Bundeskanzlerin Angela Merkel verlässt nach einem Gespräch mit Bundespräsident Steinmeier Schloss Bellevue in Berlin. Foto: Michael Kappeler

Von einer Staatskrise mag am "Tag danach" keiner sprechen. Aber in Turbulenzen ist Deutschland doch geschlittert, weil die FDP die Regierungsbildung überraschend ausgebremst hat. Auch die persönliche Zukunft vieler Spitzenpolitiker erscheint nun offen.

Berlin (dpa) - Das überraschende Scheitern der Jamaika-Gespräche stürzt nicht nur die Bundesrepublik in eine ungewisse Zukunft, sondern auch viele beteiligte Politiker. Wer muss um seinen Posten bangen, wer Karriereträume begraben? Eine Übersicht.

Angela Merkel: Die Kanzlerin und CDU-Chefin steht unter Druck. Erst hat die Union das schlechteste Bundestagswahlergebnis seit 1949 eingefahren, jetzt ist Merkel mit der Regierungsbildung vorerst gescheitert. Neuwahlen will sie vermeiden, auch aus Furcht vor einem Erstarken der rechtsnationalen AfD. Ob die Debatte über einen Generationenwechsel und eine konservativere Ausrichtung der CDU neu entflammt, ist noch nicht ausgemacht.

Christian Lindner: Der FDP-Chef hat seiner Partei bei der Wahl am 24. September ein grandioses Comeback verschafft. Mit der Möglichkeit einer Jamaika-Koalition hatte er die Aussicht, Vizekanzler und Finanzminister zu werden. Doch dann beschloss er das Aus der Sondierungen. Nun muss er der Basis erklären, weshalb er diese Chance hat verstreichen lassen. Keine ganz einfache Aufgabe.

Wolfgang Kubicki: Der FDP-Vize hatte es in Schleswig-Holstein geschafft, zusammen mit CDU und Grünen ein Jamaika-Bündnis zu schmieden. Seine Erfahrung ließ sich aber auf den Bund nicht übertragen. "In Berlin funktioniert es anders", musste er einräumen. Nun will er in der Opposition versuchen, die FDP möglichst schlagkräftig zu machen.

Cem Özdemir: Galt gesetzt als Minister - Außen oder Wirtschaft waren im Gespräch. Der Grünen-Chef hat schon angekündigt, dass er für die Parteispitze nicht mehr kandiert. Sollten die Grünen nicht doch noch an die Regierung kommen, etwa nach Neuwahlen, müsste Özdemir wohl als einfacher Abgeordneter weitermachen.

Katrin Göring-Eckardt: Auch die Bundestags-Fraktionschefin wäre wohl Ministerin geworden, vielleicht hätte sie ein soziales Ressort übernommen. Göring-Eckardts Ansehen ist zuletzt bei vielen Grünen gewachsen. Möglich, dass sie als Vorsitzende der Fraktion bestätigt wird, auch wenn manche sich neue Gesichter wünschen.

Jürgen Trittin: Seit 2013 war der frühere Minister, Fraktionschef und Spitzenkandidat nur noch Abgeordneter. In den Sondierungen erlebte der einflussreiche Parteilinke ein Comeback. Dass er wieder ein wichtiges Amt bekommt, halten trotzdem viele bei den Grünen für unwahrscheinlich - jetzt sei eine neue Generation dran.

Horst Seehofer: Die Zukunft des 68-jährigen CSU-Chefs ist offen wie nie. Zu Hause in Bayern tobt nach dem Wahlfiasko ein Machtkampf um seine Nachfolge, Markus Söder gilt als heißester Anwärter auf das Ministerpräsidenten-Amt. Ob Seehofer noch einmal als Parteichef weitermachen könnte, hängt vom Verlauf in Berlin ab.

Alexander Dobrindt: Sollte Seehofer als CSU-Chef aufhören, gilt der CSU-Landesgruppenvorsitzende als möglicher Nachfolger. Dobrindt könnte auch Spitzenkandidat bei einer möglichen Neuwahl werden. So oder so wird der Oberbayer, der als strategischer Kopf gilt, nun eine noch zentralere Rolle für die CSU in Berlin spielen.

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