Attacke auf Flüchtlingsunterkunft in Hessen

Staatsanwalt nennt Schüsse auf Flüchtlinge gezielten Angriff

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Durch diese Scheiben schoss der oder die Täter. Polizeibeamte sichern die Spuren an der Unterkunft im hessischen Dreieich.

Dreieich - Mitten in der Nacht durchlöchern Schüsse Fenster einer Flüchtlingsunterkunft im Kreis Offenbach. Ein Asylbewerber wird aus dem Schlaf gerissen, ein Schuss verletzt ihn leicht.

Die Staatsanwaltschaft wertet die Schüsse auf eine Flüchtlingsunterkunft im hessischen Dreieich (Kreis Offenbach) als gezielten Angriff. „Wenn jemand mit einer Waffe auf eine Unterkunft schießt, in der sich Menschen befinden, gehe ich von einem gezielten Angriff aus“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Nina Reininger.

Ein Unbekannter hat mehrere Schüsse auf eine Flüchtlingsunterkunft bei Frankfurt am Main abgefeuert und einen Bewohner leicht verletzt. Die Schüsse in Dreieich wurden nach Polizeiangaben am Montag kurz vor 2.30 Uhr auf ein Fenster des Gebäudes abgegeben. Ein Projektil traf einen schlafenden Asylbewerber. Der 23-Jährige wurde in ein Krankenhaus gebracht, nach kurzer ärztlicher Behandlung aber wieder entlassen. Zunächst sprach ein Polizeisprecher von einer erlittenen Schramme, später war bei Polizei und Staatsanwaltschaft nur noch von leichter Verletzung die Rede.

Die Hintergründe waren zunächst unklar. Zur Art der Munition oder einem möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund wollte sich die Polizei nicht äußern. „Es kann alles sein, wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte ein Sprecher. Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte mit Druckluftwaffen hat es in Deutschland in den vergangenen Monaten bereits mehrfach gegeben, Schüsse aus „scharfen“ Waffen sind bisher nicht bekanntgeworden.

Das Gebiet wurde für die Spurensuche abgesperrt. Die Polizei hofft nun auf Zeugenaussagen, um den Vorfall aufklären zu können.

Ein Zeuge sprach von einem vermummten Täter, den er gesehen habe. Es habe sich um eine Einzelperson gehandelt, die sechs- bis siebenmal aus einer Faustwaffe gefeuert habe, sagte der in der Unterkunft lebende Syrer der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem Verwundeten soll es sich ebenfalls um einen Syrer handeln.

Die Flüchtlinge sind in einem eingezäunten Gebäudekomplex mitten in einem Gewerbegebiet untergebracht. Die Schüsse schlugen in einem Anbau ein. Von wo genau sie abgefeuert wurden, ist laut einer Polizeisprecherin unklar. Auch ob sich der Getroffene allein in dem Zimmer aufhielt, wurde nicht mitgeteilt. Das hessische Landeskriminalamt prüfte, ob es die Ermittlungen übernimmt, wie ein Sprecher in Wiesbaden sagte.

In der Unterkunft wohnen nach Auskunft der Stadt Dreieich derzeit 30 Flüchtlinge. In dem von den Schüssen betroffenen Gebäudeteil seien 15 Männer untergebracht, 14 Syrer und ein Afghane, sagte eine Sprecherin. In dem anderen Gebäudeteil leben vier Familien.

Insgesamt leben in Dreieich 430 Flüchtlinge (Stand 31.12.). Es gebe zwölf größere Unterkünfte für jeweils 15 bis 30 Flüchtlinge und 50 kleinere Einheiten für jeweils 1 bis 7 Personen. In der Stadt sei es bisher nicht zu Angriffen oder Missfallensbekundungen gegen Asylbewerber gekommen, sagte die Stadtsprecherin. Im Gegenteil: Es gebe eine Willkommenskultur mit einem großen ehrenamtlichen Netzwerk.

dpa

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