Behelfsschranke stand offen

Regionalexpress rammt Lkw - ein Toter und elf Verletzte

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Der beschädigte Zug stoppte rund 300 Meter in Fahrtrichtung Norden hinter dem Bahnübergang. 

Neustadt - Arbeiter sollen einen Bahnübergang sichern, der wegen Bauarbeiten von Hand geregelt werden muss. Doch dann knallt ein Zug in einen Lkw - mit tragischen Folgen.

Der Lkw ist vollkommen zerfetzt, etliche Scheiben des Zugs sind zerborsten: Beim Zusammenstoß eines Lastwagens mit einem Regionalexpress an einer nicht geschlossenen Bahnschranke in Neustadt bei Hannover ist ein Mensch ums Leben gekommen.

Der 59 Jahre alte Lkw-Fahrer starb in seinem zertrümmerten Führerhaus, wie ein Polizeisprecher sagte. 12 der rund 350 Reisenden in dem Zug von Hannover nach Bremerhaven wurden leicht verletzt. Im Bahnverkehr der Region kam es zu Verzögerungen.

Weiße Farbmarkierungen der Unfallermittler auf dem Asphalt neben den geöffneten Schlagbäumen der Behelfsschranke zeigen, wo der Lastwagen sich bei der Kollision befunden haben muss. Wegen Bauarbeiten war die Fahrbahn eingeengt und die automatische Schrankenanlage am Bahnhof Neustadt-Eilvese außer Betrieb. Bahnarbeiter mussten eine Ersatzschranke per Hand bedienen.

Zunächst hatte der Lkw den Ermittlungen zufolge auch noch an der geschlossenen Schranke gehalten. Nachdem diese sich aber kurze Zeit später wieder geöffnet hatte, signalisierte ein auf der anderen Seite stehender Autofahrer dem Lastwagenfahrer, dass er ihn wegen der verengten Fahrbahn vorlassen wolle. Als der Lkw auf den Übergang fuhr, wurde er von dem aus Richtung Neustadt kommenden Zug erfasst.

"Der Bahnübergang wird manuell geschaltet und stand offen zum Zeitpunkt des Unfalls", sagte Polizeisprecher Thorsten Schiewe. "Es ist Gegenstand der Ermittlungen, dass der Lastwagen an einer offenen Schranke anfahren konnte und dennoch ein Zug kam."

Ein Feuerwehrsprecher sagte an der Unfallstelle, dass der Zug mit Reisegeschwindigkeit gefahren sei. Auf der Strecke ist der Regionalexpress normalerweise mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde unterwegs - an der kleinen Station legt er keinen Halt ein. Nach der Kollision kam der Doppelstock-Express erst rund 300 Meter weiter zum Stehen.

Während das Fahrgestell und Teile des Lkw-Aufbaus einige Meter hinter dem Bahnübergang liegen blieben, verkeilte sich das abgerissene Führerhaus unter der Elektro-Lokomotive und wurde vollkommen deformiert über die Schienen geschleift.

Zwar blieb der Regionalexpress im Gleis, etliche Scheiben des ersten Waggons zersplitterten aber oder barsten komplett aus dem Rahmen. Bei der Kollision wurde das Wrack des Lastwagens seitlich gegen den Waggon geschleudert. Auch die Außenhaut des Zuges wurde beschädigt, der betroffene Waggon kam auf einer Überführung zum Stehen.

Feuerwehrleute halfen den Reisenden nach dem Unglück über eine Rettungsplattform aus dem Zug. Busse brachten sie zum nächsten Bahnhof. Sechs der zwölf Leichtverletzten wurden ambulant vor Ort behandelt, die sechs übrigen kamen zur Untersuchung ins Krankenhaus. Den Sachschaden konnte zunächst niemand beziffern.

Die Hauptstrecke von Hannover nach Bremen wurde bis auf weiteres gesperrt, es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Im Regionalverkehr wurden Ersatzbusse eingesetzt, Fernzüge wurden weiträumig umgeleitet. Zur Klärung des Hergangs fuhren Experten der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle zur Unglücksstelle.

Pressemitteilung der Polizei

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