Mit der Dienstwaffe

Polizist erschießt Ehefrau, Hund und sich selbst

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Polizisten ist es erlaubt, Dienstwaffen mit nach Hause zu nehmen, wenn sie dort sicher aufbewahrt werden. Foto: Patrick Seeger

Ein Polizist erschießt seine Ehefrau, den gemeinsamen Hund und sich selbst. Ein Kollege des Mannes findet die Leichen. Für die Freiburger Polizei ist es das zweite tödliche Familiendrama in kurzer Zeit.

Emmendingen (dpa) - Ein Polizist hat in Emmendingen bei Freiburg seine Ehefrau, den Hund und dann sich selbst erschossen. Die Tat geschah im Haus des Ehepaares, wie eine Polizeisprecherin sagte. Keiner der Nachbarn hatte die Schüsse bemerkt.

Ein Kollege des Polizisten wollte am Donnerstag nach dem Rechten sehen und sah durch die Fensterscheibe den Mann leblos auf dem Boden liegen. Die Feuerwehr brach daraufhin die Tür des Hauses auf. Dort lagen die Leichen des 58-Jährigen und seiner 42-jähriger Ehefrau. Auch der Hund des Paares lag tot im Haus.

Es ist eine ungewöhnliche Situation: Der Tatort, an dem die Beamten Spuren sichern müssen, ist das Haus ihres Kollegen. Der 58-Jährige arbeitete nach dpa-Informationen in einem Polizeirevier der Region, gehörte der Schutzpolizei an. Eine Schusswaffe befand sich neben den Leichen, bestätigten die Ermittler am Tag nach der Tat. Dabei handele es sich um die Dienstwaffe des Polizisten. Sie sei die Tatwaffe.

Die genauen Hintergründe seien noch unklar, sagte eine Sprecherin der Polizei. Der Tatablauf spreche jedoch für eine Beziehungstat. Einen Abschiedsbrief fand die Polizei nicht. Auch Zeugen gibt es nicht.

Polizisten ist es den Angaben zufolge erlaubt, ihre Dienstwaffen mit nach Hause zu nehmen, wenn sie dort sicher aufbewahrt werden. Sonst werden sie meist in der Dienststelle im gesicherten Panzerschrank aufbewahrt. Der Polizist, der den grausigen Fund machte, war mit seinem Kollegen verabredet. Als dieser sich nicht meldete, fuhr er zum Haus des Paares.

Sollten sich die bisherigen Ermittlungsergebnisse bestätigen, werde der Fall zu den Akten gelegt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Da der Tatverdächtige tot sei, könne es kein Strafverfahren geben. Dies sei in Fällen von sogenanntem erweiterten Suizid üblich. Hinweise, dass noch andere Menschen beteiligt waren, gebe es nicht.

Für die Freiburger Polizei ist es das zweite tödliche Familiendrama innerhalb von rund einer Woche. Ende vergangener Woche hatte in Freiburg ein 51 Jahre alter Mann seine 50-jährige Lebenpartnerin mit einem Hammer erschlagen und sich dann mit Medikamenten selbst getötet. Die Tat ereignete sich im Haus des Paares. Nachbarn waren zwei Tage später aufmerksam geworden, weil die Hunde des Paares gebellt hatten. Die Polizei fand daraufhin die beiden Leichen.

Der zeitliche Zusammenhang beider Familiendramen in der Region könne Zufall sein, sagt Dietrich Oberwittler, Professor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg. Er arbeitet derzeit an einer Studie über Fälle erweiterten Suizids. Hierfür wertet er deutschlandweit Fälle von 1996 bis 2005 aus.

Jedes Jahr gebe es bundesweit 70 bis 100 derartige Fälle, sagt Oberwittler. Spontane Taten seien selten, der Täter handele meist überlegt und habe die Tat lange geplant. "Es handelt sich meist um sehr komplexe und längere Vorgeschichten." In der Regel stauten sich Beziehungs- oder andere Probleme über Jahre, meist seien diese Schwierigkeiten vielschichtig. Dann reiche oft ein kleiner Anlass, damit es zu Gewalt komme.

Pressemitteilung

Max-Planck-Institut

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