Plädoyers im NSU-Prozess

„Menschenverachtendes Rührstück“: Nebenklage mit Frontalangriff auf Zschäpe

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Die Angeklagte Beate Zschäpe sitzt neben ihrem Anwalt Mathias Grasel. 

Im Münchner NSU-Prozess haben nach zwei Monaten Stillstand die Plädoyers der Nebenkläger begonnen - mit einem Frontalangriff auf die Hauptangeklagte Beate Zschäpe und Bundesanwaltschaft.

München - Mit Frontalangriffen auf die Hauptangeklagte Beate Zschäpe, aber auch auf die Bundesanwaltschaft haben im Münchner NSU-Prozess die Plädoyers der Nebenkläger begonnen. Nach zwei Monaten Stillstand wegen einer Kette von Befangenheitsanträgen und mehreren wochenlangen Unterbrechungen läutete die Kölner Rechtsanwältin Edith Lunnebach damit am Mittwoch eine neue Phase in dem Mammutprozess ein.

Lunnebach griff Zschäpe, die sich als Mittäterin an allen Morden und Anschlägen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ vor dem Oberlandesgericht verantworten muss, frontal an. Sie warf der mutmaßlichen Rechtsterroristin Menschenverachtung und dreiste Lügen vor und sprach sie direkt an: Man könne „nur hoffen, dass Sie, Frau Zschäpe, eines Tages das Ausmaß der Verbrechen, an denen Sie beteiligt waren, begreifen werden und Ihre tatsächliche Schuld spüren“.

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Lunnebach kritisierte, mit ihren schriftlichen Einlassungen habe Zschäpe ein „menschenverachtendes Rührstück“ aufgeführt. Sie warf ihr „selbstbespiegelnde Weinerlichkeit“ vor und bescheinigte ihr die Fähigkeit, situationsbedingt zu lügen - und die dreiste Erwartung, damit durchzukommen. Zschäpe müsse als Mittäterin verurteilt werden, forderte Lunnebach, stellte aber selbst keinen konkreten Strafantrag. Bundesanwalt Herbert Diemer hatte in seinem Plädoyer die Höchststrafe gefordert: lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung.

Lunnebach griff aber auch Diemer massiv an: Sie warf den Anklägern unzureichenden Ermittlungseifer, eine Diskreditierung von NSU-Opfern und deren Angehörigen, Selbstgerechtigkeit und Unverschämtheiten gegenüber den Nebenklage-Anwälten vor. Insbesondere kritisierte sie, dass die Bundesanwaltschaft weiter davon ausgehe, dass es sich beim NSU um eine Terrorzelle aus lediglich drei Personen gehandelt habe.

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dpa

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