Schwere Vorwürfe gegen ÖSV

Missbrauch an Skigymnasium Österreich: Schülern Ski-Wachs eingeführt?

Der Österreichische Skiverband steht massiv unter Druck: Nach den Missbrauchs-Enthüllungen der ehemaligen Skirennläuferin Nicola Werdenigg hat sich nun ein weiterer Ex-Aktiver gemeldet. Er spricht in einem Interview über üble Praktiken, bei denen anderem Ski-Wachs zum Einsatz gekommen sein soll.

Stams - Übergriffe, Missbrauch und Gewalt - die Vorwürfe mehrerer ehemaliger Skirennläufer und -läuferinnen haben Österreichs Skiverband (ÖSV) massiv in Bedrängnis gebracht. Nun hat die Debatte auch das Elite-Skigymnasium Stams erreicht. In der Zeitung „Der Standard“ erhob ein früherer ÖSV-Aktiver anonym schwere Vorwürfe gegen die Eliteschule des österreichischen Skisports, deren Absolventen bisher mehr als 300 Olympia- und WM-Medaillen sammelten. Dort hätten ältere Sportler oft jüngeren Schülern die Hose heruntergerissen und ihnen mit Zahnpasta oder Ski-Wachs gewaltsam eine Art Klistier verabreicht. „Die Gepasterten (Anm. d. Red.:  die Missbrauchsopfer) sind manchmal drei Stunden in der Dusche gestanden, nicht nur um sich zu säubern. Die haben vor Scham, Verzweiflung und Wut geheult“, wird der Ehemalige  zitiert. Viele Opfer seien traumatisiert worden. “Dieses System hat viele junge Menschen gebrochen und in Identitätskrisen gestürzt.“

Nicola Werdeniggs Missbrauchsvorwürfe 

Die Debatte hatte die ehemalige Skirennläuferin Nicola Werdenigg ins Rollen gebracht. Sie hatte in einem Interview von regelmäßigen Übergriffen durch Trainer, Betreuer und Kollegen sowie einer Vergewaltigung berichtet, als sie 16 Jahre alt war. Werdenigg sieht sich durch die Resonanz auf die von ihr erhobenen Missbrauchsvorwürfe im österreichischen Skisport bestärkt. „Es kommen irrsinnig viele Meldungen, viele reden jetzt drüber. Das zeigt offen, dass dieser Machtmissbrauch in Sportverbänden System hat“, sagte Werdenigg der Nachrichtenagentur APA am Sonntag. Die 59-Jährige fuhr unter ihrem Mädchennamen Spieß in den 1970er Jahren im österreichischen Skiteam. 

Einige Teamkolleginnen sehen die Vorwürfe kritisch. Die Behauptung Werdeniggs, alle hätten von den Vorfällen gewusst, stimme nicht, sagte die 65-jährige Monika Kaserer der „Kronen Zeitung“. „Ich hätte das doch sofort gemeldet. Aber ich wurde nie mit Missbrauch, Vergewaltigung oder Ähnlichem konfrontiert.“ In diesem Sinne hatte sich bereits die damals äußerst erfolgreiche Annemarie Moser-Pröll geäußert. Aus Sicht von Kaserer hätte sich Werdenigg an den damaligen Rennleiter wenden können, immerhin ihr Vater. „Mich verwundert das alles noch mehr, wenn ich daran denke, dass damals doch Nicolas Vater der Chef war“, sagte sie dem Blatt.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Im Missbrauchsskandal ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen gegen „unbekannte Täter.“ Werdenigg soll am Dienstag bei den Behörden in Tirol aussagen. Der Österreichische Skiverband hat eine Zusammenarbeit mit der Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic vereinbart, um die Vorwürfe aufzuklären.

dpa/va

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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