Citarum über Jahre verseucht

"Mal ist der Fluss schwarz, mal grün"

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Wohl einer der schmutzigsten Flüsse der Welt: der Citarum

Karawang - Mal färbt er sich grün, mal braun, mal schwarz. Der Fluss Citarum in Indonesien ist über die Jahre von Menschen und der Industrie verseucht worden. Nun schlägt er zurück.

Als sie jung waren, haben Sumiyati und ihre Freunde noch im Fluss gebadet. Sie haben darin auch ihre Kleidung gewaschen und Fische für das Abendessen gefangen. Der Citarum-Fluss, der mitten durch ihr Dorf in Indonesien fließt, war ein bedeutender Teil ihres Lebens. Heute aber meiden sie das Ufer. „Das Wasser ist schmutzig. Wir trauen uns nicht einmal, es zu berühren. Sonst bekommen wir juckende Ausschläge“, erzählt die heute 46-Jährige. Die wenigen Fische, die noch im Fluss lebten, seien giftig.

Industrialisierung und ein massives Bevölkerungswachstum haben dem Fluss zugesetzt. Der Citarum ist zur Mülldeponie verkommen. Fabriken und Anwohner hätten jahrzehntelang ihre Abfälle darin entsorgt, berichten Umweltschützer.

Dabei ist der Citarum eine Lebensader für die Menschen. Über eine Strecke von 269 Kilometern fließt er quer durch die Insel Java. 25 Millionen Menschen zehren von ihm. Ihr Fluss bewässert 2400 Quadratkilometer Reisfelder und Farmen - eine Fläche etwa so groß wie das Saarland. Er versorgt zudem die Hauptstadt Jakarta mit 80 Prozent ihres Wassers und generiert 1400 Megawatt Strom, wie aus Daten der Regierung hervorgeht.

Doch der Citarum gilt heute auch als einer der schmutzigsten Flüsse der Welt. Nach einem im Dezember veröffentlichten Bericht von Greenpeace und der indonesischen Umweltschutzgruppe Walhi schädigen die Materialien und Substanzen, die in den Fluss geworfen werden, die Gesundheit der Menschen.

In mehreren industrialisierten Regionen entlang des Flusses sind demnach sechswertiges Chrom und andere sogenannte Phthalatsäuren im Wasser entdeckt worden. Diese Substanzen werden häufig in Industrieanlagen verwendet und können den menschlichen Hormonhaushalt und die Fortpflanzung stören. „In den betroffenen Bereichen werden giftige Materialien unkontrolliert und ohne die Überwachung der Regierung entsorgt“, sagt Ahmad Ashov Birry von Greenpeace.

Dutzende Fabriken seien Schuld an der Verschmutzung, sagen die Umweltschützer. „Es ist schwierig, einzelne Unternehmen dafür verantwortlich zu machen, weil sie ihre Abfälle in großen Kanälen sammeln und sie dann in den Fluss freisetzen“, sagt Birry. Detaillierte Studien über gesundheitliche Folgen gebe es nicht.

„Die Regionalregierungen sind nicht in der Lage zu kontrollieren, was die Unternehmen in den Fluss leiten“, sagt Cecep Aminuddin, ein indonesischer Experte für Umweltrecht. „In einigen dieser Distrikte werden nur eine Handvoll Menschen für die Überwachung eingesetzt, und sie haben schlicht keine Macht, Sanktionen zu verhängen.“

Bereits seit 2010 läuft ein auf 15 Jahre angelegtes Projekt, um den Citarum neu zu beleben und den Lebensstandard der Gemeinden am Flussufer zu verbessern. Umgerechnet gut 2,6 Milliarden Euro soll das Projekt kosten. Internationale Institute wie die Asiatische Entwicklungsbank geben dafür Geld.

Noch aber ändere der Fluss ständig seine Farbe und ängstige die Anwohner, sagt Dedi Kholil, der unweit des Ufers lebt. „Manchmal ist er schwarz, manchmal ist er grün, und während der jetzigen Regenzeit ist er braun“, sagt Kholil. „Wenn er schwarz ist, können wir ihn schon von weitem riechen.“

dpa

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