Konsequenzen gefordert

Lottopanne: Können die "Opfer" klagen?

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Lottofee Heike Maurer dachte zuerst an einen verspäteten Aprilscherz.

Mainz/Berlin - Einige Menschen hielten sich am Mittwoch eine halbe Stunde lang für Lottogewinner. Können sie nach der Ziehungspanne ihren Gewinn einklagen? Das sagen Experten:

Opfer der Lotto-Panne bei der Mittwochsziehung haben keinen Anspruch auf entgangene Gewinne. Es habe sich um eine irreguläre Ziehung gehandelt, weil nicht alle 49 Kugeln gezogen wurden, erklärte Rechtsanwalt Martin Jaschinski aus Berlin am Donnerstag. Deshalb habe es keine andere Möglichkeit gegeben, als die Auslosung zu wiederholen. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Landeslotteriegesellschaften sei zudem die Haftung bei unverschuldeten Störungen und Fehlfunktionen der technischen Geräte ausgeschlossen, sagte der Experte für Glücks- und Gewinnspielrecht. Er sieht deshalb für Klagen kaum Chancen.

Ob aus der ersten Runde ein Millionär hervorgegangen wäre, war am Donnerstag zunächst noch unklar. Sicher ist: Die bei der späteren Ziehung gezogenen Zahlen haben niemanden zum Millionär gemacht. Es gab keinen Spieler, der sechs Richtige plus Superzahl hatte. Hier lag der Jackpot bei insgesamt rund elfeinhalb Millionen Euro. Auch sechs Richtige ohne Superzahl gab es nicht, was zu einem Gewinn von insgesamt knapp 948.000 Euro geführt hätte.

Am Mittwochabend waren bei der Ziehung, die im ZDF gezeigt wurde, nicht alle Kugeln in die Trommel gerollt, zwei hingen fest. Der „Bild“-Zeitung zufolge handelte es sich um die Kugeln 46 und 47. Der Fehler war erst nach der Liveübertragung bemerkt und die Ziehung später wiederholt worden. „Ein technischer Defekt, der so nie vorgekommen ist und so auch nicht abzusehen war“, erklärte Ziehungsleiter Dirk Martin von Lotto Rheinland-Pfalz.

Lottofee dachte an verspäteten Aprilscherz

ZDF-Lottofee Heike Maurer hat sich nach der Panne beim Mittwochslotto erschüttert gezeigt. „Ich hoffe, dass die Menschen, die eine halbe Stunde an den Gewinn geglaubt haben, es nicht mir persönlich übelnehmen“, sagte sie am Donnerstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in Mainz. „Ich konnte nichts dafür und es tut mir unendlich leid.“ Sie habe erst gedacht, es handle sich um einen verspäteten Aprilscherz. „Wir haben alle da hingeguckt, aber offensichtlich müssen Lichtreflexe dagewesen sein, die es verhindert haben, dass es uns aufgefallen ist“, sagte sie im ZDF. Künftig will die Lottofee auch schauen, ob die Kugeln richtig rollen

Es hätte gleich auffallen sollen und man hätte früher eingreifen müssen“, sagte der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, Tilman Becker, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. „Im Prinzip darf so etwas eigentlich nicht vorkommen.“ Becker forderte eine stärkere Überwachung solcher Lotto-Ziehungen.

Nun soll die Ziehungsmaschine überprüft werden. „Jetzt wird alles auf den Kopf gestellt“, sagte der Sprecher von Lotto Rheinland-Pfalz, Clemens Buch. Auswirkungen auf die Samstagsziehung soll der Fehler aber nicht haben: Dabei sei zwar das baugleiche Modell im Einsatz, aber ein anderes Gerät.

Gesehen wurde die Pannen-Ziehung von 2,33 Millionen Zuschauern. Damit betrug der Marktanteil laut GfK-Fernsehforschung in Nürnberg 11,0 Prozent.

Nach Lotto-Panne Tippscheine zerrissen - Pech für Kleingewinner

Einen Sechser hatte bei der ungültigen Lotto-Panne am Mittwochabend zwar niemand in Niedersachsen, trotzdem klingelten die Telefone in der Auskunftstelle nach der Ziehung heiß. Mehr als 20 Menschen hätten sich gemeldet, die in der zweiten Runde vier richtige Zahlen hatten, aber ihren Tippschein bereits nach der ersten Ziehung zerrissen hatten, teilte der Pressesprecher von Lotto Niedersachsen mit. Die, die richtig getippt hatten, haben Pech: Nur mit vollständigem Tippschein besteht Anspruch auf einen Gewinn.

dpa

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