Entlastung durch Zuwanderer

Krankenkassen: Beiträge bleiben 2018 stabil

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Muster elektronischer Gesundheitskarten für Flüchtlinge: Die Migranten haben für einen neuen Mitgliederrekord bei den Kassen gesorgt. Foto: Ralf Hirschberger

Gute Nachricht für die Beitragszahler: Im kommenden Jahr müssen sie für die Krankenversicherung wohl nicht mehr abführen. Auch sonst haben die Kassen Positives zu berichten.

Berlin (dpa) - Die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen bleiben im kommenden Jahr voraussichtlich von steigenden Beiträgen verschont. "Wir erwarten nicht, dass der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz 2018 erhöht wird", sagte die Chefin des Krankenkassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer.

Der Zusatzbeitrag beträgt derzeit im Schnitt 1,1 Prozent vom Einkommen. Alleine die Kassenmitglieder haben ihn zu bezahlen. Er kommt zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent hinzu. Bei diesem beträgt der Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil jeweils 7,3 Prozent.

Pfeiffer sagte: "Das schließt nicht aus, dass einzelne Kassen ihren Beitragssatz anpassen." Derzeit müssen 30 Prozent der Kassenmitglieder mehr als 1,1 Prozent Zusatzbeitrag bezahlen, beim Rest liegt der Aufschlag genau im Durchschnitt oder darunter.

Die stabilen Beiträge sind unter anderem auf die gute Konjunktur zurückzuführen, auf die Rekordbeschäftigung und auf eine Sonderzuweisung von 1,5 Milliarden Euro aus dem Geldpolster des Gesundheitsfonds an die Kassen. Aber auch die Zuwanderer spielen eine Rolle. Wegen hunderttausender neuer Versicherter verzeichnen die Kassen einen neuen Mitgliederrekord und eine Trendwende gegen das Älterwerden der Versicherten.

Allein im vergangenen Jahr seien 798 000 Menschen neu bei den Krankenkassen versichert worden, so Pfeiffer. Es handele sich um Arbeitsmigranten aus der Europäischen Union, anerkannte Flüchtlinge sowie ehemalige Privatversicherte.

Die Zahl der zahlenden Mitglieder der gesetzlichen Kassen stieg binnen eines Jahres von 54,6 auf heute 55,5 Millionen. Die neuen Versicherten bewirken laut Pfeiffer zudem, dass die Versicherten insgesamt im statistischen Schnitt nicht mehr immer älter werden.

"Der interessanteste Effekt, der daraus resultiert, ist, dass wir da seit drei Jahren feststellen, dass der Altersdurchschnitt der gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr steigt", sagte Pfeiffer. "Und dass diese Neuzugänge deutlich geringere Ausgaben verursachen als die Bestandsversicherten gleichen Alters." So verursache zum Beispiel ein 30-jähriger Mann bei den neuen Versicherten im Schnitt Ausgaben von etwas mehr als einem Euro pro Tag. Ein bereits länger Versicherter gleichen Alters komme auf etwas unter drei Euro.

Pfeiffer räumte ein, dass in den Zahlen Hartz-IV-Empfänger nicht enthalten seien. Diese können die Kassenfinanzen belasten. Die Kassen beklagen, dass sie für diese Versicherten zu wenig Geld vom Staat erstattet bekämen.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte, die derzeit positive Entwicklung sei kein Blankoscheck für alle Zukunft. "Vorausschauende Gesundheitspolitik muss auch das Risiko berücksichtigen, wenn künftig die Einnahmen einmal weniger kräftig sprudeln sollten." Das IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban forderte, dass die Arbeitgeber wieder die Hälfte des gesamten Beitrags zahlen sollten.

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