Khin Maung Myint und das On-Air-Fundbüro

Gesucht und gefunden: Wem gehören die verlorenen 37.000 Dollar?

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Radiojournalist Khin Maung Myint sitzt am 28.03.2017 in Rangun (Myanmar) in dem Studio des Radiosenders CityFM, in dem er seine Sendung "Gesucht-und-Gefunden" moderiert.

Rangun - Myanmar ist eines der ärmsten Länder der Welt, die Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit seiner Einwohner sucht jedoch ihresgleichen. Das demonstriert ein Radiosender, der ein On-Air-Fundbüro betreibt.

Als ganze 37 000 US-Dollar ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden konnten, erkannte Khin Maung Myint die Dimensionen seiner recht simplen Idee. Der Radiomanager organisiert in Myanmar eine Art On-Air-Fundbüro: Wer etwas verloren oder gefunden hat, kann sich über den Sender City FM an ein breites Publikum wenden. In Rangun, der größten Stadt Myanmars, ist die Sendung bereits legendär.

Geld, Schlüsselanhänger, Pässe, Brieftaschen, Laptops, Kameras, sogar eine US-Greencard und ein Abschlusszeugnis: Die Liste der verloren gegangenen Gegenstände, die ihren Besitzern zurückgegeben werden konnten, ist lang. Seit dem Start der „Gesucht-und-Gefunden“-Sendung 2013 wurde nach eigenen Angaben ein Drittel der rund 1800 vorgestellten Fälle erfolgreich gelöst. Die 37 000 Dollar gehörten, wie sich herausstellte, chinesischen Geschäftsleuten.

„Wir sind mittlerweile so beliebt, dass die Leute uns wegen verlorener Regenschirme oder ausgebüxter Haustiere kontaktieren“, sagt City-FM-Produzentin Aye Chan Mon. Sogar die Polizei leite einige Fälle bereits an den Sender weiter. Zeitweise würden so viele Annoncen vorgelesen, dass sie neue Anfragen ablehnen müsse, sagt Aye Chan Mon.

Im März wurden City FM 40 Fälle zugetragen, zehn Gegenstände konnten ihren Besitzern zurückgegeben werden. Eine davon ist Ma Cherry. Sie vergaß einen Laptop mit wichtigem Marketing-Recherchematerial in einem Taxi. „Es war ein Alptraum“, sagt die junge Frau. Die Geschichte nahm jedoch einen guten Ausgang: Drei Tage nachdem ihr Gesuch im Radio vorgelesen wurde, setzte sich der Taxifahrer mit ihr in Verbindung. „Das gesamte Büro hat applaudiert, als er mir den Computer zurückbrachte“, erzählt Ma Cherry.

Myanmar stand 2016 zum dritten Mal in Folge auf Platz eins des „World Giving Index“. Der Bericht untersucht die Hilfs- und Spendenbereitschaft von mehr als 140 Ländern weltweit. Grundlage sind Interviews des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Gallup. Der Index setzt sich aus drei Komponenten zusammen: der Bereitschaft, Geld zu spenden; der Bereitschaft, einen Freiwilligendienst zu leisten oder sich ehrenamtlich zu engagieren; der Hilfsbereitschaft gegenüber Fremden.

Ausländer macht die Ehrlichkeit oft sprachlos

Ausländer macht die Ehrlichkeit der Myanmaren oft sprachlos. Taxifahrer verbringen Stunden damit, Kunden vergessene Brieftaschen voller Geld oder Handys zurückzugeben. Dabei gehört Myanmar zu den ärmsten Ländern der Welt. „Ehrlichkeit ist eine buddhistische Tugend“, sagt Moderator Khin Maung Myint. Peinlich genau notiert er sämtliche Fälle von verlorenen und wiedergefundenen Gegenständen.

In das Heft mit rosafarbenen Herzchen auf dem Cover hat es auch Kyaw Thu geschafft. Er fand einen myanmarischen Ausweis auf der Rückbank seines Taxis. „In Myanmar ist es sehr aufwendig, an einen Ausweis zu kommen“, erklärt er. „Daher habe ich mich sehr gefreut, das Stück an seinen Besitzer zurückgeben zu können.“

Auf ihrem Smartphone sammelt Produzentin Aye Chan Mon Fotos von erleichterten Besitzern und Findern, die sich zur Übergabe der verlorenen Gegenstände beim Sender treffen. Etwa 30 Prozent derjenigen, denen ihre Sachen zurückgegeben werden, kommen aus dem Ausland. Die City-FM-Mitarbeiter kennen viele von ihnen beim Namen.

„Mister Matt“ etwa, den US-amerikanischen Leiter einer internationalen Schule in Rangun. Er vergaß seine Golftasche in einem Taxi. Da er nicht mehr daran glaubte, sie wiederzubekommen, kaufte er sich während einer Reise in Bangkok eine neue Ausrüstung. Als er nach Rangun zurückkehrte, hatte er zwei davon.

dpa

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