Hannover Rück und Talanx

Katastrophen wirbeln Gewinnpläne durcheinander

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Je nach Höhe der Schäden könnte die Hannover Rück ihren geplanten Jahresgewinn von mehr als einer Milliarde Euro verfehlen, teilte der weltweit drittgrößte Rückversicherer mit. Foto: Silas Stein/dpa

Hurrikan "Maria" und das Erdbeben in Mexiko hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Davon bleibt auch die Versicherungsbranche nicht verschont.

Hannover (dpa) - Die Zerstörungen durch Hurrikan "Maria" und das Erdbeben in Mexiko stellen die Gewinnziele des Versicherers Talanx und seiner Tochter Hannover Rück in Frage.

Je nach Höhe der Schäden könnte die Hannover Rück ihren geplanten Jahresgewinn von mehr als einer Milliarde Euro verfehlen, teilte der weltweit drittgrößte Rückversicherer in Hannover mit.

Sein Mehrheitseigner Talanx, zu dem auch Marken wie HDI gehören, zweifelt dadurch an seinem Gewinnziel von rund 850 Millionen Euro. Noch ist aber offen, wie teuer die Katastrophen die Unternehmen wirklich zu stehen kommen.

Die Aktien des Versicherers Talanx und dessen Tochter Hannover Rück haben sich am Donnerstag trotz des Gegenwinds bei den Gewinnzielen gut gehalten. Für Talanx ging es am Vormittag um ein Prozent nach oben.

Hannover Rück traten auf der Stelle. Analyst Thorsten Wenzel von der DZ Bank zeigte sich angesichts der schweren Katastrophen binnen kurzer Zeit von den Gewinnwarnungen nicht überrascht. Er rechnet jedoch damit, dass die Unternehmen einen Teil der Belastungen durch die Auflösung von Schadenrückstellungen auffangen können.

Nach den Wirbelstürmen "Harvey" und "Irma" hatte Hannover-Rück-Chef Ulrich Wallin seine Pläne noch außer Gefahr gesehen. Beim jährlichen Rückversicherer-Treffen in Monte Carlo bekräftigte er Anfang vergangener Woche sein Gewinnziel für 2017. Auch jetzt hieß es, der Konzern könne die Schäden durch diese beiden Ereignisse voraussichtlich mit seinem Großschadenbudget in Höhe von 825 Millionen Euro für 2017 abdecken. Für Hurrikan "Maria" und das Mexiko-Beben reiche die Summe aber möglicherweise nicht mehr aus. Detaillierte Schadenmeldungen für die beiden Katastrophen lägen noch nicht vor.

Dennoch versuchen die Vorstände die Aktionäre mit der Aussicht auf stabile Dividenden zu beruhigen. Eine Dividendenzahlung auf Vorjahreshöhe sei "aus heutiger Sicht unverändert möglich", ließ die Hannover Rück wissen. Für 2016 hatte der Konzern je Anteilsschein 5 Euro ausgeschüttet - davon 1,50 Euro als Sonderdividende. Die Sonderausschüttung sollte nach bisherigen Aussagen auch für 2017 wieder möglich sein. Die Talanx-Führung um Vorstandschef Herbert Haas rechnet damit, dass der Konzern sogar eine Dividende "mindestens auf Vorjahreshöhe" ausschütten kann. Für 2016 hatte sie bei 1,35 Euro gelegen.

Mit den Gewinnwarnungen nach den jüngsten Katastrophen stehen beide Unternehmen noch vergleichsweise gut da. Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hatte sein Gewinnziel bereits nach "Irma" in Zweifel gezogen. Der neue Konzernchef Joachim Wenning erwartet für das dritte Quartal einen Verlust. Dadurch könnte auch der angepeilte Jahresgewinn von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro verfehlt werden, hatte die Munich-Re-Spitze vor gut einer Woche gewarnt.

Wie tief der Konzern für die Schäden in die Tasche greifen muss, ließ das Management bisher offen. Zu den Auswirkungen von "Maria" und dem Erdbeben in Mexiko hat sich der Dax-Konzern bisher noch nicht geäußert. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re wollte bisher überhaupt keine Einschätzung zu den Auswirkungen der Katastrophen abgeben. Konzernchef Christian Mumenthaler erwartet allerdings ähnlich wie seine Kollegen, dass der jahrelange Abschwung der Rückversicherungspreise schon durch "Harvey" und "Irma" gestoppt wird.

In Mexiko-Stadt stürzten Dutzende Gebäude durch das Beben ein, mehrere hundert Gebäude und Hochhäuser wurden zum Teil schwer beschädigt. Auch die Hurrikans "Irma" und "Maria" richteten schwere Verwüstungen an. Bei den Katastrophen starben viele Menschen.

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