FDP-Politikerin und Praktikant ermordet

Jetzt ist klar, was der Tiefgaragen-Doppelmörder in seinem Abschiedsbrief schrieb

Drei Leichen in einem Auto. Zwei mit durchschnittenen Kehlen, eine mit einer Schussverletzung. Dazu ein Abschiedsbrief. Für die Polizei ist schnell klar: Hier hat sich ein Beziehungsdrama abgespielt.

Eslingen - Der offenbar heillos eifersüchtiger Ehemann Markus Jehle (56) hat seiner Frau, FDP-Politikerin Cornelia Jehle und ihrem 30 Jahre jüngeren Partner Yannik P. (26) in einem Auto die Kehlen durchgeschnitten (wir berichteten ausführlich). Danach starb er auf dem Rücksitz an einer Schussverletzung, die er sich aller Wahrscheinlichkeit nach selbst zugefügt hatte.

Nach der Bluttat in einer Tiefgarage unweit des Bahnhofs von Eislingen (Baden-Württemberg) fand die Polizei neben den Toten zwei Küchenmesser, zwei Schusswaffen und einen Abschiedsbrief des Ehemannes, wie sie am Freitag mitteilte. In einem aufgefundenen Abschiedsbrief entschuldigte sich der Killer für die Tat, wie swp.de berichtet. Die drei Leichen waren Donnerstagmittag von einer Passantin in einem Mittelklassewagen entdeckt worden.

Drei Leichen in einem Auto. Zwei mit durchschnittenen Kehlen, eine mit einer Schussverletzung. Dazu ein Abschiedsbrief. Für die Polizei ist schnell klar: Hier hat sich ein Beziehungsdrama abgespielt.

Dabei saß der 26-jährige Lebensgefährte der Ehefrau laut Polizeimitteilung auf dem Fahrersitz, die 56-Jährige daneben. „Beide hatten Schnittverletzungen an der Kehle. Auf dem Rücksitz saß der von der Frau getrennt lebende 56-jährige Ehemann mit einer Schussverletzung.“

Die Ermittler gehen eindeutig von einem Beziehungsdrama aus. Die Ehefrau hatte sich demnach bereits vor Monaten von ihrem gleichaltrigen Mann getrennt und war mit ihrem neuen Freund zusammengezogen. Bei der Frau handelte es sich um die FDP-Lokalpolitikerin Cornelia Jehle, wie ihre Partei am Freitag bestätigte. Das Ehepaar hinterlässt zwei erwachsene Kinder.

Die Bluttat in der Tiefgarage stellt sich den Ermittlern als tödlicher Höhepunkt von seit längerem anhaltenden Streitigkeiten dar. Sie seien zwischen dem Ehemann und seiner Frau, die bei der Stadtverwaltung tätig waren, teils offen ausgetragen worden, berichteten Zeugen. Dem Ehemann war ein Kontaktverbot erteilt worden. Im Juni musste die Polizei einschreiten und ihn mit Gewalt aus der Wohnung der Frau weisen.

Auch nach einem freiwilligen Aufenthalt in einer psychiatrischen Fachklinik habe der Mann die Frau und ihren neuen Lebensgefährten bedroht. Auch deshalb wird nun in Eislingen gefragt, ob das furchtbare Ende des Beziehungsdramas nicht hätte verhindert werden können. Die Polizei verweist darauf, dass die Ehefrau im Sommer eine Strafanzeige gegen den Mann wegen Bedrohung zurückgezogen habe. Ein Verfahren habe man daher einstellen müssen.

Polizisten sichern Spuren in und vor einer Tiefgarage in Eislingen (Baden-Württemberg) in der drei Leichen in einem Auto gefunden wurden.

Morde aus Eifersucht sind nach Einschätzung der Direktorin der Psychiatrie an der Berliner Charité, Isabella Heuser-Collier, nicht selten auf eine krankhafte Selbstverliebtheit (Narzissmus) zurückzuführen. Auch das Geschehen in Eislingen erscheine ihr „wie die Tat eines schwerst narzisstisch gekränkten Menschen, der es nicht überwinden konnte, dass seine Partnerin - die doch sozusagen ihm gehört - sich einem anderen zuwendet“, sagte die Professorin der Deutschen Presse-Agentur. „Das konnte er wohl nicht ertragen, deshalb wollte er dieses Glück zerstören.“ Für ein solches Motiv sei „erstmal völlig egal, ob der andere ein jüngerer oder ein älterer Mann ist“.

Während die Ermittler von einem Doppelmord mit anschließendem Suizid ausgehen, soll ein Gutachten zur Abgabe des Schusses auch die letzten Zweifel an einem solchen Tathergang beseitigen. Zusätzlich zu einer Schmauchspuranalyse soll der Leichnam des Ehemanns obduziert werden.

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111.

Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000.Weiter Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de.

mk/dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / Alexander Woe

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