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Seilbahn-Unglück am Lago Maggiore: Bei Verhör wird ein Beschuldigter deutlich - „Bin schuld an ihrem Tod“

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Von: Marcus Giebel

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14 Menschen sind beim Seilbahnunglück am Lago Maggiore ums Leben gekommen. Bei den Verhören zeigt sich, wie unterschiedlich die drei Beschuldigten den Vorwürfen begegnen.

München - Italien* drängt auf Aufklärung. Und die Ermittler wollen schnell liefern. An diesem Wochenende soll die Frage erörtert werden: Wer trägt die Schuld am Tod von 14 Menschen? Die Gründe für das Seilbahnunglück am Lago Maggiore sind bereits bekannt: Nach dem Riss eines Zugkabels hatte die Notbremse nicht gegriffen, woraufhin die Kabine mit 15 Passagieren an Bord wie ein Geschoss mit bis zu 120 km/h in Richtung Tal beschleunigte und schließlich aus 25 Metern Höhe zu Boden stürzte.

Die Tragödie hätte allem Anschein nach vermieden werden können, wenn die entsprechende Vorrichtung nicht manipuliert worden wäre. Deshalb sitzen seit einigen Tagen drei Männer in Haft: Der Chef des Seilbahn-Betreibers sowie zwei Techniker. Ihnen wird vorgeworfen, das Unglück billigend in Kauf genommen zu haben. Denn sie sollen die Notbremse wissentlich außer Kraft gesetzt haben, um Verzögerungen des Seilbahnbetriebs aus technischen Gründen zu verhindern.

Seilbahnunglück in Italien: „Ich bin schuld an ihrem Tod - aber ich bin kein Verbrecher“

Zumindest einen der Beschuldigten scheint ein schlechtes Gewissen zu plagen. So berichtet die in Rom ansässige Zeitung La Repubblica, der Cheftechniker habe gestanden, das System entsprechend manipuliert zu haben. „Ich bin schuld an ihrem Tod“, hätte der Mann in dem dreistündigen Verhör gestanden. Allerdings sei er schon an vielen anderen Tagen so vorgegangen: „Ich bin kein Verbrecher. Ich hätte niemals zugelassen, dass die Passagiere einsteigen, wenn ich gedacht hätte, dass das Seil reißen würde.“

Offenbar hofft er, infolge des Geständnisses zumindest die Zelle verlassen und unter Hausarrest gestellt werden zu können. Sein Anwalt gab einen Einblick in das Innenleben des zuständigen Dienstleiters: „Mein Klient ist am Boden zerstört, hat seit vier Tagen nicht mehr gegessen und geschlafen. Diese Last wird ihn sein Leben lang verfolgen. Unschuldige sind gestorben. Es hätte auch sein oder mein Sohn darunter sein können.“

Seilbahnunglück in Italien: Beschuldigte kommen wegen Fluchtgefahr nicht auf freien Fuß

Dem Cheftechniker zufolge habe er stets im Wissen der beiden ebenfalls beschuldigten Männer gehandelt. Allen dreien drohen wegen des „Verstoßes gegen grundlegendste Sicherheitsvorschriften“ lange Haftstrafen. So soll es in der vierseitigen Anklageschrift stehen. Auf freien Fuß kommen sie wegen Fluchtgefahr vorerst nicht.

Sowohl der Betreiber-Boss als auch der Betriebsleiter weisen jedoch jegliche Schuld von sich und ergreifen sozusagen die Flucht nach vorn. Ersterem wird vorgeworfen, die nötigen Wartungsarbeiten verhindert zu haben, um eine vorübergehende Lahmlegung aus wirtschaftlichen Gründen zu umgehen. Im Verhör soll er nun klargestellt haben, dass er daran gar kein Interesse haben könne. Und außerdem: „Die Sicherheit ist nicht Sache des Betreibers.“

Einsatzkräfte arbeiten rund um die abgestürzte Seilbahn-Kabine
Trümmerfeld mitten im Wald: In dieser Seilbahn-Kabine verloren 14 Menschen ihr Leben. © Uncredited/Vigili del Fuoco Firefighters/AP/dpa

Seilbahnunglück in Italien: Schweigeminute und Flaggen auf halbmast im Piemont

Auch der Dritte im Bunde sieht sich zu Unrecht inhaftiert. Der für die Seilbahn-Überwachung zuständige Mann will von dem technischen Vorgang seines Kollegen nicht in Kenntnis gesetzt worden sein. Zudem wären Wartungen für ihn nicht mit finanziellen Einbußen verbunden gewesen, weshalb es aus seiner Sicht keinen Sinn ergeben hätte, diese aufzuschieben.

Während unter den Beschuldigten also Aussage gegen Aussagen steht, hat Regionalpräsident Alberto Cirio für diesen Sonntag einen Trauertag für die Region Piemont angeordnet. Um 12 Uhr - also ziemlich genau eine Woche nach der Tragödie - soll eine Schweigeminute abgehalten werden. Flaggen werden auf halbmast gesetzt. „Nichts kann den Schmerz lindern, aber wir haben das Bedürfnis, uns feierlich an diejenigen zu erinnern, die in diesem Wahnsinn ihr Leben verloren haben. Das Piemont wird niemals aufhören, ihnen zu gedenken“, wird Cirio zitiert. (mg) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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