Prozess in Bagdad droht

Irakische Justiz will deutsche IS-Anhängerinnen anklagen

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Irakische Spezialeinheiten feiern am Ufer des Tigris den Sieg über die IS-Anhänger in Mossul. Foto: Felipe Dana/Archiv

Bagdad/Berlin (dpa) - Vier im Irak festgenommenen deutschen Anhängerinnen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) droht ein Prozess in Bagdad. Gegen die Frauen, darunter die Schülerin Linda aus Sachsen, habe die irakische Justiz ein formelles Strafverfahren eröffnet.

Das berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf Diplomaten. Die vier Frauen seien in den vergangenen Jahren aus Deutschland in den Irak gezogen, hätten sich dem IS angeschlossen und Kämpfer der Miliz geheiratet. Was die irakische Justiz den Frauen genau vorwerfe, sei bisher nicht bekannt. Möglich erscheine eine Anklage wegen Terrorismus oder Mitgliedschaft beim IS. Die Frauen wurden Mitte Juli von irakischen Streitkräften bei der Befreiung Mossuls festgenommen.

Neben der 16-jährigen Linda aus dem sächsischen Pulsnitz setzten irakische Soldaten auch eine 50-jährige Deutsche mit marokkanischen Wurzeln aus Mannheim mit ihrer 20-jährigen Tochter fest. Ebenso wurde eine in Tschetschenien geborene Deutsche festgenommen. Welche Rolle die Deutschen innerhalb des IS spielten, wissen die Behörden noch nicht, wie es heißt. Sie sollen aber nicht in militärische Strukturen oder in den Sicherheitsapparat des IS eingebunden gewesen sein.

Nach früheren Angaben bemühen sich deutsche Behörden, die Frauen nach Deutschland zurückzuholen. Gegen die vier ermittele auch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrororganisation IS. Nach "Spiegel"-Informationen konnte sie mittlerweile der Bundesnachrichtendienst in Bagdad vernehmen, auch das Bundeskriminalamt dringe auf einen Besuch bei den Gefangenen.

Spiegel-Bericht

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