WLTP-Testverfahren

Industrie kritisiert überhastete Einführung neuer Abgastests

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Die Einführung der neuen Abgasgesetzgebung erfordert eine Umstellung der Modellpalette auf Ottopartikelfilter und eine Neutypisierung bis spätestens 1. September 2018. Foto: Franziska Kraufmann/Symbolbild

Berlin (dpa) - Die deutsche Autoindustrie kritisiert abermals die aus ihrer Sicht überhastete Einführung neuer Abgastests.

Die Branche rechnet damit, dass angesichts der zum 1. September verbindlichen neuen WLTP-Testverfahren aktuell noch über 500 Genehmigungen ausstehen, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Berlin mitteilte.

Die EU hatte festgelegt, dass künftig für Verbrauchs- und Emissions-Messungen die "Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure" (WLTP) verbindlich wird. Zusätzlich wird ein Jahr später zum 1. September 2019 noch ein Realtest verbindlich, bei dem im Fahrbetrieb auf der Straße gemessen wird ("Real Driving Emissions", RDE).

Die Einführung der neuen Abgasgesetzgebung erfordert eine Umstellung der Modellpalette auf Ottopartikelfilter und eine Neutypisierung bis spätestens 1. September 2018. Vor diesem Hintergrund kommt es bei den Autoherstellern derzeit zu Einschränkungen beim Angebot an Neuwagen.

Beim neuen Prüfzyklus WLTP geht es um eine bessere Abbildung des tatsächlichen Verbrauchs sowie der Schadstoff- und CO2-Emissionen. Kürzlich hatte VW deswegen Produktionsengpässe angekündigt, BMW stoppt vorübergehend die Produktion mehrerer Modelle mit Benzinmotoren für den europäischen Markt, um sie für die neuen Messungen fit zu machen. Auch bei Porsche kommt es zu einem eingeschränkten Modellangebot.

Der VDA macht nun die Politik für diese Probleme verantwortlich: "Erst zum 27. Juli 2017 wurden die Ausführungsbestimmungen und, damit verbunden, die vorzeitige Einführung eines Partikelfilters bei direkteinspritzenden Benzinern von der EU beschlossen. Dieser Einbau benötigt normalerweise einen Entwicklungs- und Produktionsvorlauf von drei Jahren", heißt es in der Mitteilung. "Wenn die EU den WLTP-Einführungszeitpunkt für alle Neuzulassungen auf den 1. September 2019 gelegt hätte, also ein Jahr später, würde sich die Lage wesentlich entspannter darstellen. Es wäre nicht zu diesen Engpässen gekommen. Produktionsausfälle kann niemand wollen, sie schaden besonders dem Automobilstandort Deutschland."

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