Golfstaat zunehmend isoliert

Gabriel sieht "Stunde der Diplomatie": Katar will verhandeln

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Trifft seinen katarischen Amtskollegen in Wolfenbüttel: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel.

Fast täglich erhöhen die arabischen Staaten den Druck auf Katar. Das Emirat weist neue Sanktionen gegen sich als unbegründet zurück. Doch seine Rivalen wollen erst nachgeben, wenn Katar seine Politik ändert.

Wolfenbüttel/Doha - Im Konflikt um Katar ist das Golf-Emirat bereit zu Verhandlungen mit seinen Widersachern. Sein Land halte die Diplomatie für den besten Weg zur Lösung der Krise und nicht eine Eskalation, sagte Katars Außenminister Al Thani nach einem Gespräch mit seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel.

Gabriel warnte vor einer Verschärfung des Konflikts und rief zu Gesprächen auf. "Wir sind der festen Überzeugung, dass jetzt die Stunde der Diplomatie ist", erklärte er bei dem Treffen in Wolfenbüttel.

Saudi-Arabien, Bahrain die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten hatten zuvor 59 Personen und zwölf Organisationenmit angeblichen Verbindungen zu Katar auf eine "Terrorliste" gesetzt. Sie alle würden von dem Golf-Emirat finanziert oder seien dort ansässig und hätten Kontakte zu Terroristen, erklärten sie. Für die Betroffenen bedeutet der Eintrag auf der "Terrorliste" vor allem Kontensperren und erschwerte Auslandsgeschäfte.

Mit dem Schritt verschärften sie ihre Strafmaßnahmen gegen Katar. Bereits zuvor hatten sie alle diplomatischen Kontakte abgebrochen und den Luftverkehr mit dem Emirat gestoppt. Die Nachbarländer schlossen die Grenzen. Die Staaten werfen Katar die Unterstützung von Terrororganisationen und Nähe zum schiitischen Iran vor, den vor allem das sunnitische Saudi-Arabien als Erzrivalen betrachtet.

Katars Rivalen wollen in der schwersten diplomatischen Krise am Golf seit Jahren erst nachgaben, wenn das Emirat seine Politik ändert. Katars Regierung zeigt sich aber bisher ebenso unnachgiebig.

Katar weist Sanktionen als unbegründet zurück

Mohammed Al Thani wies die neuen Sanktionen als unbegründet zurück. Auf der "Terrorliste" ständen zahlreiche Personen, die keinerlei Verbindung zu Katar hätten und auch nicht dort lebten. Die Maßnahmen gegen sein Land widersprächen internationalem Recht, sagte der Außenminister. "Wir leben nicht nach dem Gesetz des Dschungels." Die Krise habe negative Auswirkungen auf die gesamte Golf-Region.

Gabriel warnte vor einer Verschärfung des Konflikts. Deutschland habe ein Interesse an einer friedlichen Lösung, sagte er. Die Menschen in Katar würden Blockaden und den Abbruch diplomatischer Beziehungen zu spüren bekommen, aber auch die deutsche Wirtschaft sei betroffen.

Er hoffe auf eine schnelle Lösung, damit sich wieder auf den eigentlichen Gegner, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), konzentriert werde, erklärte Gabriel weiter. Dafür müsse die Koalition gegen den IS, zu der auch Katar gehört, zusammenstehen.

VAE-Außenminister Anwar Karkasch verteidigte in einer Reihe von Twitternachrichten die neuen Sanktionen. Die "Terrorliste" sei eine Chance für "den Bruder" (Katar), seine Politik zu überprüfen. Es gehe nicht darum, den Konflikt zu eskalieren, sondern das Böse zu beseitigen, das die Region treffe. Führerschaft bedeute, seine Politik zu überdenken und nicht auf einem Zickzackkurs weiterzugehen.

dpa

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