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Vater rast mit bewusstlosem Kind zur Klinik: Richter nimmt ihm den Lappen weg

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Von: Fee Halberstadt

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Vater rast mit bewusstloser Tochter ins Krankenhaus und muss deswegen Bußgeld zahlen und Führerschein abgeben
Bei einer Not-Fahrt ins Krankenhaus wird ein Vater geblitzt. Nun muss er deswegen seinen Führerschein abgeben. (Symbolbild) © Ole Spata/dpa

Ein Vater rast mit seiner bewusstlosen Tochter in die Klinik und wird auf dem Weg geblitzt. Ein Richter sieht keinen Grund für eine Aufhebung des Fahrverbots.

Siegen – Als ein Vater aus Siegen am 18. Januar 2022 nach Hause kommt, findet er seine zweijährige Tochter bewusstlos vor. Statt einen Krankenwagen zu rufen, fährt er sie eigenständig in die Notaufnahme der Kinderklinik in die Nähe. Unterwegs halten ihn zwei Polizisten an, da er nicht angeschnallt ist, wie RTL berichtet. Da diese die Dringlichkeit der Situation bemerken, eskortieren sie den 32-jährigen Mann den restlichen Weg.

Die Beamten schildern den Zustand des Kindes in einem Polizeibericht folgendermaßen: „Augenscheinlich musste dieses schnellstmöglich medizinisch behandelt werden, daher eskortierte man mit dem Zivilwagen bis zur Kinderklinik, wo das Kind umgehend der Notaufnahme zugeführt wurde“, heißt es in einem Auszug des Polizeiprotokolls, das der Siegener Zeitung vorliegt.

Das schnelle Tempo, mit dem der Vater unterwegs war, sorgte jedoch dafür, dass der Mann geblitzt wurde. Kurze Zeit später erfuhr er von einem Bußgeld sowie dem Entzug der Fahrerlaubnis für einen Monat. Er wehrte sich gegen diese Strafe und wurde vergangenen Mittwoch (11. Mai) angehört. Die Situation rechtfertige nicht das Fahren von 82 Kilometer pro Stunde, urteilte der zuständige Richter, Paul Sprenger.

Notfall-Fahrt mit bewusstlosem Kind: Vater wird geblitzt und verliert Führerschein

„Er hätte einen Rettungswagen rufen müssen, wir haben da in Deutschland ein funktionierendes System“, so der Richter. Auch, dass der Mann kein gutes Deutsch spreche und deswegen keinen Krankenwagen rief, ist für den Richter keine entkräftende Tatsache. Er hätte eine Person suchen müssen, die dies für ihn übernehme. Außerdem sei die beschriebene Situation keine Ausnahmesituation gewesen und durch das Rufen eines Rettungsdienstes wäre die Versorgung des Kindes früher sichergestellt worden.

Für einen Verzicht auf ein Fahrverbot habe dem Richter eine Entschuldigung des Mannes gefehlt, berichtet RTL. Stattdessen wurde das Bußgeld von knapp 350 Euro auf 260 Euro reduziert, wie Focus Online berichtet. Über den Zustand der Zweijährigen ist nichts bekannt.

Der Bußgeldkatalog wurde am 09. November erhöht, weshalb Verstöße gegen Tempolimits seit einigen Monaten deutlich teurer sind als zuvor.(fh)

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