Kripo ermittelt

20-Jähriger vor Disco zusammengeschlagen - Grund macht viele Deutsche fassungslos

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Frankfurt: 20-Jähriger in der Nähe Disco zusammengeschlagen! Grund macht fassungslos

Ein 20-Jähriger wurde in der Nähe Disco "Gibson" zusammengeschlagen - Der Grund macht sehr viele Menschen in Deutschland fassungslos.

Update 14 Uhr: Nun hat sich die Polizei in Frankfurt ausführlich geäußert. In einer Mitteilung heißt es: "Am Mittwoch, den 12.09.2018 wurde der Geschädigte durch die Kriminalpolizei zu dem Vorfall vernommen. Am Freitag, den 14.09.2018, tätigte der Bekannte als Zeuge eine Aussage. Parallel dazu durchgeführte Ermittlungen bezüglich möglicher Videoaufnahmen sowie eine Lichtbildeinsichtnahme verliefen negativ und führten bislang nicht zur Identifizierung der beiden Täter. Die Ermittlungen dauern an." Ein rechtsextremistischer Hintergrund sei für die Beamten nicht erkennbar. Der Staatsschutz ermittelt.

Frankfurt - Unfassbar, was sich in Frankfurt am Wochenende (7.09.) in der Nähe der beliebten Disco "Gibson" abgespielt hat! Ein 20-Jähriger soll an der Hauptwache attackiert worden sein, weil er ein Jude ist, wie extratipp.com* berichtet. Der Reihe nach. 

Frankfurt: 20-Jähriger vor Disco zusammengeschlagen - Grund macht fassungslos

Es ist kurz nach 4 Uhr am Samstagmorgen in Frankfurt: Joseph J.* (*Name geändert) kommt aus der Disco "Gibson" und will nach Hause. Er geht in Richtung U-Bahn, trifft aber auf zwei fremde Männer. Die Männer quatschen, als plötzlich einer fragt: "Welcher Landsmann bist Du?". Als Joseph J. antwortet: "Ich bin Israeli", kippt die Stimmung schlagartig. Die zwei unbekannten Männer haken nach und wollen von Joseph J. wissen: "Bist Du Jude?". Der 20-Jährige aus Frankfurt bestätigt, dass er Jude ist, dann flippen die beiden fremden Männer aus. Joseph J. zu bild.de: "Erschreckend war, dass bei dem Wort ‚Jude‘ von 0 auf 100 unmittelbar eine gefühlt unhaltbare Aggressivität aufkam."

In der Nähe des Gibson in Frankfurt wurde ein Jude angegriffen.

Die Männer sollen den 20-Jährigen mit Worten wie "Scheiß Jude" oder "Fick Dich" beschimpft haben. Einer der Täter soll gerufen haben, er sei Palästinenser. Doch bei Worten blieb es nicht: einer der Unbekannten soll Joseph J. mit der Hand ins Gesicht geschlagen und ihm eine Kopfnuss verpasst haben. 

Antisemitismus-Debatte in Deutschland: Tägliche Angriffe auf Juden

Joseph J. erleidet mehrere Prellungen und schafft es, die Polizei Frankfurt zu alarmieren. Sofort fahnden mehrere Streifen der Frankfurter Polizei nach den Antisemiten - ohne Erfolg. Der antisemitische Vorfall wurde im Polizeibericht nicht erwähnt. Erst Auf bild.de-Nachfrage bestätigt das Polizeipräsidium Frankfurt den Angriff. Sprecherin Chantal Emch: "Wir gehen von einem antisemitischen Hintergrund aus." Jetzt ermittelt die Kripo Frankfurt wegen Körperverletzung. Die Beamten suchen nach zwei Männern:

  • vermutlich Südländer, 
  • schwarze, kurze Haare, 
  • beide mit dunklem Bart.
Hinweise an die Polizei in Frankfurt unter 069-755-53111. Nach dem Angriff auf ein jüdisches Café in Chemnitz ist Antisemitismus wieder Teil der öffentlichen Diskussion in Deutschland geworden. Bei "Anne Will" am Sonntagabend (16.09.) diskutierten die Gäste über Antisemitismus. Besonders dramatisch: Dieser ist nach einer neuen Studie eine alltägliche Erfahrung von Juden in Bayern. 

Er begegne ihnen in der Schule, am Arbeitsplatz, beim Spaziergang, beim Einkaufen oder im öffentlichen Nahverkehr. Das ist das Ergebnis einer am Freitag in München vorgestellten 64 Seiten starken "Problembeschreibung". Dafür hatte die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) vor einem Jahr mit 20 jüdischen Akteuren im Freistaat qualitative Interviews geführt. Den ganzen Bericht gibt es hier.

Matthias Kernstock

*extratipp.com ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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