Kurs auf Florida

Hurrikan "Irma": Mindestens zwei Tote auf Karibikinseln

Hurrikan "Irma", der stärkste in der Region je registrierte Tropensturm, traf auf der Insel Barbuda erstmals auf Land - und nimmt jetzt Kurs auf Florida.

Update vom 5. Oktober 2017: Ein Unwetter wütet in Deutschland. Weite Landesteile sind betroffen. Wir bieten im News-Ticker alle Informationen zum Unwetter, dem Sturm „Xavier“.

Update vom 8. September 2017: Hurrikan "Irma" verursacht auf den karibischen Inseln schwere Verwüstungen und nimmt nun Kurs auf Florida. Wir halten Sie in unserem News-Ticker auf merkur.de* auf dem Laufenden.

San Juan - Mit Windgeschwindigkeiten von rund 300 Stundenkilometern ist der gefährliche Hurrikan "Irma" in der Karibik erstmals auf Land getroffen. Am frühen Mittwoch gegen 02.00 Uhr erreichte "Irma" die zu den Kleinen Antillen gehörende Insel Barbuda und zog dann zu den Inseln Saint-Bathélémy und Saint-Martin weiter. Dort sind durch den Hurrikan auf den Karibikinseln Saint-Barthélemy und Saint-Martin mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Mindestens zwei weitere seien schwer verletzt worden, teilte die französische Regierung am Mittwochabend mit. Der Hurrikan der höchsten Kategorie 5 war zuvor über das französische Überseegebiet Saint-Barthélemy gefegt, dann erreichte er die zwischen Frankreich und den Niederlanden geteilte Insel Saint-Martin.Dort richtete er nach Angaben der Pariser Regierung schwere Schäden an.

Auf den Karibikinseln Saint-Martin und Saint Barthélémy hat "Irma" Schäden an Gebäuden sowie Überschwemmungen und Stromausfälle verursacht. Auf Saint-Barthélémy stehe das Wasser im Gebäude der Feuerwehr einen Meter hoch, die Feuerwehrleute hätten sich in Sicherheit gebracht, teilte der Präfekt der Region Guadeloupe am Mittwoch per Twitter in einem ersten Schadensbericht mit. Angaben über mögliche Verletzte oder Tote gab es zunächst nicht. Der Norden von Saint-Martin sowie Saint-Barthélémy sind französische Überseegebiete. 

Stromausfälle und Häuserschäden nach „Irma“

Auf Saint-Barthélémy sei die Stromversorgung zusammengebrochen und das vom französischen Stromkonzern EDF betriebene Kraftwerk nicht mehr zu benutzen, hieß es weiter. Auch Saint-Martin sei seit 6 Uhr morgens (Ortszeit) ohne Strom. Dort wurde zudem das Gebäude der Präfektur teilweise zerstört. Der Präfekt und 23 Menschen hätten sich in einen betonierten Raum geflüchtet. Auf beiden Inseln riss der Hurrikan der höchsten Stufe fünf Dächer von Gebäuden.

Rund anderthalb Stunden verweilte das Auge des als "potenziell katastrophal" eingestuften Sturms auf dem französischen Überseegebiet Saint-Barthélémy, das besonders beim internationalen Jet-Set beliebt ist, dann erreichte es die zwischen Frankreich und den Niederlanden geteilte Insel Saint-Martin. Der französische Wetterdienst berichtete von heftigen Springfluten. Ganze Küstengebiete seien bereits überschwemmt.

Hurrikan "Irma" nimmt Kurs auf Florida

Die Ministerin für die französischen Überseegebiete, Annick Girardin, berichtete außerdem von weiteren "größeren Schäden" auf den betroffenen Inseln. Unter anderem habe der Sturm die Dächer von zahlreichen Häusern fortgerissen. Trotz der höchsten Alarmstufe weigerten sich laut Girardin rund 7000 Menschen bis zuletzt, sich in Sicherheit zu begeben.

Die Bedrohung durch den Hurrikan „Irma“ für den US-Bundesstaat Florida wächst nach Einschätzung der US-Wetterbehörde weiter. Neuen Berechnungen vom Mittwochmorgen (Ortszeit) zufolge liegen große Teile Floridas im möglichen Weg des Sturms. 

Floridas Gouverneur zeigt sich alarmiert

Setzt Hurrikan „Irma“ seinen derzeitigen Kurs fort, könnte er zum Wochenende in Florida auf Land treffen. Nach Angaben von Meteorologen ist der Zeitraum von Freitagabend bis Montag (Ortszeit) kritisch. Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, hat die Bewohner des US-Bundesstaates deshalb schon jetzt eindringlich vor den Folgen des Hurrikans „Irma“ gewarnt. Der Sturm könne der schlimmste werden, dem Florida je ausgesetzt gewesen sei, sagte Scott am Mittwoch dem Sender ABC. „Ich möchte, dass jeder versteht, um was es hier geht“, sagte Scott. Alle Einwohner sollte sich für drei Tage mit Wasser und Nahrungsmitteln eindecken. „Nehmt was ihr braucht, aber nehmt nicht mehr“, sagte Scott mit Hinweis auf mögliche Versorgungsengpässe. Er hatte bereits vor Tagen den Notstand für seinen Bundesstaat ausgerufen. Die besonders anfällige und teils nur über ein Brückensystem zu erreichende Inselkette der Florida Keys ganz im Süden des Staates wurde vorsorglich bereits evakuiert.

Der gewaltige Sturm wirbelt darüber hinaus auch die Reisepläne von Papst Franziskus durcheinander

"Irma" auf Kategorie 5 gestuft

Der Hurrikan der höchsten Stufe fünf könnte katastrophale Schäden anrichten, warnte das Hurrikanzentrum. Ob der Sturm sich abschwächt oder seinen Kurs ändert, kann noch nicht mit Sicherheit gesagt werden.

Am Mittwoch zog das Auge des Tropensturms über Barbuda, wie den Wetterdaten zu entnehmen war. Die Behörden warnten die etwa 1700 Bewohner, trotz einer kurzen vermeintlichen Beruhigung der Lage im Zentrum des Sturm nicht nach draußen zu gehen. Im Auge eines Hurrikans herrscht nahezu Windstille.

Der Sturm riss die Dächer von einigen Häusern auf Barbuda weg, wie der "Antigua Chronicle" auf Facebook berichtete. Weitere Informationen über Schäden oder mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor. Auch von Barbudas Nachbarinsel Antigua gab es zunächst keine Berichte, der Sturm zog etwa 65 Kilometer nördlich an der Insel vorbei.

Behörden rechnen mit dem Schlimmsten

Direkt nach dem Durchzug des Hurrikans sollten Hilfslieferungen auf den Inseln eintreffen. In Venezuela und Miami würden jeweils zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern auf Abruf bereitstehen, sagte der Premierminister von Antigua und Barbuda, Gaston Browne, der Zeitung "The Daily Observer".

"Irma" bewegt sich langsam

"Irma" bewegt sich mit etwa 24 Kilometern pro Stunde in Richtung Nordwesten. Bis Mittwochabend (Ortszeit) könnte der Sturm die Nähe von Puerto Rico erreichen. 

„Bete um Gottes Schutz“

Anguilla, Montserrat und St. Kitts und Nevis liegen auf dem weiteren Kurs von "Irma". 

Regierungschef Timothy Harris rief die Einwohner der beiden Inseln eindringlich dazu auf, bis auf weiteres in ihren Häusern zu bleiben. Harris warnt auf Twitter: „Ich bin sehr dankbar für die vielen Botschaften der Sorge und Fürsorge angesichts von Irma, und ich bete um Gottes Schutz und Gnade.“

Hurrikan-Warnungen gab es auch für die niederländischen Inseln Saba, Sint Eustatius, Sint Maarten, die französischen Überseegebiete Saint-Martin und Saint-Barthélemy, die Britischen Jungferninseln, die US-Jungferninseln sowie Teile Puerto Ricos und der Dominikanischen Republik.

Das Meer vor der Karibik-Insel Saint-Martin ist unruhig.

In der gesamten Region bereiteten sich die Behörden auf "Irmas" Eintreffen vor. In Puerto Rico wurde der Notstand ausgerufen und die Nationalgarde aktiviert. Die Küstenregionen wurden evakuiert. Die Behörden richteten 456 Notunterkünfte mit Kapazitäten für mehr als 63.000 Menschen ein. Die niederländische Regierung schickte rund 100 Soldaten auf die bedrohten Karibikinseln Sint Maarten, Sint Eustatius und Saba.

Das französische Innenministerium verschärfte seine Warnungen an die Küstenbewohner der Überseegebiete Saint-Martin und Saint-Barthélemy. Die Menschen sollten auf keinen Fall ihre Häuser verlassen, warnte das Ministerium auf Twitter.

Auf seinem Zug könnte der Sturm auch die Dominikanische Republik, Kuba, Haiti und die Bahamas bedrohen. Die Regierung der Bahamas ordnete die Evakuierung mehrerer Inseln im Süden der Inselkette an.

Urlauber müssten mit starkem Regen und Wind rechnen, in deren Folge es zu Überschwemmungen und Erdrutschen kommen kann, teilte das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für mehrere Karibikstaaten hin. In den USA wurden Touristen aufgefordert, die Südwestspitze Floridas einschließlich der Inselkette Florida Keys zu verlassen.

Weitere tropische Wirbelstürme im Westatlantik bewegen sich auf die Küste zu

Unterdessen brauen sich am Himmel über dem westlichen Atlantik die nächsten Wirbelstürme zusammen. Wie das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) der USA am Mittwoch mitteilte, befand sich Tropensturm "Katia" etwa rund 200 Kilometer östlich der Küste Mexikos, er erreichte Windgeschwindigkeiten von bis zu 75 Stundenkilometern. Am Dienstagabend hatte das NHC bereits den Tropensturm "José" gemeldet. Bei beiden Stürmen erwartet das US-Sturmwarnzentrum die Heraufstufung zu Hurrikans. Die Böen des Sturms José erreichten laut NHC bereits eine Geschwindigkeit von bis zu 110 Stundenkilometern - und waren damit nahe an den 120 Stundenkilometern, ab denen ein Sturm als Hurrikan der Klasse eins klassifiziert wird. "José" befand sich knapp 2000 Kilometer östlich der Kleinen Antillen. Das NHC teilte mit, der Wirbelsturm könnte sich "im Laufe des Tages" zu einem Hurrikan entwickeln.

„Irma“ wirbelt auch Flugpläne durcheinander

Der gefährliche Hurrikan "Irma" beeinträchtigt mittlerweile außerdem auch den Luftverkehr in die Karibik und USA. Die Lufthansa-Tochter Eurowings teilte am Mittwoch mit, aufgrund der Extremwetterlage werde in den kommenden Tagen der Betriebsablauf gestört. Passagiere, die im Zeitraum 6. bis 11. September die Flugziele Havanna und Varadero in Kuba sowie Punta Cana und Puerto Plata in der Dominikanischen Republik sowie die US-Städte Miami oder Orlando gebucht haben, könnten kostenlos umbuchen - und zwar in den Zeitraum 12. September bis 12. Oktober. Kunden, die ihren Flug als Teil einer Pauschalreise gebucht haben, sollten sich an ihren Reiseveranstalter wenden.

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dpa

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