Rousseff verliert Amtsenthebungs-Votum

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff droht die Amtsenthebung. Der Senat kann sie nun Ende April mit einfacher Mehrheit für 180 Tage suspendieren. Foto: Fernando Bizerra Jr
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Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff droht die Amtsenthebung. Der Senat kann sie nun Ende April mit einfacher Mehrheit für 180 Tage suspendieren. Foto: Fernando Bizerra Jr
Als der sozialdemokratische Abgeordnete Bruno Araújo sein "Ja" in der Nacht zum Montag verkündet, fallen ihm Kollegen um den Hals. Seine 342. Stimme ist die Stimme, die die Zwei-Drittel-Mehrheit besiegelt. Foto: Iano Andrade
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Als der sozialdemokratische Abgeordnete Bruno Araújo sein "Ja" in der Nacht zum Montag verkündet, fallen ihm Kollegen um den Hals. Seine 342. Stimme ist die Stimme, die die Zwei-Drittel-Mehrheit besiegelt. Foto: Iano Andrade
Plakat mit der Aufschrift "Tschüß meine Liebe". So hatte sich mal Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva von Rousseff in einem Telefonat verabschiedet, das abgehört wurde und den Weg in die Öffentlichkeit fand. Seither ist es der Schlachtruf gegen "Dilma". Foto: Sebastiao Moreira
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Plakat mit der Aufschrift "Tschüß meine Liebe". So hatte sich mal Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva von Rousseff in einem Telefonat verabschiedet, das abgehört wurde und den Weg in die Öffentlichkeit fand. Seither ist es der Schlachtruf gegen "Dilma". Foto: Sebastiao Moreira
Jubel auch in Rio De Janeiro. Es ist ein Debakel für Rousseff, jetzt kann der Senat bis Ende April mit einfacher Mehrheit für eine Suspendierung von 180 Tagen stimmen. Foto: Antonio Lacerda
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Jubel auch in Rio De Janeiro. Es ist ein Debakel für Rousseff, jetzt kann der Senat bis Ende April mit einfacher Mehrheit für eine Suspendierung von 180 Tagen stimmen. Foto: Antonio Lacerda
Der Ruf nach Neuwahlen wird immer lauter - aber die ganze politische Klasse ist hoffnungslos diskreditiert. Gegen über 50 Politiker wird oder wurde im Zuge des Schmiergeldskandals bei Auftragsvergaben des halbstaatlichen Petrobras-Konzerns ermittelt. Foto: Antonio Lacerda
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Der Ruf nach Neuwahlen wird immer lauter - aber die ganze politische Klasse ist hoffnungslos diskreditiert. Gegen über 50 Politiker wird oder wurde im Zuge des Schmiergeldskandals bei Auftragsvergaben des halbstaatlichen Petrobras-Konzerns ermittelt. Foto: Antonio Lacerda
Die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: Anhänger von Präsidentin Dilma Rousseff nach der verlorenen Abstimmung über ihre Amtsenthebung. Foto: Luiz Eduardo Perez
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Die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: Anhänger von Präsidentin Dilma Rousseff nach der verlorenen Abstimmung über ihre Amtsenthebung. Foto: Luiz Eduardo Perez

Für Brasiliens Präsidentin Rousseff wird es nach einem Debakel im Parlament politisch immer enger. Im Kampf gegen eine Absetzung will sie nun möglicherweise juristisch in die Offensive gehen. Kein gutes Omen für das Olympiajahr.

Brasília (dpa) - Nach einer herben Niederlage im Abgeordnetenhaus droht Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff die Amtsenthebung. Bei der Abstimmung wurde die für ein Absetzungsverfahren nötige Zwei-Drittel-Mehrheit deutlich erreicht: 367 Abgeordnete votierten dafür, nur 137 dagegen.

Der Senat kann die Politikerin der linken Arbeiterpartei (PT) nun Ende April mit einfacher Mehrheit für 180 Tage suspendieren. Dieses Votum wird nicht als große Hürde angesehen. Danach würden die Anklagepunkte juristisch geprüft.

Die Abstimmung von Sonntag sei im Präsidentenpalast mit "Empörung und Traurigkeit" aufgenommen worden, sagte Generalanwalt José Eduardo Cardozo. Rousseff werde aber nicht den Mut verlieren. Das Portal "O Globo" berichtete, die Regierung habe bereits eine juristische Offensive vorbereitet und wolle das Abstimmungsergebnis vor dem Obersten Gerichtshof anfechten.

Rousseffs persönlicher Kabinettschef Jaques Wagner meinte, mit dem Votum würden "30 Jahre Demokratie unterbrochen". "Das ist ein trauriges Kapitel." Rousseff sei 2014 von 54 Millionen Menschen gewählt worden und ihr könne keinerlei kriminelle Handlung nachgewiesen werden, betonte Wagner nach Angaben von "O Globo".

Bei den Vorwürfen gegen die Präsidentin geht es um Tricksereien beim Haushalt, etwa bei der Finanzierung der Familiensozialhilfe über öffentliche Banken. Zum anderen geht es um Kreditvergaben ohne grünes Licht des Kongresses.

Als die entscheidende 342. Ja-Stimme am Sonntag erreicht war, fielen sich Rousseffs Gegner im Parlament um den Hals. Jeder Abgeordnete erläuterte kurz sein Votum. Die emotionale Abstimmung dauerte bis zur entscheidenden Stimmabgabe des Abgeordneten Bruno Araújo mehr als fünf Stunden.

Vizepräsident Michel Temer (75) würde Rousseff während der Suspendierung ersetzen. Er ist Chef der Partei der demokratischen Bewegung (PMDB), die mit der Regierung gebrochen hat. Temer ist Vizepräsident geblieben, damit er Rousseff beerben kann.

Wird Rousseff suspendiert, könnte sie auch nicht die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro am 5. August eröffnen. Bis Oktober könnte der Senat sie mit Zwei-Drittel-Mehrheit endgültig des Amtes entheben. Bisher gab es solch ein Verfahren erst einmal. 1992 wurde Fernando Collor de Mello nach Korruptionsvorwürfen für 180 Tage suspendiert - und trat am Ende schließlich selbst zurück.

Zu Beginn des Abstimmungsprozesses gab es tumultartige Szenen in der Hauptstadt Brasília. Es kam im Abgeordnetenhaus zu lauten "Arbeiterpartei-raus"-Rufen und Wortgefechten zwischen Gegnern und Anhängern der Präsidentin.

Nachdem klar war, dass deutlich die Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht werden würde, kam es zu Feuerwerken und Autokorsos, zuletzt lag die Zustimmung zu der PT-Politikerin nur noch bei zehn Prozent. An Orten wie der Copacabana in Rio de Janeiro verfolgten die Menschen per Public Viewing die aufgeheizte Abstimmung im Parlament.

Ihren Niedergang beschleunigt hatte Rousseff mit der Berufung des Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva zu ihrem Kabinettschef: Ein Bundesrichter legte sein Veto ein, da Lula im Regierungsamt besser vor Korruptionsermittlungen geschützt wäre. Was als Befreiungsschlag und zur Stärkung ihrer Regierung gedacht war, endete in Protesten dagegen, dass Rousseff Lula nur vor der Justiz schützen wolle.

Daneben hat der parteiübergreifende Korruptionsskandal um den halbstaatlichen Petrobras-Konzern den Widerstand verschärft, ebenso die ökonomische Krise. Die Wirtschaft brach 2015 um 3,8 Prozent ein, die Arbeitslosenzahl ist auf 9,6 Millionen gestiegen. Die Regierung bekam zuletzt kaum noch Reformen durchgesetzt - weil die einstige Neun-Parteien-Koalition zerbröselt ist. Da aber auch Temer wenig Vertrauen genießt, wurde zuletzt der Ruf nach Neuwahlen immer lauter.

Bisheriger Zeitplan Amtsenthebungsverfahren

Bericht "O Globo"

Bericht "O Globo" 2

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