Mehr Milch am Markt

Höhenflug beim Butterpreis geht wohl zu Ende

+
Butter kostet nun gut 70 Prozent mehr als vor einem Jahr. Foto: Patrick Pleul

Der Butterpreis kannte jüngst nur eine Richtung - steil nach oben. Eine größere Milchmenge dürfe aber bald für Entspannung sorgen. Die Bauern befürchten Preissenkungen.

Wiesbaden/Düsseldorf (dpa) - Frohe Botschaft für große und kleine Weihnachtsbäcker: Der steile Anstieg der Butterpreise von einer Rekordhöhe zur nächsten wird sich nach Ansicht von Marktbeobachtern nicht fortsetzen.

Weil derzeit mehr Milch als vor einem Jahr zur Verfügung steht und die Verbraucher bereits mit einer spürbaren Kaufzurückhaltung auf die Ladenpreise von knapp 2 Euro für das Butterstück der untersten Preislage reagiert haben, wird eher mit einer Entspannung als mit einem weiteren Preisanstieg gerechnet. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter befürchtet sinkende Preise bei Milchprodukten, was für die Landwirte ein herber Rückschlag wäre.

Der Butterpreis ist im September so stark gestiegen wie seit rund 26 Jahren nicht mehr. Das Speisefett kostete gut 70 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das war der stärkste Anstieg in einem Einzelmonat seit 1991.

Deutlich teurer wurden in Jahresfrist auch Molkereiprodukte mit plus 15 Prozent. Die stärksten Preisanstiege von jeweils etwa 30 Prozent gab es bei Sahne, Milch und Quark. Auch Käse und Joghurt kosteten mehr als ein Jahr zuvor. Die aktuellen Preiserhöhungen bei den Erzeugern würden offensichtlich an den Großhandel und letztlich an den Endverbraucher weitergegeben, erklärte die Wiesbadener Behörde.

Für die Verbraucher ist nach Einschätzung des Handelsexperten Matthias Queck von LZ Retailytics keine wesentliche Entspannung bei Molkereiprodukten in Sicht. "Käse ist erst zum Monatsbeginn bei den Discountern erneut teurer geworden und steht teilweise auf dem höchsten Preislevel, das ich seit 15 oder 20 Jahren gesehen habe", sagte Queck der Deutschen Presse-Agentur.

Die Lebensmittel-Discounter seien in diesem Jahr für Lebkuchen und anderes Weihnachtsgebäck mit etwa denselben Preisen wie vergangenes Jahr in den Markt gegangen. "Dort ist die massive Verteuerung wegen früher Verhandlungen noch nicht zu spüren", erläuterte Queck.

Nach Informationen des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter liegt die Milchmenge derzeit in Deutschland drei Prozent über dem Vorjahresstand. "Und wir steuern auf das Rekordniveau vom November 2015 zu", sagte Verbandssprecher Hans Foldenauer der dpa.

Fallende Preise wären somit keine Überraschung. Derzeit laufen die Verhandlungen über neue Halbjahres-Lieferverträge zwischen den einzelnen Molkereien und den Lebensmittelhändlern. Dabei geht es um Trinkmilch sowie Milchprodukte in den unteren Preislagen der Händler.

"Ich sehe das mit großer Sorge. Meines Erachtens steuern wir sehenden Auges auf die nächste Milchmarktkrise zu", sagte Foldenauer mit Blick auf die steigende Milchmenge. Wenn die Preise wieder bröckelten, werde es für viele Betriebe, die die jüngste Krise gerade so überstanden hätten, eng. Die Bauern bekämen gegenwärtig im Bundesdurchschnitt einen Auszahlungspreis von den Molkereien von 38 Cent je Kilogramm Rohmilch, was etwa einem Liter entspreche.

In den Monaten zuvor seien es etwa 35 Cent je Liter für die Landwirte gewesen. "Damit konnte man wieder die Rechnungen bezahlen und die eine oder andere aufgeschobene Reparatur. Aber an eine Rückführung der Kredite ist überhaupt nicht zu denken", verdeutlichte er.

Der Milchviehhalter-Verband hält für ein nachhaltiges Wirtschaften Auszahlungspreise von mehr als 40 Cent je Liter Rohmilch für erforderlich. In den Krisenjahren 2015/2016 waren es zeitweise nur gut 20 Cent. Eine rückläufige Milchmenge, staatliche Maßnahmen und eine stärkere Milchfett-Nachfrage ließen dann die Preise steigen.

Im Einzelhandel kletterte der Butterpreis Anfang September auf das Höchstniveau von 1,99 Euro je 250-Gramm-Stück Deutsche Markenbutter. Für Butter gelten erfahrungsgemäß Verträge mit kurzen Laufzeiten.

Nach dem kräftigen Preisanstieg sei jetzt erstmals in der 41. Kalenderwoche der Butterpreis leicht rückläufig gewesen, sagte ein Sprecher der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW mit Verweis auf Daten der Süddeutschen Butter- und Käse-Börse Kempten.

Der Milchindustrie-Verband, der die Molkereien vertritt, beobachtet ebenfalls eine steigende Milchmenge. "Die hohen Preise für Butter dürften sich dem Ende zu neigen, es steht wieder genügend Rohstoff zur Verfügung", sagte ein Sprecher zur Marktsituation. Das auf Rekordhöhe gestiegene Preisniveau für Butter habe durchaus dazu geführt, dass die Verbraucher weniger Butter kauften. Eine neue Krise der Milchbauern sieht der Verband aber nicht. Die Käsekontrakte stützten die gestiegenen Auszahlungspreise an die Landwirte.

Mitteilung Butterpreise

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare