"Brauchen fachpolitische Lösungen"

Zahl der Drogentoten steigt: Experte kritisiert Verbotspolitik

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2015 waren die meisten Menschen an Heroinkonsum gestorben. Ein Drogenabhängiger kocht sich in einem Druckraum in Frankfurt am Main Heroin auf.

Berlin - Mehr Menschen in Deutschland sterben, weil sie illegale Drogen nehmen. Der BKA-Chef warnt: Der Verkauf von Heroin, Kokain und Co. findet nicht mehr nur auf der Straße statt.

Zum vierten Mal in Folge ist die Zahl der Drogentoten in Deutschland gestiegen. Im vergangenen Jahr starben bundesweit 1333 Menschen, weil sie illegale Substanzen wie Heroin, Kokain oder Crack konsumierten - das waren neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der registrierten Drogendelikte, die etwa Handel und Beschaffungskriminalität umfasst, stieg um sieben Prozent auf 302 592 Fälle.

Das geht aus dem Jahresbericht 2016 zur Rauschgiftkriminalität hervor, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), und der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, am Montag in Berlin vorstellten.

2015 war die Zahl der Drogentoten um 18,8 Prozent auf 1226 gestiegen. Ein Jahr zuvor waren es 1032 Drogentote gewesen - 2013 noch 1002. Bis 2012 war die Opferzahl zurückgegangen.

In diesen Bundesländer stieg die Zahl am stärksten

Den stärksten Anstieg gab es dem Bericht zufolge in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hamburg. Auch in Berlin und Brandenburg gab es deutlich mehr Drogentote. „Wir brauchen noch umfassende Hilfe für Abhängige und deren Angehörige“, forderte Mortler. Prävention und Frühintervention seien die Schlagwörter. „Jeder, der erstmalig mit einer verbotenen Substanz aufgegriffen wird, muss mit seinem Drogenkonsum konfrontiert werden und umgehend Beratung erhalten.“

Analog zum Vorjahr seien 84 Prozent der Opfer männlich gewesen. Der Altersdurchschnitt lag bei knapp über 38 Jahren. Die meisten Drogentoten sind erneut auf den Konsum von Opioiden und Opiaten wie Heroin zurückzuführen. Der Bericht untersuchte den Konsum verbotener Substanzen, Alkohol und Tabak zählten daher nicht in die Statistiken.

Konsumenten bekommen die illegalen Substanzen längst nicht mehr nur an der Straßenecke. „Der Internethandel macht Drogen leichter verfügbar“, berichtete Münch. Es gebe Verkaufsplattformen, auf denen illegale Drogen aller Art angeboten und per Post an den Empfänger geschickt würden, sagte der BKA-Chef.

dpa

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