Tarifkonflikt

IG Metall verschärft Warnstreiks

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VW-Mitarbeiter mit Transparenten in Wolfsburg. Foto: Peter Steffen

Die Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie laufen am Freitag mit steigender Wucht weiter. Verhandelt wird wohl erst nach dem Wochenende an einem altbekannten Ort.

Frankfurt/Main (dpa) - Die IG Metall lässt ihre Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie weiter rollen. Laut Gewerkschaft haben bereits am zweiten Tag insgesamt rund 125.000 Beschäftigte an den ganztägigen Ausständen teilgenommen.

Für diesen Freitag wird eine Rekordbeteiligung von bis zu 300.000 Metallern erwartet. Unter anderem soll es die Autobauer BMW, Audi, Daimler und Porsche treffen.

Neue Verhandlungen hat die IG Metall Baden-Württemberg den Arbeitgebern erst für den Beginn kommender Woche in der Stuttgarter Liederhalle angeboten. Zuvor müsse sich Südwestmetall aber noch deutlich bewegen, sagte Bezirkschef Roman Zitzelsberger in Stuttgart.

Die IG Metall verlangt bundesweit sechs Prozent mehr Geld und das Recht, die Wochenarbeitszeit zeitweise auf 28 Stunden abzusenken. Schichtarbeiter, Eltern kleiner Kinder und pflegende Familienangehörige sollen dabei einen Teillohnausgleich erhalten, den die Arbeitgeber bislang strikt ablehnen und für rechtswidrig halten.

Erfolglos blieben Eilanträge mit dem Ziel, die Warnstreiks zu stoppen. Schon am Mittwoch hatte das Arbeitsgericht Krefeld einen Eilantrag der bestreikten Firma Otto Fuchs Dülken aus Viersen abgewiesen. Das Gericht sah sich im Eilverfahren nicht in der Lage, die Rechtmäßigkeit der Gewerkschaftsforderung zu überprüfen. Ähnlich argumentierte das Arbeitsgericht Nürnberg auf Klage der Firma Kennametal aus dem fränkischen Lichtenau. In den Hauptsacheverfahren will das Arbeitsgericht Frankfurt erst am 20. Februar verhandeln.

Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie schätzte die Kosten des Tagesstreiks allein in Bayern auf mindestens 18 Millionen Euro. "Bei der unnötigen Eskalation der Tarifverhandlungen durch die Tagesstreiks scheint der IG Metall der Schaden für die Unternehmen und für die Volkswirtschaft anscheinend nicht wichtig zu sein", sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Er forderte die IG Metall auf, die Streiks zu beenden und weiter zu verhandeln. Die Eskalation sei "unnötig und volkswirtschaftlich schädlich".

Vergangenes Wochenende hatten die Vertreter der IG Metall Baden-Württemberg und des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall die fünfte Verhandlungsrunde im laufenden Tarifkonflikt ergebnislos abgebrochen. Die IG Metall entschied daraufhin, 24-stündige Warnstreiks in bundesweit rund 275 Betrieben mit 500.000 Beschäftigten durchzuführen. Seit Mittwoch sind nach Gewerkschaftsangaben bereits rund 200.000 Metaller in den Ausstand getreten und haben Anrecht auf Streikgeld.

Schon am Donnerstag konzentrierten sich die Streiks auf die Auto-Industrie und ihre Zulieferer. So brachte die IG Metall die Produktion in den Kölner Ford-Werken zum Erliegen. "Kein Auto läuft vom Band", sagte IG-Metall-Streikleiter Benjamin Gruschka. In Bayern und Baden-Württemberg standen große Autozulieferer wie Bosch oder Mahle im Fokus. "Im Bosch-Werk in Feuerbach sind heute 14.000 Beschäftigte in der Frühschicht aufgerufen, ihre Arbeit ruhen zu lassen", sagte ein Sprecher.

Auch beim weltgrößten Autokonzern Volkswagen legten Tausende die Arbeit nieder, um für Verbesserungen im VW-Haustarif zu kämpfen. Betriebsratschef Bernd Osterloh drohte mit einer deutlichen Ausweitung. "Zur Not werden wir den halben Konzern zum Stillstand bringen", sagte er am Donnerstag in Wolfsburg. Auch Komponentenwerke, die alle Konzernmarken mit Motoren oder Getrieben beliefern, könnten betroffen sein. Das Volkswagen-Angebot im Tarifkonflikt sei nicht einmal im Ansatz verhandelbar. Insgesamt legten nach Angaben der IG Metall rund 50.000 VW-Beschäftigte der sechs westdeutschen Standorte vorübergehend die Arbeit nieder.

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