Papst trifft Vorgänger

Benedikt XVI. erstmals bei Messe mit Franziskus

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Die beiden Päpste begrüßten sich herzlich.

Vatikanstadt - Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat erstmals seit seinem Rücktritt vor einem Jahr einen Gottesdienst mit Papst Franziskus besucht. Im Rahmen dieser Messe wurde der deutsche Erzbischof Müller zum Kardinal ernannt.

Am Samstag nahm er an der feierlichen Aufnahme von 19 Kirchenmännern in das Kardinalskollegium teil. Franziskus begrüßte seinen Vorgänger zu Beginn der Zeremonie mit einer herzlichen Umarmung.

Benedikt XVI. saß in der ersten Reihe des Kardinalskollegiums auf einem Eckplatz in einem Sessel mit rotem Polster wie alle übrigen Kardinäle. Lediglich der Abstand zu seinem Sitznachbarn, dem maronitischen Patriarchen Bechara Rai, war leicht vergrößert.

Papst Franziskus bei Benedikt XVI.: Bilder

Papst Franziskus bei Benedikt XVI.: Bilder

Bislang war der emeritierte Papst nur einmal, zur Einweihung der Michaels-Statue in den vatikanischen Gärten im Juli, öffentlich mit Franziskus aufgetreten. Benedikt XVI. hatte vor seinem Rücktritt am 28. Februar 2013 angekündigt, fortan „vor der Welt verborgen“ leben zu wollen.

Deutscher Erzbischof Müller wird Kardinal

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller wurde von Papst Franziskus in den Kardinalsstand erhoben.

Für Erzbischof Gerhard Ludwig Müller dürfte es eine große Freude, aber vor allem auch eine Erleichterung sein. Zusammen mit 18 anderen Geistlichen aus aller Welt erhob Papst Franziskus den 66-Jährigen am Samstag in den Kardinalsstand. Eigentlich ist dies für den Chef der Glaubenskongregation im Vatikan eine Selbstverständlichkeit - doch Berichte, der theologische Ziehsohn des zurückgetretenen Papsts Benedikt XVI. sei ein Franziskus-Gegner, schürten Zweifel.

Müllers Berufung aus Regensburg in den Vatikan gehörte im Jahr 2012 zu den späten Personalentscheidungen Benedikts, mit denen der altersmüde deutsche Papst sein theologisches Erbe zu sichern versuchte. Müller steht in der Tradition des emeritierten Papstes: Er orientiert sich in seinen Schriften streng an der Theologie und nicht an gesellschaftlichen Fragestellungen. Das Amt des Glaubenshüters ist für ihn das des Bewahrers alter Traditionen. Ganz so verstand auch Benedikt, damals noch Kardinal Joseph Ratzinger, als Glaubenspräfekt seine Aufgabe.

Wegen dieser klaren Positionierung Müllers wurde im vergangenen Jahr mit Spannung erwartet, ob der so stark den Menschen zugewandte Franziskus den Schüler Benedikts im Machtzentrum des Vatikans behalten würde. Doch nicht nur das - Franziskus bestätigte den Präfekten in einer seiner ersten Personalentscheidungen im Amt. Jetzt machte der Papst Müller gleich bei seiner ersten Runde der Kardinalsernennungen zum Purpurträger.

Wie genau es zwischen dem Deutschen und dem Argentinier steht, ist damit nicht beantwortet. Müller selbst ging zuletzt in die Offensive und versuchte, jeden Eindruck von Zwietracht zu zerstreuen. "Gegen schlechte Fantasien helfen keine rationalen Argumente", widersprach er in einem Interview Berichten, er sei der hartnäckigste Gegner von Franziskus. Dieser habe vielmehr "ein brüderliches und freundschaftliches Verhältnis zu allen seinen engsten Mitarbeitern" - folglich also auch zu ihm.

Zwischen beiden zeigt sich vor allem eine innere Nähe in ihrer Haltung zur Befreiungstheologie. Diese aus der armen südamerikanischen Bevölkerung erwachsene Strömung mit linken Positionen bis hin zu marxistischen Tendenzen wurde in der katholischen Kirche lange mit Argwohn beobachtet. Doch im September leitete Franziskus einen Meinungswandel ein und empfing den geistigen Vater der Befreiungstheologie, den Peruaner Gustavo Gutiérrez. Dieser ist seit langem ein enger Freund Müllers.

Der an Silvester 1947 in Mainz geborene Arbeitersohn hat großes Renommee als Theologe. Unter seinen inzwischen über 400 wissenschaftlichen Veröffentlichungen gilt seine im Jahr 1995 erschienene, äußerst traditionsbewusste "Katholische Dogmatik" als wichtigstes Werk.

Doch Müller scheut sich trotz seiner Bildung nicht vor scharfen Worten. So nannte er vor einem Jahr die in Europa verbreitete Kritik an der Kirche eine "Pogromstimmung" - der NS-Vergleich sorgte für Empörung. In der Debatte um den für seinen protzigen Bischofssitz kritisierten Limburger Franz-Peter Tebartz-van Elst verteidigte Müller diesen offensiv und sprach von einer Medienkampagne.

Unpopulär ist auch seine Haltung zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene. Während Papst Franziskus für diese "Barmherzigkeit" forderte und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, in seinem Freiburger Bistum Wege für eine Zulassung der Betroffenen zur Kommunion eröffnete, lehnt Müller dies als ausgeschlossen ab.

Doch was unter Benedikt schwer vorstellbar war, ereignete sich unter Franziskus: Müller bekam Widerworte, der Münchener Kardinal Reinhard Marx beschied ihm etwa, er könne die Debatte nicht einfach abwürgen. Im kommenden Oktober will der Papst das Problem diskutieren lassen. Das Ergebnis wird zeigen, ob Müller mit seiner Ernennung zum Kardinal auch an Einfluss gewinnt - oder ob Franziskus sich weiter stark am Menschen orientiert.

afp/ KNA

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