Zugsicherungssystem ETCS

Bahn will Technikproblem auf neuer ICE-Strecke schnell lösen

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Am Sonntag mussten nach Angaben Bohles 16 ICE mit Schäden aus dem Verkehr gezogen werden, in den meisten Fällen lag es an Eis und Schnee, nur in vier Fällen war ETCS die Ursache. Foto: Sven Hoppe

Die Bahn hat eingesehen, dass vieles schiefgelaufen ist zum Fahrplanwechsel. Das neue Sorgenkind, die ICE-Trasse Berlin-Müchen, steht im Blickpunkt. Dort läuft es besser, aber noch nicht perfekt.

Berlin (dpa) - Die Deutsche Bahn will bis zum Ende dieser Woche auf ihrer neuen Paradestrecke Berlin-München wieder halbwegs zuverlässig in die Spur kommen.

Bis zum Wochenende werde sich die Situation im Linienverkehr weiter stabilisieren, sagte die Bahn-Fernverkehrschefin Birgit Bohle in einer Telefonkonferenz.

Schon am Montag und Dienstag seien nur noch wenige Züge ausgefallen oder umgeleitet worden. Technische Probleme mit dem Zugsicherungssystem ETCS hatten seit Beginn der Regelverkehrs am Sonntag einige ICE-Züge ausgebremst.

Die Abkürzung ETCS steht für European Train Controm System. Es steuert und sichert Zugfahrten ohne Signale vollautomatisch ab und soll auch den grenzüberschreitenden Verkehr einfacher machen.

Mit der Kostenexplosion beim Prestigeprojekt Stuttgart 21 beschäftigte sich der Aufsichtsrat der Bahn. Konkrete Ergebnisse wurden aber nicht erwartet. Ein Beschluss zum neuen Zeit- und Kostenplan soll im Januar in einer Sondersitzung gefasst werden. Ende November war bekannt geworden, dass die Kosten für den unterirdischen Durchgangsbahnhof und Anschlussstrecken um eine Milliarde auf 7,6 Milliarden Euro steigen werden. Die Station soll zudem erst drei Jahre später, im Jahr 2024, in Betrieb gehen.

Nicht nur zwischen München und Berlin, auch auf den anderen Strecken will die Bahn "die Reisenden im Weihnachtsverkehr zuverlässig an ihr Ziel zu bringen", wie Bohle sagte. Sie sei "zuversichtlich, dass wir das bis dahin weitgehend im Griff haben". Den Start auf der neue Strecke nannte Bohle "missglückt". Sie entschuldigte sich bei den Fahrgästen für Zugausfälle und Verspätungen.

Als Kulanzregel legte die Bahn bis zum Jahresende fest, bei Verspätungen von mehr als einer Stunde auf der Strecke München-Berlin den Kaufpreis komplett zu erstatten. Die Fahrgastrechte sehen in diesem Fall sonst 25 Prozent Erstattung vor. Die Bahn will Betroffenen außerdem einen Reisegutschein im Wert von mindestens 50 Euro zukommen lassen.

Die große Fahrplanumstellung, bei der am Sonntag ein Drittel aller Verbindungen verändert wurden, sei insgesamt "nicht gut gelaufen", sagte Bohle. Das habe auch mit dem starken Schneefall an jenem Tag zu tun gehabt. Dadurch gab es Streckensperrungen, etwa von Köln nach Frankfurt, und Weichenstörungen. Am Frankfurter Hauptbahnhof sei die Weichenheizungsanlage komplett ausgefallen.

Am Sonntag mussten nach Angaben Bohles 16 ICE mit Schäden aus dem Verkehr gezogen werden, in den meisten Fällen lag es an Eis und Schnee, nur in vier Fällen war ETCS die Ursache. Die Bahn bereite sich zwar seit Jahren gut auf die Wintersaison vor. Die vergangenen Tagen hätten aber gezeigt, dass es "weiteren Verbesserungsbedarf" gebe.

Die Probleme mit dem Zugsicherungssystem ETCS auf der Strecke seien "nicht systematischer Natur". Es gehe vielmehr um einzelne Fehler, die allesamt mit der Wegmessung in den ICE-Zügen zu tun hätten. Die Folge war nach Angaben Bohles jeweils, dass der Zug vom System automatisch gebremst wurde. Am Sonntag seien von 92 Zügen sieben ausgefallen und acht mit ETCS-Problemen auf die alte Strecke umgeleitet worden. Gemeinsam mit den Experten des ETCS-Herstellers Alstom würden die Ursachen gesucht, sagte Bohle.

Anlässlich der Aufsichtsratssitzung forderte der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die Mehrkosten beim Bahnprojekt Stuttgart 21 dürften nicht zulasten des bundesweiten Schienennetzes gehen. "Der Investitionsbedarf der Schiene war noch nie so groß wie heute. Die wichtigsten Bahnknoten, wie etwa in Köln oder in Frankfurt, sind überlastet", stellte der VCD-Bahnexperte Philipp Kosok am Mittwoch in Berlin fest. Der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel sagte, die Öffentlichkeit dürfe nicht länger scheibchenweise die Wahrheit erfahren. "Wir brauchen endlich ein strenges Kostenmanagement und eine realistische Risikobewertung beim Tunnelbau."

Pressemitteilung Bahn zu Schnellfahrstrecke vom 13.12.

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