Fakten, Geschichte und Hintergründe

Tagesschau (ARD): Alle Informationen zur Nachrichtensendung

Die Moderatorin Linda Zervakis steht am 16.05.2013 bei einem Fototermin im Fernsehstudio der "Tagesschau" in Hamburg.
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Seit 1952 berichtet die Tagesschau täglich über die aktuellen Ereignisse.

Die Tagesschau informiert die Zuschauer mehrmals am Tag darüber, was in Deutschland und der Welt passiert. Darüber hinaus ist die Nachrichtensendung auf dem Spartenkanal tagesschau24, in den dritten Programmen, auf 3sat und auf ARD-alpha zu sehen.

  • Die Tagesschau lief erstmals am 26. Dezember 1952 im damaligen NWDR-Fernsehen.
  • Acht Sprecher wechseln sich in der Hauptausgabe um 20 Uhr ab.
  • Mit dem Format „Tagesschau in 100 Sekunden“ zeigt die ARD die wichtigsten News in Kurzfassung online.

Hamburg – Bis zu 20 Ausgaben der Tagesschau produziert ARD-aktuell, das Producerteam hinter der Nachrichtensendung, täglich. Vor den Hauptnachrichten um 20 Uhr läuft die Tagesschau sechsmal täglich im Ersten, dazu kommen diverse Sendetermine auf tagesschau24. Am späten Abend bringt ARD-alpha mit der Tagesschau vor 20 Jahren einen Rückblick auf vergangene Ereignisse.

Tagesschau: Die Anfänge der Sendung

Die Tagesschau war in den Anfängen eine Produktion des Nordwestdeutschen Rundfunks NWDR. Aus den Sendern gingen später die dritten Programme NDR (Norddeutscher Rundfunk) und WDR (Westdeutscher Rundfunk) hervor. Bis heute sitzt die Redaktion der Tagesschau in Hamburg.

Die Geschichte der Nachrichtensendung geht zurück ins Jahr 1951: Der NWDR schloss im Herbst des Jahres mit der „Neuen Deutschen Wochenschau“ einen Vertrag: Das nicht gesendete Material der wöchentlichen News-Sendung im Kino sollte zu einer „Aktualitätenschau“ zusammengeschnitten werden. Verantwortlich zeichnete Martin R. Svoboda. Er sollte bis 1960 der einzige Tagesschau-Redakteur bleiben. In den ersten Jahren schnitt Svoboda das Material in einem Keller in der Hamburger Heilwigstraße und tippte die Texte dazu. Mit der U-Bahn transportierte er sie in einen ehemaligen Weltkriegsbunker auf dem Heiligengeistfeld, der ersten Sendezentrale der Tagesschau. Dreimal in der Woche war Svoboda die Stimme aus dem Off der ersten Sendungen im Versuchsprogramm des NWDR.

Tagesschau: Versuchsprogramm und Premiere im NWDR

Im Januar 1952 zeigte der damals noch mit einem Versuchsprogramm agierende NWDR einen Vorläufer unter dem Namen „Fernseh-Filmbericht“. Am 4. November flimmerte diese als Tagesschau mit drei Ausgaben in der Woche über die TV-Geräte: montags, mittwochs und freitags jeweils um 20 Uhr. Rund 1.000 Zuschauer sahen die Sendung. Aktualität war damals noch nicht im Fokus: Der erste Beitrag berichtete über die Koreareise des damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower, die zu diesem Zeitpunkt bereits einige Wochen zurücklag.

Am 25. Dezember startete der NWDR regulär sein Programm – das Versuchsprogramm war damit Geschichte. Die Tagesschau vom 26. Dezember 1952 gilt als erste offizielle Ausgabe. Cay Dietrich Voss übernahm die Rolle des Off-Sprechers von Martin R. Svoboda.

Tagesschau: Frühere Moderatoren

Die ersten Ausstrahlungen bestanden aus Filmberichten der „Neuen Deutschen Wochenschau“, Standbildern und Sprechern aus dem Off. Auf einen Moderator verzichtete man in den ersten Jahren. Erst am 2. März 1959 fügte die Redaktion, die mittlerweile beim NDR heimisch war, den Live-Beitrag eines Nachrichtensprechers hinzu: Karl-Heinz Köpcke, der später als Mr. Tagesschau Bekanntheit erlangte, erhielt fünf Sendeminuten. Er wurde 1964 Chefsprecher und blieb bis 1987 in der Tagesschau-Redaktion.

Im Jahr 1966 vergrößerte sich die Sprecher-Riege: Köpcke wechselte sich fortan mit Werner Veigel ab, der ihn 1987 als Chefsprecher ablöste. Seine letzte Sendung sprach dieser am 6. Dezember 1994. Im Januar 1995 übernahm Dagmar Berghoff seine Funktion als Chefsprecherin. Sie war seit 1976 im Redaktionsteam. Von 1975 bis 2004 saß Jo Brauner vor der Kamera der Hauptausgabe, seit 2000 war er Chefsprecher.

Tagesschau: Das aktuelle Moderationsteam

Sechs Sprecher sind heute für die Hauptausgabe der Tagesschau tätig:

  • Jan Hofer seit 1985 (Chefsprecher seit 2004)
  • Jens Riewa seit 1994
  • Susanne Daubner seit 1999
  • Thorsten Schröder seit 1999
  • Judith Rakers seit 2005
  • Linda Zervakis seit 2010

Constantin Schreiber, im Team seit 2017, und Julia-Niharika Sen, dabei seit 2018, sollen nach Jan Hofers Abschied Ende 2020 in die Primetime wechseln. Als neuer Chefsprecher ist Jens Riewa vorgesehen.

Tagesschau: Das Wetter

Bis 1960 zeichneten Meteorologen Wetterdaten und Wolkenverläufe zum Ende der Tagesschau mit Kohlestiften auf Schiefertafeln. Am 1. März 1960 bezog der Deutsche Wetterdienst neue Räume in Frankfurt; die Zuständigkeit für die Vorhersage ging damit auf den Hessischen Rundfunk (HR) über. Die charakteristische Wetterkarte wurde erstmals am 1. März 1960 gezeigt. Damit etablierte die Tagesschau eine neue Rubrik: „Das Wetter von morgen“. Zugleich rief sie eine eigene Wetter-Redaktion mit Sitz beim HR ins Leben.

Bis in die 80er-Jahre erfolgte die Anfertigung der Karte in Handarbeit: Mit Schablonen für Regen, Schnee, Wolken und Sonne fertigte man Einzelbilder an und fügte diese zur „Wetterschau“ zusammen. Rund drei Stunden nahm das täglich in Anspruch. Viele Jahre wurde die Vorhersage auf dem Off gesprochen: Die bekanntesten Sprecher waren Hans-Joachim Scherbening und Hans-Helmut Sievert.

Zu Anfang arbeitete die Redaktion die gelieferten Daten des Deutschen Wetterdienstes auf. Mittlerweile arbeiten eigenen Metrologen in der Offenbacher Redaktion des HR. Seit 1. Januar 2020 stammen alle Beiträge aus dem ARD-Wetterkompetenzzentrum in Frankfurt. Ende 2020 stehen diese Moderatoren vor der Tagesschau-Wetterkarte:

  • Martin Daume
  • Joachim Pütz
  • Wolfgang Rossi
  • Stefan Schiebelhuth

Tagesschau: Die verschiedenen Ausgaben im Laufe des Tages

Die ersten Tagesschau-Sendungen laufen zwischen 5.30 und 8.30 Uhr, wenn das morgendliche Gemeinschafts-Informationsprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender von der ARD produziert wird. Die Ausgaben sind in diesem Fall Bestandteil des „ARD Morgenmagazins“. Zeichnet das ZDF für das „MoMa“ verantwortlich, wird die erste Tagesschau um 9 Uhr gesendet, die zweite folgt um 12 Uhr und bringt die ersten Börsen-News des Tages.

Zeichnet die ARD für das „Mittagsmagazin“ verantwortlich, das ebenfalls im Wechsel mit dem ZDF produziert wird, folgt um 13 Uhr ein kurzer Nachrichtenüberblick. Andernfalls sendet die ARD die Tagesschau von 14 Uhr bis 17 Uhr stündlich. Um 20 Uhr folgt die Hauptausgabe. Hintergründe und Analysen der in der Tagesschau gezeigten Ereignisse arbeiten die „Tagesthemen“ gegen 22.15 Uhr auf. Das „Nachtmagazin“ ist zwischen 0 und 1 Uhr die letzte ausführliche ARD-News-Sendung des Tages. Im Rahmen des Nachtprogramms bringt der Sender zwei kurze Ausgaben, die dem Format „Tagesschau in 100 Sekunden“ ähneln. Dieses ist seit Juli 2007 mobil und im Internet verfügbar. Die Themen werden zwischen 9 und 21 Uhr stündlich aktualisiert.

Tagesschau: Webangebot und Mediathek

Auf der Website der Tagesschau erfährt man aktuell, was in Deutschland und der Welt passiert. Darüber hinaus lassen sich alle Formate in der Mediathek anschauen. Dazu gehören die Hauptnachrichten, die Beiträge im „Morgenmagazin“, die „Tagesthemen“ und die „Tagesschau in 100 Sekunden“. Via Tagesschau-App kann man sich zudem einen Newsticker in Form von Push-Nachrichten aufs Smartphone senden lassen.

Der im Netz verfügbare Livestream der Tagesschau sowie die Inhalte der Mediathek unterscheiden sich teilweise von den Live-Sendungen. Einige Beiträge, vor allem aus dem Bereich Sport, fehlen, bei anderen wird eine „Warte-Meldung“ eingeblendet. Aus rechtlichen Gründen dürfen manche Inhalte nicht online gesendet werden.

Tagesschau: Rezeption und Kritik

Die Tagesschau ist die meistgesehene Nachrichtensendung in Deutschland. Vor allem die Hauptsendung erreicht hohe Einschaltquoten: Mehr als 8,5 Millionen Zuschauer zählte sie im Durchschnitt im Oktober 2020. Das entspricht einem Marktanteil von rund 20 Prozent.

Insbesondere in den vergangenen Jahren besteht eine zunehmend medienkritische Rezeption seitens Journalisten, Publizisten und Sprachwissenschaftlern. So kamen Sprachforscher im Jahr 1990 zu dem Ergebnis, das ein Grund für die Beliebtheit der Nachrichtensendung die sich wiederholenden sprachlichen Formeln der Tagesschau seien. Sie würden das Gefühl vermitteln, dass die Welt erklärbar sei.

Kritik brachte der Tagesschau im Jahr 2009 das Vorhaben der kostenlosen App ein. Die Axel Springer AG bezeichnete dies als „Wettbewerbsverzerrung“, verschiedene Politiker sowie der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger pflichteten bei. Der wesentliche Punkt für die Ablehnung war, dass die Inhalte der einer Tageszeitung ähneln, jedoch im öffentlich-rechtlichen Rahmen angeboten werden. Das Angebot startete im Dezember 2010 dennoch, stellte allerdings zunächst keine zusätzlichen Inhalte bereit. Der Rechtsstreit um diese hält Ende 2020 noch an.

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