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Pinar Atalay und Linda Zervakis: Darum rennen der ARD so viele gute Journalisten weg

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Von: Stella Rüggeberg

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«Tagesthemen»-Moderator Ingo Zamperoni verabschiedet sich von der Moderatorin Linda Zervakis in ihrer letzten Sendung mit einem Blumenstrauß
Linda Zervakis feiert ihren Abschied bei den „Tagesthemen“ © picture alliance/dpa/ARD | --

Linda Zervakis und Pinar Atalay verlassen die ARD und wechseln zu Privatsendern. Grund dafür sollen die erstaunlich niedrigen Honorare sein.

Berlin - „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ gelten als die zwei Flaggschiffe der deutschen TV-Nachrichten. Wer also hier gelandet ist, hat es geschafft. Doch nach Linda Zervakis (45) verlässt nun auch Pinar Atalay (43) die ARD. Grund dafür könnten die öffentlich-rechtlichen Honorare sein.

Linda Zervakis ist zu ProSieben gewechselt und hat dort bereits die Kanzlerkandidaten Olaf Scholz und Armin Laschet interviewt. Auch für Pinar Atalay soll die Reise nun zum Privatsender RTL führen. Die ARD verliert damit innerhalb kürzester Zeit gleich zwei gute Journalistinnen.

Pinar Atalay (Hoerfunk- und TV-Moderatorin) in der ARD-Talkshow maischberger
Pinar Atalay verlässt ebenfalls die ARD und wechselt zu Privatsender RTL © Eventpress Stauffenberg via www.imago-images.de

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Journalisten verdienen beim ARD erstaunlich wenig

Der Wechsel soll finanzielle Gründe haben. Auch wenn die „Tagesschau“ eine der quotenstärksten Sendungen im deutschen Fernsehen ist (2020 Jahr schalteten über elf Millionen Menschen ein) sollen die Verdienste der Journalisten dort eher bescheiden sein.

Der ehemalige ARD-Chefredakteur Kai Gniffke (60) verriet 2019, welche Honorare der TV-Sender den Sprechern zahlt. Laut Gniffke stehen den freien Mitarbeitenden schlappe 259,89 Euro für die Hauptausgabe zu. Für die Kurzausgabe der „Tagesschau“ liegt der Betrag des Honorars deutlich tiefer bei 142,62 Euro. Natürlich gibt es mehrere Sendungen und Einsätze täglich, dennoch scheinen diese Beträge erstaunlich niedrig für einen Top-Journalisten zu sein.

„Sollte der ARD zu denken geben“

Es mag also genau daran liegen, warum momentan so viele Journalisten von der ARD zu Privatsendern wie RTL und ProSieben wechseln. Diese Privatsender wollen seit einiger Zeit ihr Nachrichtenangebot aufbauen wollen. Jan Hofer (69) soll ab August eine wochentägliche Nachrichtensendung im Hauptabendprogramm von RTL bekommen und Pinar Atalay soll ihn dabei unterstützen.

Doch was bedeutet das für die ARD? Gute Journalisten wie Linda Zervakis und Pinar Atalay lassen sich nicht so leicht ersetzen. Das denkt auch Marc Bator (48) der 2013 ebenfalls von der ARD zu Sat.1 wechselte: „Gleich drei den Zuschauern liebgewonnene Nachrichtengesichter an private TV-Sender zu verlieren, sollte der ARD zu denken geben. Bei allem Respekt, muss sich die ARD auch mal hinterfragen, ob ihre Bezahlung und die Flexibilität in der Ausgestaltung der Dienstverträge noch zeitgemäß sind.“, so der Nachrichtensprecher.

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