Satire mit Ehring, Kuttner & Co.

extra 3 (ARD): Alle Infos zu Sendung

Moderatorin Sarah Kuttner steht im Studio der NDR-Satireshow "Extra 3".
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Seit 1976 nimmt extra 3 politische Entscheidungen und Ereignisse im In- und Ausland aufs Korn.

extra 3 ist eine Produktion des NDR. Die Sendung läuft seit Juli 2019 außerdem zeitweise im Ersten (ARD). Als Moderatoren wechseln sich Christian Ehring, im Team seit 2011, und Sarah Kuttner, hinzugekommen 2020, ab.

  • Einmal in der Woche mittwochs oder donnerstags läuft eine Folge des Satiremagazins extra 3 im NDR oder in der ARD.
  • Das Satiremagazin gehört zu den renommiertesten seines Genres und sorgte bereits für einige Eklats.
  • Bekannte Redakteure und Journalisten standen bereits für extra 3 vor der Kamera.

Hamburg – Das NDR-Regionalprogramm strahlte die erste Folge von extra 3 am 21. September 1976 aus. 38 Jahre lang blieb das Satiremagazin fester Bestandteil des Norddeutschen Rundfunks. Seit 2014 läuft die Sendung auch im Ersten. Einmal in der Woche beschäftigt sich die Redaktion mit dem „Irrsinn der Woche“, beleuchtet politische und gesellschaftliche Streitpunkte und blickt auf die Ereignisse der Woche zurück. Das Gesicht von extra 3 ist seit 2011 der TV-Moderator, Autor, Musiker und Kabarettist Christian Ehring. Im Jahr 2020 kam Sarah Kuttner ins Team. Sie moderiert extra 3 in der NDR-Ausgabe am Mittwoch, wenn sie am Donnerstag auch in der ARD läuft.

extra 3: Die Anfangsjahre

Miterfinder und Moderator der ersten Stunde, Dieter Kronzucker, prophezeite dem Satiremagazin extra 3 keine lange Lebensdauer. Als es im September 1976 erstmalig ausgestrahlt wurde, vermutete er, dass es das Jahr 1977 nicht erleben würde. Kronzucker sollte sich irren. Rund 44 Jahre später flimmert extra 3 noch immer wöchentlich über die Bildschirme.

Das Magazin ist eine Co-Produktion von Kronzucker und dem damaligen NDR-Chefredakteur Peter Merseburger. Sie übernahmen auch die Moderation in den ersten Jahren. Rudolf Lauschke und Gerhard Quack entwickelten das Konzept weiter. Im Laufe der Jahre erhielt die Sendung nicht zuletzt durch wechselnde Moderatoren und Außenreporter ihr Profil.

Die Themen fanden nicht überall Anklang. Kritische Berichte erregten in Politik und Gesellschaft vor allem in den 70er-Jahren Aufsehen, so etwa polizeikritische über das Kernkraftwerk im Schleswig-Holsteinischen Brokdorf. Sie verärgerten nicht zuletzt die damaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (Niedersachsen) und Gerhard Stoltenberg (Schleswig-Holstein).

extra 3: Ausrichtung und Veränderungen

extra 3 zeigte in den ersten Jahren eine bunte Mischung aus kritischen und unterhaltsamen Themen. Kronzuckers Absicht war es, die Absurditäten des politischen Alltags darzustellen. Daraus entwickelte sich das heutige Satiremagazin, das mit wechselnden aktuellen Themen und festen Rubriken das politische Geschehen kommentiert. Deutschland bildet einen Schwerpunkt, die Redaktion greift allerdings auch internationale Ereignisse und Handlungen von Personen auf.

extra 3 in der ARD

Über viele Jahre war extra 3 eine feste Institution des NDR. Mit der Verbreitung des Senders über die Grenzen der nördlichen Bundesländer hinaus dank Kabel-, Satellit und digitalem Antennenfernsehen erreichte sie nach und nach eine höhere Verbreitung. Seit 2014 läuft die politische Satire zusätzlich im Ersten.

Damit gingen einige Änderungen in der Magazinstruktur und den Sendezeiten einher:

  • Die Sendung wurde von 30 auf 45 Minuten verlängert.
  • Es gibt ein neues Studio-Set.
  • Zusätzlich zu den Rubriken treten wechselnde Studio-Acts auf.

In der ARD Mediathek lassen sich zudem ältere Folgen sowie einzelne Beiträge online abrufen.

extra 3: Moderatoren im Laufe der Jahre

Nach Dieter Kronzucker und Peter Merseburger zählte extra 3 bis Ende 2020 zwölf weitere Moderatoren. Zwei wechseln sich 2020 im Studio ab:

  • Christian Ehring moderiert die Sendung sowohl im NDR als auch in der ARD.
  • Sarah Kuttner übernimmt die NDR-Ausgabe, wenn Ehring am darauf folgenden Donnerstag die Show im Ersten übernimmt.

Von 1976 bis 2020 standen diese Moderatoren im Studio von extra 3:

  • 1976 bis 1981: Wolf von Lojewski
  • 1977 bis 1989: Lea Rosh
  • 1989 bis 1997: Hans-Jürgen Börner
  • 1997 bis 2000: Michael Gantenberg
  • 2000 bis 2004: Jörg Thadeusz
  • 2004 bis 2007: Thomas Pommer
  • 2007 bis 2011: Tobias Schlegl
  • seit 2011: Christian Ehring
  • seit 2020: Sarah Kuttner

Die Sondersendung „Realer Irrsinn“

Sarah Kuttner ist seit Februar 2020 auch für die Sondersendung „extra 3 mit Kuttner“ tätig, den Vorgänger der Spezialausgabe „extra 3 Spezial: Der reale Irrsinn XXL“.

Vor Sarah Kuttner wurde die Sondersendung „Realer Irrsinn“ moderiert von

  • 2015: Janin Ullmann
  • 2016 bis 2017: Barbara Ruscher
  • 2018 bis 2019: Maxi Schafroth

Im Juni 2020 wurde bekannt, dass der Sender NDR die Sondersendung 2021 nicht fortsetzen wird.

extra 3: Regelmäßige Rubriken

Der „reale Irrsinn“ ist eine von vielen festen Rubriken der Sendung. Teils bestehen diese aus Einspielern, in denen Außenreporter Politiker zu aktuellen Geschehnissen befragen, teils aus Auftritten von Satirikern. Die Formate wechseln sich ab.

Die wichtigsten Rubriken aus extra 3 im Überblick:

  • Oliver Kalkofe – Der Laudator
  • Heinz Strunk – Experte für alles
  • Max Giermann – Der Imitator
  • Johannes Schlüter – ein Mann, 1.000 Gesichter
  • Reporterin Katja Kreml
  • Dickies Flashcorner
  • Torsten Sträter – Pressesprecher für alles
  • Kirstin Warnke – Die Verwandlungskünstlerin
  • extra 3 Extra – Die Sondermeldungen bei extra 3
  • Schlegl in Aktion
  • Der kleine Mann
  • Maxi Schafroth – Ein Bayer in Hamburg
  • Reporter Rollo – Stimme der Straße
  • Die extra 3 Familie
  • NNN – Neueste Nationale Nachrichten
  • Caro Korneli – extra 3 Sonderreporterin
  • Jasmin Wenkemann – extra 3 Außenreporterin
  • Neulich im Bundestag – das große Archiv
  • Walulis sieht fern – die Videos
  • Abgehakt – die Woche aus der Sicht der Nachrichten
  • Der reale Irrsinn
  • extra 3 Songs
  • Parteienforscherin Prof. Dr. Ute Rehbein
  • Die Sendung mit dem Klaus
  • Sarah Bosetti

extra 3: Aufreger und Eklats

So manches Mal sorgte extra 3 mit Beiträgen für Aufregung. Wellen schlug vor allem die Sendung vom 17. März 2016, in der die Redaktion das satirische Lied „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ mit der Melodie von „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ von Nena ausstrahlte. Es thematisierte die Politik des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Das türkische Außenministerium in Ankara bestellte daraufhin den deutschen Botschafter ein, der sich vor den Sender NDR stellte. extra 3 nahm Erdoğan in der Folge weitere Male in die Sendung auf: Kurz nach der Erstausstrahlung des Songs veröffentlichte die Redaktion eine Version mit türkischen Untertiteln und zeichnete den Präsidenten als „Mitarbeiter des Monats“ aus.

Eine Reaktion auf die Ereignisse hatte weitreichende Folgen: Der Satiriker Jan Böhmermann nahm sie zum Anlass für seine umstrittene „Schmähkritik“, die ebenfalls den türkischen Präsidenten thematisierte und in der „Böhmermann-Affäre“ mündete. Im Zuge dieser stellte die türkische Regierung Strafantrag gegen Böhmermann.

extra 3 legte im März 2017 mit „Neuer Song für Erdogan (den Schnuckel-Schnauzbart-Chef-Osman)“ nach. Diesmal diente „99 Luftballons“ von Nena als Vorlage.

extra 3: Unterlassungsantrag vor dem Landgericht Hamburg

Im April 2017 stellte die damalige Spitzenkandidatin der AfD, Alice Weidel, nach einer Äußerung von Christian Ehring im Rahmen der Sendung einen Unterlassungsantrag beim Hamburger Landgericht. Er scheiterte mit dem Argument, es handele sich eindeutig um Satire, überspitzte Kritik wie im Fall des Beitrags von extra 3 sei hinzunehmen.

extra 3: Auszeichnungen und Preise

Die Sendung extra 3 und einzelne Rubriken gewannen bereits mehrfach unter anderem den Grimme- sowie den Deutschen Fernsehpreis oder waren für folgende Auszeichnungen nominiert:

  • 2009: Grimme-Preis für die Rubrik „Johannes Schlüter – ein Mann, 1.000 Gesichter“
  • 2011: Nominierung zum Grimme-Preis für die Rubrik „Schlegl in Aktion“
  • 2012: Nominierung zum Grimme-Preis für die Rubrik „Neueste Nationale Nachrichten“
  • 2016: Deutscher Comedypreis in der Kategorie „Beste Satireshow“
  • 2017: Nominierung zum Grimme-Preis
  • 2017: Nominierung zum Deutschen Fernsehpreis
  • 2018: Deutscher Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Comedy“
  • 2018: Nominierung zum Deutschen Comedypreis
  • 2019: Nominierung zum Grimme-Preis

extra 3: Einschaltquoten und Reichweite

Die Einschaltquote wuchs seit Bestehen der Sendung kontinuierlich. Im Jahr 1997 schalteten im Durchschnitt 180.000 Zuschauer im NDR-Sendegebiet ein; das entsprach einen Marktanteil von 5,7 Prozent. Als am 9. Oktober 2014 die erste Folge von extra 3 in der ARD ausgestrahlt wurde, erreichte sie 1,43 Millionen Zuschauer und damit einen Marktanteil von 8,4 Prozent.

Im Jahr 2018 zählte die Sendung im NDR im Durchschnitt 244.000 Zuschauer, im Ersten rund 1,8 Millionen. Unter den Zuschauern ab drei Jahren ist das ein Marktanteil von 10,4 Prozent.

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