Reportage über Hartz-IV-Empfänger

Armes Deutschland (RTLZWEI): Das passiert in der Sendung

Die 24-jährige Jacky aus Bremerhaven bezieht Hartz IV.
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In der Doku-Soap Armes Deutschland bei RTLZWEI geht es um benachteiligte Menschen in Deutschland.

Die Doku-Soap Armes Deutschland bei RTLZWEI – worum es in der TV-Sendung geht und wie die Einschaltquoten sind.

  • Die Doku-Soap Armes Deutschland bei RTLZWEI beschäftigt sich größtenteils mit Menschen, die Sozialleistungen beziehen.
  • Die Sendung thematisiert Probleme wie Leben an der Armutsgrenze, Obdachlosigkeit und Knast.
  • Mittlerweile gibt es drei verschiedene Formate: „Stempeln oder Abrackern“, „Deine Kinder“ und „Dürfen die das?“

Köln – Am 09. Juli 2016 wurde die erste Folge der Doku-Soap Armes Deutschland ausgestrahlt. Die Kamera begleitete dabei das Ehepaar Dennis und Isabella:

Die beiden leben mehr schlecht als recht in Köln – sie beziehen Hartz IV. Trotz finanzieller Einschränkungen kommt die Arbeitssuche für sie nicht infrage. Isabella konnte mit ihren 26 Jahren noch keine Erfahrungen auf dem Jobmarkt sammeln. Dennis lehnt grundsätzlich jeden Job ab, der weniger als 3.000 Euro netto im Monat einbringen würde – eine etwas überzogene Forderung, denn er ist ungelernt und besitzt keinen Führerschein.

Im starken Kontrast dazu stehen die beiden anderen Kandidaten der Sozialreportage: Ibrahim und Sevil aus Wuppertal bestreiten ihren Lebensunterhalt zwar auch von Sozialleistungen. Sie möchten jedoch von Hartz IV weg und absolvieren beide eine Ausbildung, die es ihnen in Zukunft leichter machen soll.

Diese und viele weitere Geschichten der Sendung spiegeln das Leben von Arbeitslosen und Familien wider, die an der Armutsgrenze leben. Ihre Wünsche und Ziele sowie ihr Engagement könnten aber manchmal unterschiedlicher nicht sein.

Doku-Soap bei RTLZWEI: Armes Deutschland – Stempeln oder Abrackern

Der Sender RTLZWEI strahlt das Format Armes Deutschland – Stempeln oder Abrackern seit nunmehr vier Jahren aus. Die Doku-Soap ist auf mittlerweile über 40 Folgen an unterschiedlichen Drehorten angewachsen. Bei der Sozialreportage steht stets die Frage im Raum: Lohnt sich Arbeit in Deutschland? Während einige der gezeigten Familien sich mit Nebenjobs durchschlagen und trotzdem aufstocken müssen, legen andere lieber die Füße hoch. Über die Beantwortung der Frage besteht Uneinigkeit, obwohl alle gleichermaßen unter ihrer prekären Lebenssituation zu leiden haben. Wie sie mit Armut individuell umgehen und was sie vom Staat erwarten – dazu gibt es viele verschiedene Ansichten. Von dieser Vielseitigkeit der Geschichten lebt die TV-Sendung und zeigt, wie unterschiedlich die Kandidaten ihre täglichen Herausforderungen angehen.

Doku-Soap bei RTLZWEI: Armes Deutschland – Deine Kinder

Die Doku-SoapArmes Deutschland – Deine Kinder“ auf RTLZWEI beleuchtet den Alltag von Kindern sozial schwacher Familien in Deutschland. Nach Angaben der Produzenten handelt es sich hierzulande um rund 2,8 Millionen Minderjährige, die an der Armutsgrenze leben. Die Sendung erzählt aus ihrem Leben und zeigt ihre Entbehrungen und Hoffnungen für die Zukunft. Um Kinder und Jugendliche durch die Ausstrahlung im Fernsehen nicht zu gefährden, stellt das Produktionsunternehmen ihnen einen Psychotherapeuten zur Seite.

Dennoch wirkt ihr Schicksal auf viele Zuschauer häufig verstörend – einige von ihnen hausen in verwahrlosten Wohnungen, müssen bei der Tafel für ihr Essen lange in der Schlange stehen und waren noch nie im Urlaub. Bei zahlreichen Kandidaten der TV-Reportage fehlt schon das Nötigste wie ein warmes Zuhause im Winter. Chancengleichheit und eine normale Entwicklung sind für die Schwachen der Gesellschaft dadurch nicht mehr gegeben.

Doku-Soap bei RTLZWEI: Armes Deutschland – Dürfen die das?

Ein weiterer Ableger der Doku-Soap bei RTLZWEI ist das Format „Armes Deutschland – Dürfen die das?“ Diese Sendung rollt einige der gezeigten Fälle neu auf und befragt Experten zu ihrer Meinung. Dabei geht es beispielsweise um Fragen, ob Entscheidungen des Jobcenters rechtens waren und ob ein Hartz-IV-Empfänger einen Untermieter aufnehmen darf. Die TV-Show dient sowohl den Protagonisten als auch Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Sozialhilfeempfänger klagen häufig die Ämter an und werfen ihnen fehlende Unterstützung vor. Die TV-Sendung soll klären, was dran ist an diesen Vorwürfen und welche Rechte arbeitslose Menschen tatsächlich haben. Zu den Experten gehören ein Armutsforscher, eine ehemalige Jobcenter-Mitarbeiterin sowie eine Diplom-Psychologin und eine ehemalige Hartz-IV-Empfängerin. Ihre Meinung über die Kandidaten der Show ist jedoch nicht immer positiv: Häufig machen sie mit deutlichen Worten klar, dass Hartz IV keine Ausrede sein sollte. Zwar ist die Not nicht immer selbst verschuldet, häufig fehlt es jedoch am eigenen Antrieb und an Einsicht.

Doku-Soap Armes Deutschland bei RTLZWEI – Familien zwischen Arbeitssuche und Hartz IV

Bei der Doku-Soap Armes Deutschland gibt es regelmäßig Unerwartetes zu sehen. Die bekanntesten Familien schockten die Zuschauer bereits mit diesen Szenen:

  • Der dreifache Familienvater Alex und seine Partnerin Maria erhalten Hartz IV und Kindergeld vom Staat. Wegen hoher Schulden bekommt Alex Probleme mit der Staatsanwaltschaft und ihm droht der Knast. Statt sich auf Arbeitssuche zu begeben, sucht er die Schuld bei anderen.
  • Mutter Jacky aus Bremerhaven fühlt sich als Alleinerziehende überfordert und gibt ihre Kinder ab. Die junge Frau ist noch nie einer geregelten Arbeit nachgegangen und Party ist ihr liebstes Hobby. Dabei steht ihr der Nachwuchs wahrscheinlich auch im Wege. Bevor sie sich zum Feiern nach Berlin aufmacht, bringt sie die beiden Kleinen in einer Pflegefamilie unter – so berichtet sie es den Kameras.
  • Tattoo-Liebhaber Günther aus Salzgitter-Lebenstedt trinkt viel Alkohol und bedroht das Jobcenter auch gerne mal vor laufender Kamera. In der Doku-Soap gibt er außerdem zu, die Einrichtung schon seit Langem zu betrügen. Er erschwindelt sich Lebensmittelgutscheine – dazu erzählt er den Sachbearbeitern beispielsweise, dass er sein Portemonnaie verloren habe. Für die dreiste Masche schämt er sich keinesfalls.

Doku-Soap Armes Deutschland bei RTLZWEI – Wer ist obdachlos?

Zwei der wohl bekanntesten Gesichter der Doku-Soap Armes Deutschland bei RTLZWEI sind Willi und Carola. Die Zuschauer beobachten über mehrere Folgen, wie das Paar obdachlos im Zelt am Kölner Stadtrand lebt – obwohl Willi einem Beruf als Gabelstaplerfahrer nachgeht. Sein Gehalt geben die beiden an der Tankstelle für Alkohol und kurzen Spaß am Glückspielautomaten aus. Erst nach Jahren gelingt es ihnen, eine Wohnung zu finden. Doch es gibt Streit: Carola findet es nicht gut, dass Willi tagsüber arbeitet und daher keine Zeit für sie hat. Sie betrügt ihren Partner daraufhin mit einem Nachbarn, der wie sie arbeitslos ist. Wegen Mietschulden droht ihnen schon nach kurzer Zeit der Rausschmiss – Willi hat es versäumt, für die neue Bleibe die Miete zu überweisen. Eigentlich sieht er es auch nicht ein, da es angebliche Mängel in der Wohnung geben soll.

Doku-Soap Armes Deutschland – Einschaltquoten

Die Doku-Soap Armes Deutschland – Stempeln oder Abrackern erreichte Anfang Oktober 2020 0,90 Millionen Zuschauer – dies entspricht einem Marktanteil von 2,9 Prozent. Für die Einschaltquote bei RTLZWEI sind vor allem jüngere Menschen verantwortlich. Sie schauen gerne zu, wenn es in der Reportage um Geschichten von armen Familien am Existenzminimum geht. Ähnlich wie bei der TV-Sendung „Hartz und herzlich“ hat das Format nicht nur Anhänger.

Viele Beobachter kritisieren, dass die Problematik von Armut klischeehaft und einseitig dargestellt werde. Außerdem seien die gezeigten Szenen nicht echt – vielmehr gebe die Produktionsfirma den Protagonisten vieles vor. Eine der gezeigten Familien warf RTLZWEI öffentlich in den Medien vor, ihre Lebenssituation verzerrt präsentiert zu haben. Wie bei dieser und weiteren Scripted-Reality-Serien scheinen die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion mitunter zu verschwimmen. Ob es der Sender vorrangig auf eine hohe Einschaltquote abgesehen hat oder tatsächlich aufklären möchte, bleibt daher in der Diskussion.

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