Kontroverser Moderator und Comedian

Jan Böhmermann: Leben und Karriere des Satirikers

Jan Böhmermann bei der Preisverleihung der „Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2019“.
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Jan Böhmermann ist ein beliebter Parodist und Satiriker.

Seine Karriere begann Jan Böhmermann als Parodist von Lukas Podolski. Mittlerweile ist er vor allem wegen des Schmähgedichts gegen Recep Erdogan bekannt.

  • Jan Böhmermann wurde als Moderator vom „Neo Magazin Royale“ bei ZDF neo bekannt.
  • Das Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Erdogan sorgte 2016 für weltweite Schlagzeilen.
  • Für seine Arbeit im TV erhielt Böhmermann zahlreiche Auszeichnungen.

Bremen - Jan Böhmermann ist der breiten Öffentlichkeit vor allem als Moderator der Sendung „Neo Magazin Royale“ auf ZDF neo bekannt geworden. Er kam am 23. Februar 1981 in Bremen zur Welt. Aufgewachsen ist er im Stadtteil Vegesack, was er zuweilen in seinen Sendungen thematisiert. Im Jahr 1997 begann Böhmermann, Artikel für die Regionalzeitung „Die Norddeutsche“ zu schreiben. Dabei handelte es sich vor allem um Kritiken zu Konzerten, die im Kulturbahnhof Vegesack stattfanden.

Im Jahr 1998, als Böhmermann 17 Jahre alt war, starb sein Vater, der als Polizist arbeitete, an Leukämie. Als Teil einer fünfköpfigen Video-AG gewann Böhmermann 1998 mit einem Videobeitrag den Wettbewerb „Drugs Suck – Filmregie statt Ecstasy“. Anschließend bewarb sich Böhmermann bei Radio Bremen und erstellte in der dortigen Online-Redaktion fortan eigene Beiträge. Zudem bewarb er sich bei Schauspielschulen in Berlin, München, Hamburg und Hannover. Lediglich aus Hannover erhielt er eine Zusage, lehnte den Studienplatz jedoch ab. Stattdessen absolvierte er von Oktober 2002 bis März 2004 ein Volontariat bei Radio Bremen.

Jan Böhmermann: seine Anfänge

Nach seinem Volontariat in Bremen ging Jan Böhmermann zu 1LIVE nach Köln. Für den Radiosender entwickelte er die Audio-Kolumne „Lukas’ Tagebuch“. Dafür imitierte er den damaligen deutschen Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski und stellte ihn als eher simplen Charakter dar. Podolski klagte erfolglos gegen die Ausstrahlung von „Lukas’ Tagebuch“ und verweigerte der ARD während der Weltmeisterschaft 2006 Interviews. Böhmermann nahm mehr als 900 Folgen der Kolumne auf, die ab 2008 als „Pod-Olski – Der EM-Podcast von Lukas“ die iTunes-Charts eroberte. Zudem präsentierte er sie unter dem Titel „Lukas’ Auswärtsspiel“ bzw. „Lukas’ Rückspiel“ in den Jahren 2008 und 2009 auf drei Live-Tourneen.

Im Jahr 2007 war Böhmermann erstmals in einer eigenen Sendung im TV zu sehen, als der WDR sechs Folgen von „echt Böhmermann“ ausstrahlte. Damit legte der Moderator den Grundstein für seine spätere Show „Neo Magazin Royale“ bei ZDF neo. Im Januar 2009 strahlte RTL zwei Episoden von „TV-Helden“ aus, zu dessen Ensemble neben Böhmermann auch Caroline Korneli und Pierre M. Krause gehörten. Obwohl die Sendung rasch wegen schlechter Quoten abgesetzt wurde, gewann sie 2009 den Deutschen Fernsehpreis als beste Comedy.

Jan Böhmermann: Eigene Sendung bei ZDF neo

Ab 2009 war Jan Böhmermann Teil des Teams der ARD-Show von Harald Schmidt, dem unter anderem auch Caroline Korneli und Pierre M. Krause, aber auch Max Giermann und Klaas Heufer-Umlauf angehörten. Als die Sendung ab September 2011 bei Sat.1 zu sehen war, gehörte auch Böhmermann weiterhin zum Ensemble. Erst mit dem Wechsel 2012 zum Pay-TV-Sender Sky verabschiedete sich Böhmermann von der Show.

Stattdessen moderierte er ab März 2012 mit Charlotte Roche die Talkshow „Roche & Böhmermann“ auf ZDFkultur. Es gab 17 Ausgaben der Sendung, die Ende 2012 trotz guter Kritiken nicht mehr fortgesetzt wurde. Der Grund dafür waren Differenzen zwischen Böhmermann und Roche. Im Oktober 2013 startete bei ZDF neo die von Jan Böhmermann präsentierte Late-Night-Show „Neo Magazin“. Im Februar 2015 wurde sie in „Neo Magazin Royale“ umbenannt. Seitdem zeigte auch das ZDF Wiederholungen der Sendung, die am Donnerstagabend lief, einen Tag später in seinem Hauptprogramm.

Jan Böhmermann und der Varoufake

Mit dem „Neo Magazin Royale“ sorgte Jan Böhmermann für einige Kontroversen. So wurde im März 2015 ein Beitrag in der Sendung gezeigt, in der dem der damalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis abfällige Worte gegen Deutschland mit dem Zeigen des Mittelfingers unterstützte. In dem Beitrag behauptete Böhmermann, dass sein Team die Aufnahme manipuliert und Varoufakis gar nicht den Stinkefinger gezeigt hätte. Daraufhin gab auch Varoufakis in der Talkshow von Günter Jauch an, dass es sich um eine Fälschung handeln würde. Es stellte sich jedoch heraus, dass Varoufakis auf dem Subversive Festival, das im Mai 2013 in Zagreb stattfand, tatsächlich den Stinkefinger gegen Deutschland erhoben hatte – allerdings bei der Verwendung einer abschwächenden Formulierung im Konjunktiv. Unter der Bezeichnung Varoufake sorgte die Aktion für ein derart lautes Medienecho, dass sich ZDF neo dazu genötigt sah, Böhmermanns Sendung klar als Satire zu bezeichnen.

Jan Böhmermann versus Recep Erdogan

Noch viel höhere Wellen schlug die so genannte Böhmermann-Affäre, die am 31. März 2016 ihren Anfang nahm. An diesem Tag verlas Jan Böhmermann im „Neo Magazin Royale“ bei ZDF neo ein Gedicht mit dem Titel „Schmähkritik“. Darin beschimpfte er den türkischen Präsidenten Recep Erdogan aufs Übelste. Unter anderem wurde Erdogan als gewalttätig gegenüber Kindern und als zoophil dargestellt. Angekündigt wurde das Schmähgedicht als praktisches Beispiel dafür, wo straffreie Satire endet. Kurz nach Ausstrahlung der Sendung entfernte sie das ZDF aus der Mediathek, da sie nach Angaben des Senders nicht mit den eigenen Ansprüchen an Satire vereinbar sei. In der Wiederholung, die tags darauf im ZDF lief, fehlte das Gedicht, auch in der anschließend in der Mediathek verfügbaren Fassung war es nicht enthalten. Trotzdem beherrschte das Schmähgedicht in den nachfolgenden Wochen Politik, Medien und Öffentlichkeit.

Erdogan verklagte Böhmermann wegen Beleidigung, diesbezügliche Ermittlungen stellte die Staatsanwaltschaft Mainz im Oktober 2016 ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete das Gedicht in einer ersten Reaktion als „bewusst verletzend“. Obwohl Merkel die Formulierung später als Fehler bezeichnete, verklagte Böhmermann sie deshalb im September 2017, weil sie mit ihrer Bewertung seiner Meinung nach einem richterlichen Urteil vorgriff. Im April 2019 wurde die Klage abgewiesen.

Jan Böhmermann: der Podcast mit Olli Schulz

Anfang 2011 gingen Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf mit dem Improvisationsprogramm „Zwei alte Hasen erzählen von früher“ auf Deutschland-Tour. Ab November 2011 moderierten Böhmermann und Heufer-Umlauf eine Sendung auf Radio Eins, die ebenfalls „Zwei alte Hasen erzählen von früher“ hieß. Als Heufer-Umlauf im September 2012 seine Mitarbeit an der Sendung beendete, wurde er durch den Musiker Olli Schulz ersetzt. Die Show bekam erst den Namen „Joko und Klaas mit Olli und Jan“ und wurde dann in „Sanft & Sorgfältig“ umbenannt. Die Folgen wurden auch als Podcast angeboten und waren regelmäßig an der Spitze der iTunes-Charts präsent. Im April 2016 wurde die Radiosendung beendet.

Laut Jan Böhmermann hatte dies jedoch nichts mit der Kontroverse um das Schmähgedicht zu tun, das er wenige Wochen zuvor in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ bei ZDF neo vorgetragen hatte. Im Mai 2016 startete exklusiv beim Streaming-Dienst Spotify der Podcast „Fest & Flauschig“ mit Böhmermann und Schulz. Laut Angaben von Spotify war dieser im Jahr 2018 der am häufigsten gestreamte Podcast der Plattform weltweit.

Jan Böhmermann: Vielfach ausgezeichnet

In seiner Karriere wurde Jan Böhmermann mehrfach ausgezeichnet. Allein für das „Neo Magazin Royale“ bei ZDF neo erhielt er zahlreiche Preise. Zu diesen Auszeichnungen gehören unter anderem die folgenden:

  • Grimme-Preis 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019
  • Grimme-Ehrenpreis 2016
  • Deutscher Fernsehpreis 2016 und 2017
  • Deutscher Comedypreis 2019

Zudem gewann Böhmermann 2014 und 2016 den Preis als Journalist des Jahres und wurde 2018 mit einem Rose d’Or als Entertainer des Jahres ausgezeichnet. Im Jahr 2016 kürte die Zeitschrift „GQ“ Böhmermann zum wichtigsten Meinungsmacher Deutschlands. Sein Privatleben hält der Moderator weitgehend geheim. Bekannt ist lediglich, dass er verheiratet ist und mehrere Kinder hat.

Von Alexander Kords 

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