Follower, Fakes & Verfahren

Cathy Hummels: Leben und Karriere der Spielerfrau und Influenzerin

Cathy Hummels springt für „Love Island“-Moderatorin Jana Ina ein, die positiv auf Covid-19 getestet wurde.
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Die deutsche Moderatorin Cathy Hummels ist auch auf Social-Media erfolgreich.

Spielerfrau wirbt auf Instagram. OLG München urteilt gegen Abmahnverein: unbezahlte Posts müssen wie bei Printmedien nicht als Werbung gekennzeichnet sein.

  • Cathy Hummels: Die RTL2-Moderatorin („Love Island“) ist auch als Influencerin in sozialen Medien präsent.
  • Die Spielerfrau gewann in zweiter Instanz ein Gerichtsverfahren wegen unlauterer Werbung, das der Berliner Abmahnverein „Verband Sozialer Wettbewerb“ angestrengt hatte.
  • Social-Media-Experten werfen Hummels vor, einen großen Teil ihrer Follower bei Instagram gekauft zu haben. Beweisen lässt sich das jedoch nicht.

Wer ist Cathy Hummels?

Catherine Fischer-Hummels, geb. Fischer, die sich „Cathy“ nennt, ist seit dem 15. Juni 2015 verheiratet mit dem Fußballprofi Mats Hummels. Der prominente Spieler errang mit der Nationalmannschaft im Jahre 2014 den Weltmeistertitel und spielt seit der Saison 2019 / 2020 wieder für Borussia Dortmund. Die gebürtige Dachauerin studierte Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Dortmund, lebt aber inzwischen mit dem gemeinsamen Sohn Ludwig wieder im Raum München und bezeichnet sich selbst als „Moderatorin / Reporterin / Kolumnistin“, wobei sich thematisch in ihrem Leben alles um „Mode, Beauty und gesunden Lifestyle“ dreht.

Bei RTL2 moderiert sie „Aftersun: Der Talk“ im Anschluss an die Flirt-Show „Love Island“ sowie „Kampf der Realitystars“. Ihren Followern zeigt sie auf Instagram und Facebook, welche Marken sie bevorzugt. Cathy Hummels stand bereits mehrfach wegen ihrer werblichen Aktivitäten in der Kritik. Die Vorwürfe reichen von der Integration ihres minderjährigen Sohns in Promotions, über den Kauf von Followern bis hin zu unerlaubter Schleichwerbung. Das ehemalige Model gerät außerdem immer wieder in die Schlagzeilen, weil viele Fans die Spielerfrau für deutlich zu schlank halten.

Der Vorwurf an Cathy Hummels „Werbung mit Sohn“ ist rechtlich nicht zu beanstanden, aber doch bedenklich

Bei ihren Aktivitäten auf Instagram integriert die Spielerfrau wie bei einem Posting für das französische Kindermode-Label Petit Bateau auch hin und wieder ihren Sohn Ludwig. Grundsätzlich gilt die Empfehlung mit dem Posten von Fotos und Videos von Kindern und Jugendlichen zurückhaltend zu agieren. Da der Account von Cathy Hummels stark gewerblich ausgerichtet, hat dies hier noch einmal einen anderen Stellenwert.

Die Darstellung von Kindern und Jugendlichen ist nicht grundsätzlich verwerflich und mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten auch zulässig. Schließlich muss es auch einem Hersteller von Windeln, Baby-Nahrung oder Spielzeug erlaubt sein, mit einem authentischen Model zu werben. Der Leitfaden zum Werbekodex des Deutschen Werberates gibt Hinweise wie Werbung mit Kindern und Jugendlichen aussehen kann. So sind beispielsweise sexualisierte Darstellungen verboten. Die Hinweise sind durchaus als hilfreich anzusehen, wobei sie vorrangig auf den Schutz der Zielgruppe weniger auf den der minderjährigen Darsteller abzielen.

Cathy Hummels und ihr Nachwuchs: Spielerfrau und Spielersohn mit Promi-Status

Gerade aber mit Blick auf die Posts von Cathy Hummels sind die Empfehlungen des Werberats nicht erschöpfend. Aufgrund des Prominenten-Status von Mutter und Sohn ist derartige Werbung zumindest bedenklich. Normalerweise sind Babys, die etwa für Windelwerbung gezeigt werden, nicht namentlich identifizierbar. Im Fall Hummels ist das anders. Das Internet vergisst nichts. Unklar ist, wie der Promi-Nachwuchs, der über seinen Namen identifizierbar ist, in ein paar Jahrzehnten zu Babystramplern aus der französischen Kollektion steht. Das Posting auf Laien-Niveau, in dessen Folge die Follower über die körperliche (und auch geistige) Entwicklung des Kindes diskutieren, stößt bei vielen auf Missfallen. Die Kommentare der Social-Community – hier zum oben genannten Petit-Bateau-Post bei Facebook – fallen entsprechend unterschiedlich aus:

  • Bissig: Das Kind könne sich leider nicht gegen die Vermarktung durch seine publicitygeile Mutter wehren.
  • Wohlwollend: „So ein süßer kleiner Fratz.“
  • Verteidigend, mit dem Verweis, dass das Gesicht des Jungen nicht erkennbar sei: „sie zeigt den Kleinen von hinten“
  • Mit ironischer, per Emoji vermittelter negativer Konnotation: „Eben eine intelligente Spielerfrau!“

Fake Follower von Cathy Hummels auf Instagram – das Phänomen ist unter prominenten Usern weit verbreitet

Marketing auf sozialen Plattformen wie Facebook und Instagram gilt als aktuelles Zugpferd der Werbebranche. Schwierig ist für viele Werbetreibende- und Agenturen das Gewinnen von Followern, gerade am Anfang, wenn der Account frisch ist und noch keine Interaktionen zu finden sind. Offenbar ist das für manche Akteure ein Grund, nachzuhelfen. Laut einer Analyse des amerikanischen IT-Unternehmens Cheq sollen 1,3 Milliarden US-Dollar, das wären etwa 15 Prozent des Branchenumsatzes, betrügerisch erwirtschaftet sein. Nur zum Vergleich: In Deutschland wird der Jahresumsatz im Influencer-Marketing für das Jahr 2020 auf 1 Milliarde geschätzt.

Im Raum steht jetzt der Vorwurf gegen Cathy Hummels, dass die Spielerfrau einen großen Teil ihrer über 550.000 Follower bei Instagram gekauft habe. Diesen Verdacht hegt der Social-Media-Experte Heinz Eggert auf Grund ungewöhnlich starker Schwankungen der Likes. Die Vorwürfe lassen sich nicht beweisen, aber Hummels und ihr Rechtsanwalt haben entsprechende Käufe mit Verweis auf den hohen Stellenwert der Glaubwürdigkeit der Mandantin ausgeschlossen.

Die Glaubwürdigkeit von Cathy Hummels als Influencerin wird offen angezweifelt

Aufsehen erregte Cathy Hummels auch mit einem Post auf Instagram für ein zuckerhaltiges Joghurtgetränk mit 3,9 Gramm Zucker pro 100 ml zur Stärkung des Immunsystems. Kritikpunkt war hier, dass sie als Autorin des Buchs „Das Zuckerfrei-Kochbuch für Kinder“ sich angeblich selbst sowie ihren Sohn gänzlich zuckerfrei ernährt und Speisen und Getränke lediglich mit Dattelsüße und Ahornsirup versüßt. Kernaussage ihres Buches – inspiriert durch Asthma- und Neurodermitisbeschwerden des Sohnes – ist „Industriezucker macht krank“. Ein Shitstorm auf den Joghurt-Post der Spielerfrau folgte bald. Sie antwortete darauf, dass brauner Rohrzucker in Maßen für sie grundsätzlich in Ordnung sei.

Die Verbraucherzentrale betrachtet dagegen das bessere Renommee gegenüber raffiniertem Rohr- und Rübenzucker als unberechtigt und sieht keine Vorteile. Ganz nebenbei stellt sich die Frage, ob der Verweis auf gesundheitliche Probleme des Sohnes von Cathy und Mats Hummels in werblichen Posts mit dem Kindeswohl vereinbar ist.

Cathy Hummels Gerichtsverfahren zu Schleichwerbung: Bundesgerichtshof muss entscheiden

2:0 für Cathy Hummels steht es im Verfahren, das die Influencerin nach einer einstweiligen Verfügung des Berliner Abmahnvereins „Verband Sozialer Wettbewerb“ (VSW) angestrengt hat. Gegenstand des Streits vor dem OLG München war, dass die Spielerfrau über ihre Social-Media-Accounts Produkte empfohlen hat ohne diese Beiträge als Werbung zu kennzeichnen. Der VSW stützte seine Argumentation auf die im Presserecht geltende Trennung zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten. Er hat in dieser Thematik allein beim Landgericht Berlin bereits über 140 Verfahren in die Wege geleitet.

Da es Verträge mit mehreren Modefirmen gebe, seien die Postings in dem Account bei Instagram generell als werblich einzustufen. Nach Ansicht des Gerichts ist dies aber nicht zu beanstanden, da für die konkreten Postings im Gegenzug kein Entgelt geflossen ist. Es bestätigte damit eine Entscheidung des Münchener Landgerichts in erster Instanz, die auf einer Analogie zu Printmedien beruhte. Ansonsten wäre eine Flut irreführende Kennzeichnungen zu erwarten. Eine letztgültige Entscheidung wäre vom Bundesgerichtshof zu treffen. Cathy Hummels hat bereits angekündigt, notfalls für den Gang nach Karlsruhe bereit zu sein.

Cathy Hummels: Nicht zuletzt eine gewiefte Geschäftsfrau

Als Spielerfrau eines Klassefußballers, RTL2-Moderatorin und studierte Wirtschaftswissenschaftlerin ist Cathy Hummels mit der Funktionsweise sozialer Netzwerke und der Medienwelt bestens vertraut. Sie testet dabei bewusst die Grenzen des Möglichen aus, was in der Werbung durchaus Gang und Gäbe ist. Man denke an nur die provokativen Benetton-Anzeigen mit erschreckenden Fotos, die Aidskranke, die blutverschmierte Uniform eines getöteten Soldaten oder einen elektrischen Stuhl zeigten. Über das Ausreizen solcher Schmerz- und Geschmacksgrenzen lässt sich trefflich streiten.

Die Unterschiede im Umgang mit sozialen Medien wie Instagram sind riesengroß: Es gibt Totalverweigerer, aber auch 24h-Junkies und bei den Werbetreibenden eine gewisse Bandbreite von Ansichten, was schicklich, legal und legitim ist. Im Fall des Gerichtsverfahrens wegen unlauterer Werbung dürfte die Influencerin hingegen die Mehrzahl der Blogger auf ihrer Seite wissen. Es ist nicht einzusehen, dass Online-Werbung anders als jene in Printmedien zu behandeln sein sollte. Eine höchstrichterliche Entscheidung seitens des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe wird hier endgültig Klarheit schaffen.

Autor: Thomas Canali

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