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DJ Bobo hadert nach der Weltpremiere seiner neuen Tour, die Fans aber sind begeistert

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Von: Sina Alonso Garcia, David Frey

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DJ Bobo im Europa-Park
Bei seiner Premiere der „Evolut30n“-Tour begeisterte DJ Bobo 5.000 Fans in der Europa-Park-Arena. Drei Abende und einen Nachmittag in Folge ist die Show restlos ausverkauft. © IMAGO/Sandy Dinkelacker

Die Schweizer Musiklegende DJ Bobo feiert im Europa-Park die fulminante Weltpremiere seines 30-jährigen Tourjubiläums. Doch während die Fans im Anschluss der Show begeistert nach Hause fahren, hadert der Künstler.

Rust - Das letzte Konfetti zum Mega-Hit „Freedom“ ist gefallen, die Menge in der Europa-Park Arena jubelt noch einmal auf und feiert die Künstler auf der Bühne - dann ist die Weltpremiere der „Evolut30“-Tour von DJ Bobo Geschichte. Seit 30 Jahren steht René Peter Baumann, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen heißt, schon für Showspektakel und wusste auch am Freitagabend in Rust zu überzeugen, wie den Gesichtern der Fans unschwer zu entnehmen war. Doch die Miene des Hauptprotagonisten selbst sprach bei der anschließenden Pressekonferenz eine andere Sprache.

DJ Bobo macht bei Weltpremiere der „Evolut30n“-Tour im Europa-Park die Dreiteilung der Bühne zu schaffen

Dort blickte ein sichtlich abgeschaffter DJ Bobo mit leichten Sorgenfalten auf der Stirn in die Runde der Anwesenden und man sah ihm sofort an, dass es in ihm schwer arbeitete. Ein positives Fazit wollte er sich kaum entlocken lassen. Im Gegenteil: „Genießen ist noch das falsche Wort“, machte der 55-Jährige zu Beginn klar. Der als Perfektionist bekannte Musiker teilte direkt daraufhin das, was ihn am meisten beschäftigte. „Mit der Dramaturgie bin ich nicht glücklich, da gibt es noch zu viele Wellen, zu viel rauf und runter. Und wir haben noch ein bisschen zu kämpfen mit den drei Bühnen. Als ich die Idee dafür hatte, sah das auf dem Papier einfacher aus, als es in Wirklichkeit ist“, berichtete der Schweizer.

Zusätzlich zur Hauptbühne setzt DJ Bobo bei dieser Tour noch zwei kleinere Bühnen ein - eine in der Mitte, die andere am Ende der Halle positioniert. Inspiration für diese Aufteilung zog er aus einem Besuch in den USA, wo das Zirkusunternehmen Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus (Grundlage für den Film „Greatest Showman“) mit drei Manegen arbeitete. „Für 30 Jahre Tour wollte ich die Möglichkeit haben, nah an den Leuten zu sein - egal, welchen Platz diese in der Halle haben. Jeder soll mindestens einmal die Chance bekommen, nah dran zu sein.“

Trotz anfänglicher Abstimmungsschwierigkeiten, die auch durch die Bauweise der Europa-Park Arena bedingt sind, schien das Konzept bei vielen Besuchern Anklang zu finden. Auf den beiden zusätzlichen Bühnen wurde allerlei geboten: Tanzeinlagen, die teilweise auf Rollschuhen durchgeführt wurden, eine feurige Performance des Top-Hits „Pray“ oder eine gigantische Discokugel als Element. Letztere wird in DJ Bobos Team auch noch ein prominentes Nachbesprechungsthema. „Ich habe von Weitem gesehen, dass die Discokugel fast runtergefallen ist. Und ich dachte mir noch: Was machen die (Tänzer um die Kugel, Anm. d. Red.) da? Die machen eine komische Choreografie, die haben wir so nicht geübt“, verriet der Künstler mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen.

DJ Bobo genießt das Spielen mit seinen Fans und wird im Lauf der Show immer lockerer

Doch bei aller Selbstkritik des Eurodance-Künstlers: Es lief bei Weitem nicht alles schief und viele anfängliche Unstimmigkeiten dürften den meisten Zuschauern gar nicht aufgefallen sein. Diese ließen sich vielmehr von der ersten Minute an von der Show mitreißen, sangen lautstark mit und waren in Tanzlaune. Wenngleich die Hauptzielgruppe zwischen 35 und 44 Jahren das Gros ausmachte, waren auch einige deutlich jüngere Besucher im Publikum zu finden und erfreuten sich an den Entertainment-Künsten des sympathischen Schweizers.

DJ Bobo
Ein Meer aus Lichtern: DJ Bobo genießt das Bad in der Menge. © Philipp von Ditfurth/dpa

Der Künstler animierte von der mittleren Bühne aus etwa mit einer La Ola aus Handylichtern jeden in der Arena zum Mitmachen und hatte sichtlich Spaß daran, mit seinen Fans zu interagieren. Außerdem sorgte DJ Bobo für einige Lacher, als er etwa zur Halbzeit ein Video abspielen ließ, in dem er unter anderem von der Bullyparade, Otto Waalkes oder Barbara Schöneberger aufs Korn genommen wurde - ein etwas anderer, aber definitiv gelungener Rückblick auf die vergangen 30 Jahre. Generell war ihm anzumerken, dass, je länger die Show lief, der Pop-Star zunehmend lockerer wurde, was er auch bestätigte: „Ja, das stimmt. Am Anfang war ich noch sehr konzentriert, habe überlegt: Wo muss ich als Nächstes hin? Welches Lied kommt jetzt? Das wurde dann aber immer besser.“

Imposantes Bühnenbild: Mal Löwenkopf, mal Affe, mal Medusa - „wie von einem anderen Stern“

Neben der musikalischen Darbietung brachte auch das Bühnenbild Zuschauer zum Staunen. Im Zentrum des Geschehens: Das majestätische Haupt eins Löwen. Die Installation reichte bis knapp unter die 14 Meter hohe Hallendecke und wurde während der Show mit unterschiedlichen Animationen angestrahlt. „Das Videomapping ist wie von einem anderen Stern“, sagte DJ Bobo. „Wir nutzen diese Mapping-Technologie jetzt seit vielleicht acht Jahren. Und ich bin sehr froh, dass wir daran festgehalten haben. Jetzt wissen wir auch, was zu tun ist, damit man entsprechende Effekte erzielt.“

Durch die Dreidimensionalität der Videotechnik entsteht im Bühnenbild eine Lebendigkeit, die den Zuschauer in andere Welten eintauchen lässt. „Wenn man diesen Löwen in einen Affenkopf, in eine Discokugel und eine Medusa verwandeln kann, ist da so viel Abwechslung möglich - das ist für mich unendlich genial“, sagte der Künstler. „Auf Tour werden wir das Ganze auf größeren Bühnen auch noch imposanter darstellen können.“

Bühnenbild bei DJ Bobo
Im Zentrum des imposanten Bühnenbilds: Ein imposanter Löwenkopf, der sich nach Belieben verwandeln kann. © Baschi Bender

Bevor die Show sich dem Ende zuneigte, bekamen die Zuschauer neben Kult-Hits wie „Freedom“ und „There‘s a party“ auch ein paar Songs aus dem neuen Album zu hören. Noch ist der Künstler unschlüssig, ob er die Reihenfolge so beibehalten wird. „Man muss aufpassen, dass man drei Lieder vor Schluss den Leuten noch einen brandneuen Song gibt, das ist gefährlich“, sagte er im Anschluss an die Show. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der auf der Tour nochmal so weit hinten kommt, denn der hat es schwer gegen die ganzen großen Hits. Da bin ich dann schon während der Show am Überlegen, was man ändern könnte.“

DJ Bobo: Songs aus den 90ern erfahren ein Revival - „wirken wieder frischer als noch vor ein paar Jahren“

Noch immer haben seine Lieder aus den 90ern eine große Bedeutung für den Künstler. Inzwischen habe er das Gefühl, dass die Songs sogar eine Art Revival erfahren. „Lustigerweise wirken die auf mich frischer, als noch vor ein paar Jahren“, so der Schweizer. „Ich hatte mal vor 15 Jahren das Gefühl, die hätten Staub angesetzt. Seit vier, fünf Jahren fühlt es sich aber eher so an, als wäre der Zeitgeist nicht mehr so weit weg, wie es schon einmal der Fall war. Ich spüre auch, dass eine neue Generation anfängt, diese Musik zu mögen. Wir transportieren die Musik mit Stolz. Ich glaube auch, dass das Selbstbewusstsein der Eurodance-Welle größer ist als es noch vor ein paar Jahren war - und das spüren wir dann auch.“ Wenn er heute einen Song aus dieser Zeit spiele, habe das ein „ganz anderes Selbstbewusstsein“ als noch vor ein paar Jahren.

DJ Bobo „EVOLUT30N“-Tour

Die Premiere feiert die „EVOLUT30N“-Tour vom 13. bis 15. Januar 2023 in der Europa-Park Arena in Deutschlands größtem Freizeitpark - wie immer seit 2008. Der Europa-Park hat die Veranstaltungshalle damals extra für die Premieren-Konzerte von DJ Bobo bauen lassen. Am 5. und 6. Mai gastiert der Künstler mit seiner Tour in der Stuttgarter Porsche-Arena, von dort aus geht es bis Mitte Juni weiter durch Städte in ganz Deutschland.

Die ersten Stunden nach Premieren seien für den Perfektionisten DJ Bobo die „härtesten überhaupt“, bestätigte er im Pressegespräch noch einmal nachdrücklich. Genau hier beginne für ihn der Feinschliff. „Jetzt ist alles noch frisch - und alle Beteiligten wissen noch genau, was Sache ist. Wenn du zu lange wartest, fehlen dir die Informationen.“ Während die Fans nach rund 2,5 Stunden glückselig den Saal verließen, sich begeistert über das Erlebte unterhielten und sich auf den Heimweg machten, dürfte DJ Bobo mit seinem Team noch bis spät in die Nacht an den Notizblöcken gesessen und weiter am Konzept gefeilt haben - bis das Gesamtergebnis so stimmig wird, dass auch der internationale Star mit nun mehr als 30 Jahren Bühnenerfahrung seine Show in vollen Zügen genießen kann.

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