„Zwischen Lachen und Weinen“

Hildebrand fehlt eine halbe Sekunde zum Sieg

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Franziska Hildebrand landete überraschend auf dem Podium.

Biathletin Franziska Hildebrand fehelen nur 0,5 Sekunden für ihren dritten Weltcupsieg. Am Ende steht wieder die Olympiasiegerin ganz oben.

Kontiolahti - Franziska Hildebrand biss auf die Zähne und versuchte, die Strapazen der letzten Wochen auszublenden - doch am Ende fehlte trotzdem eine mickrige halbe Sekunde. Im ersten Rennen nach den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang lief die 30-Jährige aus Clausthal-Zellerfeld im Sprint von Kontiolahti nur denkbar knapp an ihrem dritten Weltcupsieg vorbei. Die viermalige Olympiasiegerin Darja Domratschewa aus Weißrussland war nach 7,5 km auf dem anspruchsvollen Kurs in Finnland 0,5 Sekunden schneller.

"Ich weiß nicht genau, ob ich lachen oder weinen soll. Die 0,5 tut schon ein bisschen weh", sagte Hildebrand im ZDF, hatte aber ein breites Lächeln im Gesicht: "Ich habe alles gegeben, es hat leider ganz knapp nicht gereicht. Aber ich freue mich."

Hildebrand stiehlt Dahlmeier die Show

Damit stahl sie auch Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier bei der Rückkehr in den Weltcup-Alltag die Show. Die siebenmalige Weltmeisterin quälte sich trotz gesundheitlicher Probleme in den vergangenen Tagen und blieb im Ziel völlig entkräftet im Schnee liegen. Am Ende stand für die Partenkirchnerin Rang fünf zu Buche, auf die drittplatzierte Italienerin Lisa Vittozzi fehlten 13,9 Sekunden.

"Es war doch sehr kräftezehrend, die Olympischen Spiele sind auch nicht komplett spurlos an mir vorbeigegangen", sagte Dahlmeier, die zuletzt mit "leichten Halsschmerzen" zu kämpfen hatte: "Ich bin auf der letzten Runde gestorben, ich habe mich voll verausgabt und habe das im Ziel deutlich gemerkt."

Zweimal fehlerfrei

Hildebrand hatte zuvor eine bärenstarke Leistung gezeigt und war am Schießstand zweimal fehlerfrei geblieben. Als die zehnte von zehn Scheiben fiel, ging die Staffel-Weltmeisterin mit 16,4 Sekunden Vorsprung auf Vittozzi auf die letzte Runde, doch dort machten sich die Anstrengungen der letzten Wochen bemerkbar. Der Vorsprung schmolz zügig, 700 Meter vor dem Ziel waren nur noch 8,2 Sekunden auf Domratschewa übrig. Und auch die waren am Ende zu wenig.

Für Dahlmeier begann das Rennen hingegen denkbar schlecht. Gleich der erste Schuss beim Liegendanschlag ging knapp rechts am Ziel vorbei, mit 29 Sekunden Rückstand auf Domratschewa ging es auf die zweite Runde. Mit einem fehlerfreien Stehendschießen bewies die Sportlerin des Jahres aber einmal mehr ihre mentale Stärke und hielt die Hoffnungen auf das Podest am Leben. Trotz der leichten gesundheitlichen Einschränkungen quälte sich Dahlmeier zur sechstbesten Laufzeit.

Mixed-Staffel am Sonntag

Am Samstag bietet sich den Biathleten in der Mixed-Staffel (16.45 Uhr) die Chance, die Pleite von Pyeongchang vergessen zu machen. Bei den Olympischen Winterspielen war Dahlmeier und Co. trotz Favoritenrolle als Vierte nur Blech geblieben. Zuvor steht die nicht-olympische Single-Mixed-Staffel auf dem Programm (13.40 Uhr) - Dahlmeier wird in beiden Rennen aber wohl nicht dabei sein.

"Ich würde mich freuen, wenn ich mich morgen ausruhen kann", sagte die 24-Jährige nach dem Sprint. Die volle Konzentration dürfte bei ihr auf den Sonntag gerichtet sein, wenn die beiden Massenstarts (ab 13.30 Uhr/alle ZDF und Eurosport) den Weltcup in Finnland beschließen.

sid

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