Zwanziger-Nachfolge: Niersbach, Rauball oder Mister X?

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Theo Zwanziger will im Oktober 2012 als DFB-Präsident zurücktreten.

Frankfurt/Main - Am Freitagabend kündigte DFB-Präsident Theo Zwanziger überraschend seinen Rücktritt an. Die Suche nach einem Nachfolger versetzt das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Aufruhr.

Der allmächtige DFB-Boss Theo Zwanziger hat mit seiner eigenwilligen Abgangs-Erklärung einen Schock im eigenen Verband, Verwunderung bei Joachim Löw und ein munteres Präsidenten-Raten ausgelöst. Als erster der möglichen Thronfolger wagte sich am Sonntag DFB-Vizepräsident Rainer Koch aus der Deckung - und bestritt eigene Ambitionen. “Die Frage stellt sich nicht“, sagte der von Zwanziger unlängst versetzte Jurist der Nachrichtenagentur dpa und plädierte für Liga-Präsident Reinhard Rauball sowie DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach: “Beide sind sehr gut geeignete Kandidaten aus dem Fußball. Ich könnte mir gut vorstellen, mit ihnen zusammenzuarbeiten.“

Die beiden offensichtlichen Favoriten Niersbach und Rauball äußerten sich zunächst nicht. Zwanziger will Mitte Dezember im Verbands-Vorstand seinen eigenen Vorschlag unterbreiten. Laut “Sport Bild online“ soll es sich um Erwin Staudt, den ehemalige Präsidenten des VfB Stuttgart, handeln. Der studierte Diplom-Volkswirt, der als Vertreter des Ligaverbandes im DFB-Vorstand sitzt, wollte nicht zur Aufklärung beitragen: “Da müssen Sie Herrn Zwanziger fragen. Ich habe das auch in der Zeitung gesehen“, sagte Staudt der dpa am Sonntag.

Die Entscheidung von Zwanziger, im Herbst 2012 sein Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) niederlegen zu wollen, hatte Koch ebenso “überrascht“ wie andere Funktionäre und DFB-Mitarbeiter. Nicht wenige befürchten nun bis zum Rückzug Zwanzigers, der zuletzt öffentlich vermehrt gescholtenen wurde, in zehn Monaten eine “Lame Duck“ auf dem DFB-Thron.

Auch Bundestrainer Löw war bei der EM-Auslosung nicht eingeweiht. “Wir hatten von der Nachricht auch erst in Kiew gehört und waren natürlich alle überrascht“, verriet Löw im ZDF. Negative Auswirkungen auf die EM-Titelmission befürchtet er nicht. “Das wird uns jetzt in unserer Vorbereitung und Konzentration nicht stören. Wir konzentrieren uns auf unsere Aufgaben“, unterstrich Löw.

“Auf der einen Seite ist so eine Entscheidung zu respektieren. Dass der Zeitpunkt und die Ankündigung eines externen Kandidaten für Unruhe gesorgt haben, ist der Nachteil bei dem Weg, den Theo Zwanziger gewählt hat“, sagte der Berliner Verbandspräsident Bernd Schultz. “Der Schock war schon groß, alle waren völlig überrascht“, verriet Rainer Milkoreit, DFB-Vize und Chef des Nordostdeutschen Verbandes. Nebenschauplätze wie die Affäre um Manfred Amerell, der Suizidversuch von Schiedsrichter Babak Rafati oder die Debatte um Gewalt im Fußball “haben ihn ein bisschen zermürbt“, vermutet er.

Selbst Niersbach war erst wenige Stunden zuvor von Zwanzigers Rücktrittsabsicht informiert worden. Auf der Weihnachtsfeier des Vorstandes brachte der DFB-Boss dann eine unbekannte “Persönlichkeit“ als möglichen Nachfolger ins Gespräch, die nicht aus dem Fußball kommt. Doch auch er nannte Niersbach: “Wir haben Persönlichkeiten im Präsidium, die das machen können.“

Schiedsrichter-Affäre, FIFA-Skandale, mediale Alleingänge und Kommunikationsfehler hatten Zwanziger zuletzt Negativschlagzeilen beschert. Vom “Problem-Präsidenten“ schrieb die “FAZ“ nach einer bewegten, bisher siebenjähriger Amtszeit. “Das ist so sein Stil, diese Entscheidung fast allein zu treffen“, sagte Franz Beckenbauer und sprach bei “Sky Sport News“ von einer “Verzweiflungstat“ des 66 Jahre alten Juristen aus Altendiez. Offenbar habe der DFB-Boss die öffentlichen Attacken “persönlich genommen“, so der “Kaiser“.

In seinem Heimatblatt “Rhein-Zeitung“ verteidigte Zwanziger in einem dreiviertelseitigen Beitrag seine Entscheidung als “weder impulsiv noch aktionistisch. Im Gegenteil, sie ist wohldurchdacht.“ Der Entschluss sei im Sommer vergangenen Jahres gefallen. “Doch jetzt weiß ich, dass es Zeit ist, mich zurückzuziehen. Dafür benötige ich keine festgeschriebene Altersgrenze oder gut gemeinte Ratschläge.“

Im deutschen Fußball hat er jedenfalls ein mittleres Erdbeben ausgelöst. Zwanziger selber sagte: “Ich bin seit einigen Monaten diesbezüglich mit einer Persönlichkeit im Gespräch, die ich für sehr geeignet halte. Einen Namen möchte ich aber noch nicht nennen.“ Einen fußballexternen Mister X - ein absolutes Novum in der 111-jährigen Verbandsgeschichte - kann sich Vize Koch nicht vorstellen: “Es ist ganz wichtig, dass der künftige Präsident aus dem Fußball kommt und die Strukturen kennt.“

Topfavorit beim Kandidaten-Casting ist der frühere Journalist Niersbach. Fraglich ist jedoch, ob Niersbach Interesse hat, seinen gut bezahlten Posten für das Präsidentenamt aufzugeben. “Dass es der hauptamtliche Generalsekretär wird, glaube ich nicht“, sagte Ex-DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder. “Ich bin der Meinung, dass jemand, der es macht, nicht aus dem Hauptamt kommen sollte, sondern aus dem Ehrenamt, wie es Tradition ist.“

dpa

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