Witali Klitschko rät von EM-Boykott ab

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Witali Klitschko übt oft harsche Kritik an der ukrainischen Regierung.

Kiew - Box-Weltmeister Witali Klitschko hat verbal zum schweren Schlag gegen die ukrainische Regierung ausgeholt. Von einem Boykott der Fußball-EM in seinem Heimatland rät der Champion aber ab.

„Ich möchte alle Fans bitten, zur EM in die Ukraine zu reisen und ihr Team zu unterstützen - trotz der traurigen Lage von Julia Timoschenko“, schrieb der WBC-Champion in einem Gastkommentar für die Bild-Zeitung. Die frühere ukrainische Regierungschefin Timoschenko war im Oktober wegen Amtsmissbrauchs in ihrer Zeit als Ministerpräsidentin zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Mittlerweile ist sie gesundheitlich angeschlagen.

„Im Fall von Frau Timoschenko kämpfen wir für ihre Freilassung, sprechen mit vielen internationalen Meinungsführern aus Wirtschaft, Politik und Medien, um so von außen Druck auf die Regierung zu machen. Sie ist verantwortlich für die Inhaftierung, Verurteilung und die grausame Behandlung - nicht nur von Frau Timoschenko“, schrieb Klitschko.

Der 40 Jahre alte Schwergewichts-Weltmeister, selbst Mitglied der Oppositionspartei Ukrainische Demokratische Allianz (Udar), warnte vor den Auswirkungen eines Boykotts. Die Menschen in der Ukraine hätten es „nicht verdient“, international isoliert zu werden. Schuld an der Entwicklung hätten allein die regierenden Politiker um Präsident Janukowitsch. „Gebt diesen Leuten speziell auch während der EM keine mediale Plattform“, forderte Klitschko.

Klitschko, der sich nach Ende seiner Boxkarriere politisch stärker in seiner Heimat engagieren will, bedauerte die Entwicklung dort. „Viele Werte unserer orangenen Revolution sind leider verloren gegangen. So kann von Gewaltenteilung, von unabhängiger Justiz und Gesetzgebung und einer zuverlässigen Polizei keine Rede mehr sein“, bemängelte der ältere der beiden Klitschko-Brüder und bekannte: „Ich will für eine bessere Ukraine kämpfen - dafür brauchen wir die Aufmerksamkeit der Welt.“

Klitschko ist in seiner Heimat politisch schon seit vielen Jahren engagiert. Anfang 2010 hatte er die Udar gegründet. Zuvor war er 2002 und 2006 jeweils bei der Wahl zum Bürgermeister der Hauptstadt Kiew gescheitert.

SID

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