Was wird aus dem netten Herrn Kölliker?

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Stockholm - Die Eishockey-WM ist verpatzt, viel Kredit verspielt und die Trainerdiskussion im Gange. Verbandspräsident Harnos kündigt Gespräche über Bundestrainer Kölliker an.

Der nette Herr Kölliker stand auch nach der verpassten direkten Olympia-Qualifikation scheinbar entspannt im Stockholmer Globen. Er versuchte freundlich wie immer, die längst eingesetzte Trainerdiskussion wegzulächeln. Die lockere Miene des charmanten Schweizers passte nicht zum katastrophalen WM-Ende des deutschen Eishockey-Teams mit 20 Gegentoren aus zwei Spielen. “Das ist natürlich vernichtend. Wir haben unsere Ziele nicht erreicht“, gab Bundestrainer Jakob Kölliker unumwunden nach dem erneuten Desaster am Dienstag gegen Tschechien zu und lächelte dabei.

Die Ziele, das waren das Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft in Finnland und Schweden und die direkte Olympiaqualifikation für Sotschi 2014. Beides verpasste das bei der WM ersatzgeschwächte deutsche Team. Nicht einfach so. Sondern mit 4:12 gegen Norwegen und nur zwei Tage später mit 1:8 gegen Tschechien.

20 Gegentore in zwei Spielen hatte Deutschland bei einer WM zuletzt vor 39 Jahren kassiert. “Das war eines der bittersten Erlebnisse der letzten Jahre“, sagte Co-Kapitän Alex Barta zum emotionslosen Auftreten Deutschlands.

“Wir haben die WM verbockt“, kommentierte Kölliker ehrlich vor dem Heimflug am Mittwoch. Kritik am Team kam dem Berner indes nicht über die Lippen. “Sauer kann ich höchstens auf mich sein. Aber nicht auf die Mannschaft“, sprach Kölliker, während Verbandschef Uwe Harnos aufmerksam den Erklärungen seines Trainers lauschte.

Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) war nach dem verheerenden 4:12 gegen Norwegen nach Stockholm gereist. Angesichts der noch möglichen direkten Qualifikation für Sotschi 2014 hatte Harnos dem Trainer vor dem Tschechien-Spiel den Rücken gestärkt. Nach dem erneuten Debakel war davon erst mal nichts mehr zu hören. “Ich hätte mir gewünscht, dass das hier anders gelaufen wäre. Ich glaube, dass das bei allen tief sitzt. Das ist mit Sicherheit nicht zufriedenstellend“, kommentierte Harnos das deutsche Abschneiden.

Vielleicht war er froh, die angestrebte Einigung über eine langfristige Zusammenarbeit mit Kölliker nicht wie geplant vor der WM schon verkündet zu haben. Intern soll die Entscheidung, den 58-Jährigen als Sportdirektor zum neuen starken Mann im deutschen Eishockey zu machen, schon gefallen sein.

Harnos kündigte nun aber an, noch einmal Gespräche mit der Liga und im Verband führen zu wollen. “20 Gegentore in zwei Spielen ist mehr als heftig. Wir müssen jetzt auch erstmal Rücksprache halten“, sagte er. Schnellschüsse seien aber ausgeschlossen. “Man ist aber gut beraten, da mal ein paar Tage drüber nachzudenken. Das muss man erst mal sacken lassen.“

Kölliker selbst will unbedingt bleiben. “Selbstverständlich. Warum nicht?“, sagte er dazu, als wenn nichts gewesen wäre. Obwohl sein Vertrag als Trainer ohnehin nur bis zum Ende der WM gültig ist, sprach er schon von seiner weiteren Arbeit: “Es geht jetzt weiter. Die nächste WM steht wieder vor der Tür.“

Harnos deutete auch an, dass Kölliker nach den Blamagen nicht automatisch verbrannt sein muss. “Es war ja nicht so, dass wir die letzten Jahre immer das Viertelfinale erreicht hätten. Olympia 2010 in Vancouver war auch nicht das Gelbe vom Ei“, erinnerte Harnos an die Zeit unter Köllikers Vorgänger Uwe Krupp. Auch für Vancouver 2010 hatte Deutschland einen Umweg über ein Qualifikationsturnier gehen müssen, das nun im Februar 2013 auch wieder auf den DEB zukommt.

Krupp durfte 2009 zudem gar nach dem eigentlichen sportlichen Abstieg bleiben. Nur wegen der Heim-WM 2010 blieb Deutschland erstklassig und erreichte das Halbfinale. “Man muss auch so ehrlich sein, dass man 2010 und 2011 in der Breite und Tiefe eine andere Mannschaft hatte“, fügte Harnos hinzu.

In der Tat stieß der in diesem Jahr zur Verfügung stehende Kader an seine Grenzen. Auch wegen der bedingungslosen Verteidigung des Kaders machte Torhüter Dennis Endras den Schweizer zum netten Herrn Kölliker: “Er ist nicht nur ein guter Trainer, sondern auch ein netter Mensch. Solche Leute muss man halten.“ Er war nicht der einzige, der sich für Kölliker aussprach.

dpa

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