Wimbledon: Schüttler in der zweiten Runde

+
Rainer Schüttler erreichte die zweite Runde im Wimbledon - seine Kollegen enttäuschten.

London - Der erste Tag bei den All England Championships endete für die Deutschen mit einem mittleren Desaster. Die Hoffnungsträger enttäuschten, ein Routinier überzeugte dagegen.

Auf dem Rasen von Halle war Philipp Kohlschreiber unbesiegbar, auf dem Rasen von Wimbledon überstand er nicht mal die erste Runde. Acht Tage nach dem Turniersieg in Ostwestfalen zeigte der allerdings an der Leiste verletzte Augsburger wie so oft in diesem Jahr sein zweites Gesicht, unter wolkenverhangenem Himmel über dem All England Club an der Church Road war er nach gewonnenem ersten Satz fast chancenlos gegen den aufstrebenden Usbeken Denis Istomin. Kohlschreiber unterlag mit 6: 4, 3:6, 3:6, 3:6 - er verlor damit bei der siebten Teilnahme in London SW 19 zum vierten Mal sein Auftaktmatch.

Auch Tommy Haas scheiterte in der ersten Runde, von den 19 deutschen Teilnahmern kam zunächst nur Rainer Schüttler weiter, und dann setzte am späten Nachmittag wie angekündigt der Regen über Wimbledon ein. Das erste Match von Andrea Petkovic (Darmstadt) gegen Stephanie Foretz Gacon (Frankreich) wurde im Laufe des frühen Abends deshalb vom Spielplan genommen.

„Die Rasensaison ist vorbei. Sie hat gut begonnen und war schnell beendet“, sagte Kohlschreiber nach seinem raschen Abschied lapidar. Er verwies freilich darauf, dass er sich schon vor dem Endspiel in Halle einen Riss in der linken Leiste zugezogen hatte, „ich konnte auch nicht aus dem Kopf rauskriegen, dass mir das wehtut, ich habe immer noch unter der Verletzung gelitten“, sagte der 27-Jährige. Kohlschreiber will nun eine weitere Kernspintomgraphie vornehmen lassen, „es ist ja bald auch Daviscup. „ Genau genommen in zweieinhalb Wochen.

Auch Haas ist raus

Während Titelverteidiger Rafael Nadal nach anfänglichen Schwierigkeiten gegen Michael Russell (USA) in die zweite Runde einzog, war auch für Haas sein erstes Spiel bei den 125. All England Championships zugleich sein letztes. Der 33 Jahre alte Wahl-Amerikaner unterlag Gilles Muller aus Luxemburg mit 6:7 (5:7), 6:7 (3:7), 6:3, 3:6. Wimbledon war das dritte Turnier, bei dem Haas seit seinem Comeback Ende April im Einzel an den Start ging, doch wie bei den French Open und in Halle scheiterte er in seinem Auftaktmatch. 2009 war er in Wimbledon ins Halbfinale gekommen.

Haas war nach dem Match „tief enttäuscht“. Ein „Drecksgefühl“ sei es, es werde ein paar Tage dauern, um die Niederlage zu verarbeiten“, sagte er. „Es ging nur um zwei, drei, vier Punkte, die wichtig waren“, erklärte Haas, „aber ich habe keinen gewinnen können.“ So hatte er etwa im zweiten Satz beim Stand von 5:4 zwei Satzbälle nicht verwerten können. Haas argumentierte erneut mit fehlender Spielpraxis, er habe „ein paar Fehlentscheidungen“ getroffen. Jetzt müsse er sich erst mal überlegen, was als nächstes komme, die Motivation sei noch da, behauptete er, der Frust dennoch groß.

Schüttler kommt weiter

Als erster und zunächst einziger der 19 deutschen Spielerinnen und Spieler zog am ersten Tag des mit 16,6 Millionen Euro dotierten Turniers Oldtimer Schüttler in die zweite Runde ein. Der 35 Jahre alte Korbacher gewann gegen den immerhin an Nummer 30 gesetzten Brasilianer Thomaz Bellucci überzeugend mit 7:6 (7:3), 6:4, 6:2. Schüttler trifft nun auf Feliciano Lopez: Der Spanier setzte sich mit 6:4, 7:5, 6:3 gegen Michael Berrer aus Stuttgart durch. Chancenlos war auch Matthias Bachinger (München) beim 4:6, 6:7 (3: 7), 3:6 gegen den an Nummer neun gesetzten Franzosen Gael Monfils.

Während Kohlschreiber und Haas erwartungsgemäß mit hängenden Köpfen vom Platz trotteten, ballte Schüttler nach 2:11 Stunden auf Court Nummer 16 mit einem zufriedenen Lächeln die rechte Faust und lächelte. Wimbledon ist schon sein 14. Turnier in diesem Jahr - der Sieg am Montag an der Church Road aber war erst sein fünfter in 2011. An Wimbledon hat der Korbacher allerdings gute Erinnerungen - 2008 war er bis ins Halbfinale gekommen, ehe er an Rafael Nadal scheiterte. Nadal siegte anschließend zum ersten Mal auf dem heiligen Rasen.

Der Spanier gewann an der Church Road auch im vergangenen Jahr, weshalb er das Jubiläumsturnier standesgemäß auch auf dem Centre Court eröffnen durfte. In der Nacht zuvor hatte Nadal bis ein Uhr morgens den Sieg des von ihm verehrten nordirischen Golfers Roroy McIlroy bei den US Open verfolgt - vielleicht war er deshalb zu Beginn seines Auftaktmatches nicht so ganz bei der Sache. Erst nach einem 2:4-Rückstand im ersten Satz kam er auf Touren und gewann am Ende locker und standesgemäß mit 6:4, 6:2, 6:2.

sid

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare