Der "König von Wimbledon"

Federer schreibt einmal mehr Geschichte

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Roger Federer gewann zum sieten Mal in Wimbledon.

Wimbledon - Der Schweizer Roger Federer hat im Finale von Wimbledon den Engländer Andy Murray bezwungen und es all seinen Kritikern gezeigt. Am Ende gab es Tränen.

Roger Federer sank überwältigt auf den heiligen Rasen von Wimbledon. Tränen schossen ihm in die Augen. 4:6, 7:5, 6:3, 6:4 hatte der Schweizer Andy Murray bezwungen und es all seinen Kritikern gezeigt.

Mit seinem siebten Titel im Mekka seines Sports kehrt der Maestro auf den Tennis-Thron zurück. Zwei Jahre lang musste er auf seine angestammte Position verzichten, zweieinhalb Jahre auf seinen 17. Sieg bei einem Grand Slam warten. Bei den 126. All England Lawn Tennis Championships zeigte er wieder seine ganze Klasse.

Federer schloss mit seinem siebten Sieg beim wichtigsten Tennisturnier der Welt zu den Rekordhaltern Pete Sampras und William Renshaw auf. Ab Montag ist er damit die Nummer eins der Welt - in der insgesamt 286. Woche. So lange hatte es zuvor nur Sampras an der Spitze ausgehalten. „Ich muss niemandem mehr etwas beweisen“, hatte Federer vor dem Endspiel gesagt, allerdings zugegeben, dass er stolz sei, die Bestmarken seines Idols egalisieren zu können.

Im Angesicht dieser historischen Leistungen standen nach 3:24 Stunden sogar die britischen Fans unter dem geschlossenen Dach des Centre Courts auf, um zu applaudieren. Dabei hatten sie so sehr gehofft, dass ihr Landsmann Murray den Wimbledonfluch nach 76 Jahren endlich brechen könne. 1936 hatte in Fred Perry zuletzt ein Brite im Londoner Südwesten triumphiert. Und einen Satz lang sah es danach aus, als könne Murray die Geister der Legenden aus dem All England Club vertreiben und den Ausspruch „niemand seit Fred Perry“ aus dem Sprachschatz des britischen Tennis verbannen.

„Für diese Momente habe ich gearbeitet, nachdem ich vor zehn Jahren meine Familie verlassen habe, um Profi zu werden“, hatte Murray gesagt und war ohne jeden Anflug von Nervosität in sein viertes Grand-Slam-Finale gestartet. Zuvor hatte der 25-jährige Schotte keinen einzigen Satz gewonnen, nicht 2008 bei den US Open gegen Federer und auch nicht 2010 erneut gegen Federer sowie 2011 gegen den nun entthronten Novak Djokovic bei den Australian Open.

Federer zu Beginn nervös

Zur Überraschung der 14.979 Zuschauer auf dem Centre Court war es Federer in seinem 24. Majorfinale, der nervös auf den Platz gekommen war und sein erstes Aufschlagspiel verlor. Die gebannte Stille zwischen den Ballwechseln wich einem Jubelsturm, der die gesamte Anlage erfasste und von Tausenden Fans auf dem „Murray Mount“ vor der großen Leinwand verstärkt wurde. Im ganzen Königreich waren Kinosäle umfunktioniert worden, das Spiel wurde in 3D übertragen - sollte Murray Geschichte schreiben, wollten alle so nah wie möglich dabei sein.

Doch Federer spielte da nicht mit. Zwar war er in den vergangenen zwei Jahren im Viertelfinale von Wimbledon ausgeschieden, doch ist er mit seinem federleichten Spiel, den unzähligen Variationen beim Aufschlag, auf der Vorhand und Rückhand, sowie der Erfahrung von nunmehr 280 Grand-Slam-Begegnungen, noch immer der unumstrittene Herrscher im Rasenreich. Zwei brillante Punkte spielte Federer zum Ende des zweiten Durchgangs und beendete den Satz mit einem Rückhandvolleystopp. BBC-Experte Boris Becker, der selbst dreimal in Wimbledon gewonnen hatte, war fasziniert: „Roger ist der Zauberer des Centre Courts.“

Zu Beginn des dritten Durchgangs änderten sich die Bedingungen grundlegend. Schauer kamen in London SW19 herunter, das Dach musste geschlossen werden. Zum ersten Mal in der Turniergeschichte - seit 2009 gibt es diese Möglichkeit - fand damit ein Finale „indoor“ statt. Der fehlende Wind schien Federer zu bevorteilen. Murray kämpfte, doch Federer gelang beim Stand von 3:2 das entscheidende Break.

Er war nun der dominierende Spieler und nahm Murray auch im vierten Durchgang den Aufschlag ab. In der Royal Box hofften Herzogin Kate, die ihre Schwester Pippa, den Liebling der englischen Klatschpresse, mitgebracht hatte, Premierminister David Cameron sowie David und Victoria Beckham auf die Wende. Auf dem „Murray Mount“ hatten die tapferen Zuschauer den Regen überstanden, doch müssen sie nun alle noch mindestens ein weiteres Jahr mit Fred Perrys Geist leben.

sid

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