Klare Niederlage gegen Radwanska

Wimbledon: Kerbers Final-Traum geplatzt

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Angelique Kerber unterlag der Weltranglistendritten Radwanska in zwei Sätzen.

London - Angelique Kerber hätte es ihrem großen Idol Steffi Graf nachmachen können. Doch für den Einzug ins Finale von Wimbledon reichte es nicht. Agnieszka Radwanska trifft im Endspiel auf Serena Williams.

Erhobenen Hauptes verließ Angelique Kerber den Centre Court von Wimbledon, doch ihre Reise war zu Ende. Kerber winkte ins Publikum, drehte sich noch einmal in alle Richtungen und verabschiedete sich so vom Gedanken an die erste deutsche Finalteilnahme beim wichtigsten Tennisturnier der Welt seit 1999. 13 Jahre nachdem Steffi Graf im All England Club ihr letztes von neun Endspiel bestritten hatte, verlor Kerber gegen Agnieszka Radwanska 3:6, 4:6.

„Ich kann mir nichts vorwerfen“, sagte die beste deutsche Tennisspielerin später: „Sie hat einfach sehr gut gespielt.“ Bundestrainerin Barbara Rittner bestätigte die Analyse: „Radwanska hat heute fast das perfekte Match gespielt. Heute Abend sollten Angies Gedanken an ein tolles Turnier überwiegen.“ Die Enttäuschung wird die 24-Jährige aus Kiel wohl noch eine Nacht länger mit sich herumschleppen. „Heute wird noch hart. Ab morgen schaue ich nach vorne“, sagte Kerber: „Ich habe gelernt, die positiven Dinge zu sehen.“

Natürlich war da die Chance, in die Fußstapfen ihres Jugend-Idols zu treten. In Agnieszka Radwanska stand auf der anderen Seite des Netzes auch keine übermächtige Spielerin, die zig Grand-Slam-Titel gewonnen hat. Die Polin war ein Neuling im Kreise der besten Vier bei einem der vier wichtigsten Turniere der Welt, spielte jedoch abgebrüht wie ein Champion und trifft im Endspiel auf die viermalige Siegerin Serena Williams (USA/Nr. 6), die sich gegen Wiktoria Asarenka (Weißrussland/Nr. 2) 6:3, 7:6 (8:6) durchsetzte. Bei einem Sieg im Finale wäre Radwanska die neue Nummer eins der Weltrangliste. „Es war sehr eng. Ich bin glücklich, dass es gereicht hat. Ich freue mich auf das Finale“, sagte Williams.

Nur sechs unnötige Fehler unterliefen zuvor Radwanska. Die 23-Jährige verteidigte mit ihrer großartigen Beinarbeit an der Grundlinie, streute Stopps ein und konterte aus größter Bedrängnis. Alles Stärken, mit denen Kerber zuvor Vorjahres-Halbfinalistin Sabine Lisicki entzaubert hatte. Kerber musste angreifen, das war auch ihr Plan: „Ich wollte aggressiv sein, doch es war schwierig gegen sie Gewinnschläge zu erzielen.“

„Die einfachen Fehler sind untypisch für Angie“, sagte Rittner, hatte jedoch eine einfache Erklärung dafür: „Vielleicht wollte sie zu schnell etwas erzwingen und hat dann zu hohes Risiko gewählt.“ So funktionierte auch der erste Aufschlag nicht mehr wie gewünscht und das zweite Service ist mit 122 Stundenkilometern im Schnitt die größte Schwachstelle in Kerbers Spiel.

„Ich war heute auch ein oder zwei Schritte zu langsam“, sagte sie. Mit 45 Saisonsiegen hat sie so viele wie keine andere Spielerin auf der Tour gesammelt. Das Programm der vergangenen Wochen hat geschlaucht: „Jetzt mache ich eine Woche Pause, um meine Kräfte aufzuladen. Dann bereite ich mich auf Olympia vor.“ Zuspruch hatte Kerber bereits vor dem zweiten Major-Halbfinale ihrer Karriere nach den US Open im vergangenen Jahr bekommen - und zwar von höchster Stelle. Sie saß gerade beim Mittagessen, hatte Hühnchen mit Reis und Erdbeeren vor sich stehen, als auf einmal ihr Name durch die Lautsprecherboxen des All England Clubs dröhnte. Trainer Torben Beltz ließ durchblicken, dass eventuell Steffi Graf in der Umkleidekabine warten könnte.

„Da hab ich die Erdbeeren stehen lassen und bin losgesprintet“, erzählte Kerber und die Enttäuschung über die Niederlage gegen Radwanska wich einer kindlichen Freude. Tatsächlich traf sie erstmals die 22-malige Grand-Slam-Siegerin und war hellauf begeistert: „Es war, als würden wir uns zehn Jahre kennen. Ein unglaubliches Gefühl.“ Graf habe ihr gesagt, sie solle ihre Matches auf dem heiligen Rasen genießen.

Wenn die erste Enttäuschung über die Niederlage verpufft ist, Kerber am Samstagabend im ZDF-Sportstudio sitzt und realisiert, dass sie sich als neue Weltranglistensiebte im Kreis der Weltspitze etabliert hat, dann kann sie Grafs Rat befolgen. Am 28. Juli beginnt das olympische Tennisturnier und Kerber kehrt zurück auf den Centre Court des All England Clubs.

sid

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