"Wer absoluten Erfolg will, muss dopen"

Stuttgart - Der wegen Weitergabe von Dopingmitteln und versuchten Blutdopings verurteilte Ex-Sport-Manager Stefan Matschiner hat auf erschreckende Weise schwere Anschuldigungen gegen den professionellen Sport erhoben.

„Doping ist überall latent, auch in Deutschland. Wer den absoluten Erfolg will, der muss dopen“, sagte Matschiner den Stuttgarter Nachrichten und deutete verheerende Verhältnisse an: „Es gibt auch in Deutschland mehrere Stationen, in denen Ähnliches gemacht wird wie damals in der Wiener Blutbank.“

Die aktuelle Diskussion um die UV-Behandlungen am Erfurter Olympiastützpunkt hält Matschiner für sinnlos. „Es ist eine verbotene Methode. Aber sie bringt überhaupt nichts“, sagte er aus eigener Erfahrung: „Böse Zungen behaupten, dass in Erfurt ein Vorwand gesucht wurde - damit nur über die UV-Bestrahlung diskutiert wird, obwohl in Wirklichkeit richtiges Blutdoping betrieben wurde.“

Für die Dopingproblematik im Profi-Sport gibt es laut Matschiner, der 2010 vom Wiener Straflandesgericht zu einer einmonatigen Haftstrafe verurteilt worden war, keine Lösung. „Im Sport geht es um Geld, und es gibt immer jemanden, der dafür mehr zu tun bereit ist als andere. Wenn wir das Geld aus dem Spiel nehmen, geht es nur noch um die Ehre. Und trotzdem gibt es irgendwo einen Egoisten, der sagt, diesen Lorbeerkranz will ich unbedingt auf meinem Kopf“, sagte Matschiner, der auch Dopingtests als sinnlos erachtet, da „heute vor allem in Mikrodosierungen gedopt“ werde.

Dopingfreie Sportarten gebe es nicht, sagte er, „jeder Sport hat seine Droge, und das wird auch so bleiben.“ Auch der Fußball sei eine „prädestinierte Sportart für Doping, denn dieser Mix aus Schnelligkeit und Ausdauer, der heute verlangt wird, ist nicht mehr natürlich.“

Er selbst habe als Manager und Doping-Dealer um die 50 Athleten aus 13 Ländern betreut, davon allerdings nur die wenigsten selber zum Doping animiert. „Das Verlangen kommt immer vom Sportler“, sagte Matschiner, der aber weiterhin davon überzeugt ist, nicht gesundheitsschädlich gehandelt zu haben: „Ganz dosiertes Doping ist besser für die Leistungsfähigkeit als Doping-Hämmer mit großen Nebenwirkungen, die gesundheitsschädigend sind.“ Seine Athleten hätten „drei Olympia-Siege und vier WM-Titel geholt“. Reue empfindet er nicht: „Ich war eines der ganz braven Schäfchen und von Skrupellosigkeit weit entfernt. Da gibt es andere“, sagte er.

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Die Beschaffung verbotener Stoffe sei einfach, wenn man die richtigen Kontakte habe. „Außenstehende wie Polizisten oder Journalisten kommen in dieses Netzwerk nicht hinein“, sagte er.

Der Radsport sei nach wie vor alles andere als sauber, denn „von den 200 Radprofis, die bei einer Tour de France starten, sind vielleicht zehn Prozent sauber - ohne dass ich jetzt für mich in Anspruch nehme, die genaue Zahl zu kennen“, so Matschiner.

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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