Weniger Berge: So wird die Tour de France 2012

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Tony Martin mit Zeitfahrhelm

Paris - Die Tour de France hat 2012 nur drei Bergankünfte, dafür aber einen Prolog und zwei lange Einzelzeitfahren im Programm. Damit ist sie maßgeschneidert für einen deutschen Radprofi.

Tony Martin war begeistert. Der Etappenplan der 99. Tour de France ist ganz nach dem Geschmack des Zeitfahr-Weltmeisters, dem zum Auftakt in Lüttich gar das Gelbe Trikot winkt. “Zwei lange Einzelzeitfahren und ein relativ langer Prolog - das ist optimal und motiviert mich sehr“, sagte der 26-Jährige der Nachrichtenagentur dapd, nachdem im Palais des Congres in Paris die Route der kommenden Frankreich-Rundfahrt (30. Juni bis 22. Juli) vorgestellt worden war.

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

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Nach den Kletterpartien in den vergangenen Jahren erscheint die Tour 2012 auf den ersten Blick nicht gar so schwer. Nur drei Bergankünfte in La Planche des Belles Filles, La Toussiere-Les Sybelles und Peyragudes sind auf den 3479,1 Kilometern von Lüttich bis Paris zu meistern. Die legendären Anstiege wie Alpe d'Huez, Galibier oder Mont Ventoux werden nächstes Jahr ausgelassen.

Kein Kurs für die Bergspezialisten

So müssen sich die Bergspezialisten wie der Vorjahreszweite Andy Schleck (Luxemburg) oder Alberto Contador (Spanien), so er denn mit Blick auf sein Dopingverfahren im November überhaupt starten darf, gewaltig anstrengen. Vielmehr kommt der Kurs, der irrtümlicherweise schon in der Vorwoche im Internet aufgetaucht war, dem australischen Toursieger Cadel Evans entgegen. Evans gehört zu den besten Zeitfahrern der Welt und ist auch in den Bergen nicht so schnell abzuhängen. Der Australier war in Paris entsprechend gut gelaunt: “Die ersten zehn Tage sind sehr wichtig. Da muss man aufpassen. Der zweite Teil mit den Zeitfahren kommt mir entgegen.“

Das trifft auch auf Martin zu. Der gebürtige Cottbuser dürfte insgeheim schon vom Gelben Trikot in Lüttich träumen. Der 26-Jährige, der im September Zeitfahr-Champion Fabian Cancellara bei der WM in Kopenhagen entthront hatte, zählt in der jetzigen Form zu den Topfavoriten auf den ersten Tagessieg. Martin hatte in diesem Jahr neun seiner zwölf Saisonsiege im Kampf gegen die Uhr geholt, erst am Wochenende war er beim Zeitfahren “Chrono des Nations“ in Les Herbiers der Konkurrenz davongefahren. Und im weiteren Verlauf stehen noch lange Zeitfahren über 38 und 52 km auf dem Programm.

Seine Planungen für 2012 will Martin, der nach dem Aus des Highroad-Rennstalls im nächsten Jahr für das belgische Team Omega Pharma-Quickstep fährt, trotz der angenehmen Streckenführung aber nicht über den Haufen werfen. “Selbst wenn ich ein, zwei Minuten auf die Topfavoriten heraushole, sind die in den Bergen ganz schnell wieder weg. Ein langes Zeitfahren mehr wirft meine Planungen nicht um“, ergänzte Martin, der 2012 den Olympiasieg im Einzelzeitfahren als Ziel ausgegeben hat und die Tour daher nur als “Vorbereitungsrennen“ nutzen will.

Contador verzichtet auf den Giro

Für Contador hat die Tour dagegen höchste Priorität. Der dreimalige Sieger kündigte bereits an, auf den Giro d'Italia zu verzichten, um in Frankreich in Bestform zu sein. In diesem Jahr hatte Contador in Italien triumphiert, bei der Tour war er dagegen anschließend nicht über Platz fünf hinausgekommen. Doch bevor er seine Revanche starten kann, muss der Spanier seine schwerste Etappe noch gewinnen. Vom 20. bis 24. November verhandelt der Internationale Sportgerichtshof CAS seinen Dopingfall aus dem Vorjahr. Contador war bei der Tour 2010 positiv auf Clenbuterol getestet worden und hatte dies mit einem verunreinigten Stück Fleisch begründet. Bei einer Verurteilung müsste er auch seinen dritten Gesamtsieg an Schleck abtreten.

Die Frankreich-Rundfahrt 2012 führt nach dem Start in Lüttich zunächst durch Belgien und Nordfrankreich, ehe es Richtung Alpen geht. Danach werden die Pyrenäen angesteuert. Das Finale findet traditionsgemäß auf den Champs Elysees in Paris statt.

dapd

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